Du bist ein Symptom der Krise

Jawohl, die Welt ist schlecht. Aber sollten das nicht inzwischen alle kapiert haben? Unsere Autorin erlebte bei Ersan Mondtags „Die Vernichtung“ eine bedenklich schlichte Degenerationserzählung.

Es gibt Theaterabende, die sind so dürftig, dass man es gar nicht glauben kann. „Die Vernichtung“, ist einer davon. Dabei fängt alles sehr nett an. Continue reading Du bist ein Symptom der Krise

„Warum willst du Theater spielen?“

In „Five Easy Pieces“ muss Peter Seynaeve den „bösen Mann” spielen. In Wirklichkeit ist er jedoch einer der charmantesten Menschen, denen sie je begegnet ist, behauptet unsere Autorin. Ein Gespräch auf der Hinterbühne. Mit lärmenden Kindern in der Künstlergarderobe.

TT-BLOG: Ich bin noch dermaßen aufgewühlt, dass ich gar nicht weiß, wie ich jetzt mit Ihnen ein Interview führen soll. Continue reading „Warum willst du Theater spielen?“

Lichtausfall am NGO-Pool

Der Kolonialismus ist nicht verschwunden, er hat bloß ein freundlicheres Gesicht. Das zeigt Rainer Merkel mit „Lauf und bring uns dein nacktes Leben“ am Stückemarkt.

Die gute Nachricht: Es gibt sie noch, die echt dramatischen Stücke. Keine Aneinanderreihung von narrativen Endlosmonologen, sondern schlagfertige, witzige Szenen mit drei, vier und mehr Beteiligten. O Wunder! Continue reading Lichtausfall am NGO-Pool

Wenn Frauen bluten

Inzest auf der Autobahntoilette. Man kann Nachmittage angenehmer verbringen als mit einer Lesung von Tanja Šljivars „We Are the Ones…“. Aber auch besser? 

Die Stücke vom Stückemarkt sind ziemlich hoch aufgehängt, was das Politische betrifft. Sie sind sehr wichtig für den Erhalt der Demokratie. So oder so ähnlich hieß es auf der Stückemarkt-Eröffnung am Donnerstag. Continue reading Wenn Frauen bluten

Die Krise der Kritik

Was kann eine gut gesetzte Theaterkritik wirken? Darüber diskutierten am Dienstag zwei Berufskritiker mit zwei Regisseuren. Eine kuriose Veranstaltung.

Beim Theatertreffen hat eine Diskussion mit dem Titel „Ein durch und durch jämmerliches Stück“ stattgefunden. Sie bezog sich damit auf ein Zitat aus einer gewissen Kritik, die eine gewisse Kritikerin in einer gewissen überregionalen Wochenzeitung veröffentlichte. Continue reading Die Krise der Kritik

Die Erinnerungsarbeit einer Lesung

Die szenische „Schimmelreiter“-Lesung am Dienstag bot auch Anlass, über die Grenzen des Theaters nachzudenken. Unsere Autorin sprach mit dem Ensemble.

TT-Blog: Was ist das denn für ein spielerischer Vorgang, wenn man schon eine ganze Inszenierung erarbeitet hat und dann sozusagen zu einer Lesung zurückkehrt? Wie lässt sich das beschreiben, was ist da der Unterschied? Continue reading Die Erinnerungsarbeit einer Lesung

Eine Sonate als Theaterstück?

Zum Ausklang der szenischen Lesung des „Schimmelreiters“ spielte der Pianist Igor Levit Beethovens letzte Klaviersonate Nr. 32 in C-Moll, Opus 111. Wie es dazu kam? Wir haben nachgefragt.

TT-Blog: Igor Levit, das war jetzt eben eine sehr experimentelle Anordnung! Erst die Lesung und dann dieses irrwitzige Klavierspiel, das noch einmal eine vollkommen andere Ebene hineingebracht hat. Wie kam es überhaupt zu dieser Konstellation? Continue reading Eine Sonate als Theaterstück?

Über politisches Theater

Herbert Fritsch nutzte am Sonntag seine Dankesrede beim Berliner Theaterpreis auch, um von der Wirkmacht eines breiten Grinsens zu erzählen. Ein großer Moment.

Was ein kleines Störfeuer alles lostreten kann: Gerade eben noch hatte das umwerfende Ensemble von Herbert Fritsch bei der Verleihung des Berliner Theaterpreises eine hinreißende Laudatio-Show hingelegt und der Berliner Kultursenator Klaus Lederer hatte von der Volksbühne als dem Humus gesprochen, auf dem ein Künstler wie Herbert Fritsch wachsen und gedeihen konnte, da brüllte ein Zuschauer aus den hinteren Reihen: „Warum schließt ihr sie dann?“ Continue reading Über politisches Theater

Sind Sie vielleicht der…?

Schminke, Kostüme und dreißig Meter Luftlinie: Schauspieler nach der Vorstellung wieder zu erkennen, kann schwierig sein. Anläufe zu einem spontanen Interview.

Michael Althen hat einmal geschrieben, er sei eigentlich nur Filmkritiker geworden, damit er mit all den schönen Frauen, die er sonst nur von der Leinwand kennt, auch mal Auge in Auge sprechen kann, zum Beispiel in einem Interview. Diese Aussage ist natürlich ziemlich korrupt und würde heutzutage im unrühmlichen Abfalleimer der Altherrenphantasie landen. Aber es ist auch ein Körnchen Wahrheit darin. Im Theater verhält es sich nicht anders, die Zuschauer lieben ihre Schauspieler. Continue reading Sind Sie vielleicht der…?