Alles wird gut! Alternative Schlüsse für alle Theatertreffenstücke

Uns gefällt es nicht, dass die beim Theatertreffen inszenierten Textvorlagen zu meist grausamen, finalen Szenen führten, wo Leichen herumliegen, wo Beziehungen am Boden zerstört sind, wo keine Hoffnung mehr herrscht. Daher bieten wir als exklusiven Service schönere, frohere Enden an. Ja, alles kann gut werden! Continue reading Alles wird gut! Alternative Schlüsse für alle Theatertreffenstücke

Alle Ottos. Das motzende Blogmaskottchen als Serie

Hohe Hacken, Hitzewallungen auf der Seitenbühne, Liebeskummer wegen Lars Eidinger: Otto, das 5-jährige, rauchende Blogmaskottchen hat beim 50. Theatertreffen einiges durchgemacht. Otto motzte, Otto kotzte. Und Otto sagt tschüss.

Sammelmappe voller Zeichenkritiken

In der Kategorie der Zeichenkritik unternahm ich im Rahmen des Theatertreffens den Versuch, Inszenierungen gewissermaßen in eine Zeichnung zu übersetzen.

Otto raucht die letzte Kippe

„Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette. Und ein letztes Glas im Steh’n …” Otto raucht wehmütig die letzte Kippe und verabschiedet sich mit gut gemeintem Gemotze vom Theatertreffen 2013. 200 (zweihundert!) Blogposts und so einige Brezeln hat Otto in den vergangenen 20 Tagen konsumiert. Wie viele Schachteln Zigaretten, fragen wir erst gar nicht.

Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE
Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE

So gut wie Otto können wir noch nicht loslassen: Lesen Sie heute im Laufe des Tages noch unser 50-Zeichen-Fazit, erfahren Sie, was Regietheater im Englischen bedeutet und machen Sie abschließend unsere Blogrundschau mit.

Jahrmarkt der Grausamkeiten

In der Inszenierung von Sebastian Nübling und dem Ensemble der Münchner Kammerspiele dreht sich ein Kettenkarussell um die trashige Spießigkeit einer US-amerikanischen Kleinstadt. „Orpheus steigt herab“ von Tennessee Williams – eine Parabel über Fremdenfeindlichkeit und über den verzweifelten Versuch, die Liebe zum Anderen zu retten.

Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE
Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE

Bloggerin Eva Biringer ist ganz angetan vom „steten, smoothen Gleiten“ von Risto Kübar in der Rolle des „Val“. Und wer sich nicht mehr ganz sicher ist, worum es in der griechischen Mythenwelt bei Orpheus ging, findet hier Nachhilfe. Alle Zeichenkritiken zu den zum TT eingeladenen Inszenierungen hier.

Otto erklärt Orpheus. Griechische Mythologie in drei Minuten

Heute Abend ist die Theatertreffen-Premiere von Sebastian Nüblings Inszenierung von  „Orpheus steigt herab“, geschrieben von Tennessee Williams. Orpheus, Orpheus, Orpheus, wer war verdammt noch mal Orpheus? Eine kleine dramaturgische Einführung von Blogmaskottchen Otto, die eigentlich am liebsten motzt.

orpheus

Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE
Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE

Die Geschichte, die erzählt, wo die Lyra herkommt, mit der Orpheus die ganze Welt verrückt macht, ist eigentlich noch viel spannender, wenn auch weniger romantisch. Sie muss ein anderes Mal erzählt werden. Hinweis am Rande: Sie hat etwas mit Schildkröten zu tun …

„Unsere nächste Aufgabe ist die Kollektiv-Bildung.“ Das TT-Blog-Team trifft Thomas Oberender

Die TT-Blog-Redaktion traf sich vor einigen Tagen mit Thomas Oberender in seinem Büro. Am Eröffnungsabend des diesjährigen Theatertreffens hatte der Intendant der Berliner Festspiele von der „wohl tiefgreifendsten kulturpolitischen Wende der letzten 40 Jahre“ und von „Institutionen im Wandel” gesprochen. TT-Bloggerin Henrike Terheyden fragte sich, was wohl damit gemeint sei. Wir veröffentlichen das Gespräch über „Institutionen neuen Typs”, Kulturnationalismus, die Berliner Netzkonferenz re:publica und Thomas Oberenders Pläne für die Berliner Festspiele und das Theatertreffen in voller Länge, als Blog können wir uns das leisten (wir haben nicht das Platzproblem einer Zeitung).

TT-Blog-Team Oberender
Am Besprechungstisch in der Intendanz der Berliner Festspiele (v.l.n.r.): Eefke Kleimann, Henrike Terheyden (verdeckt), Eva Biringer, Clemens Melzer, Thomas Oberender. Foto: Mai Vendelbo

Henrike Terheyden: Was ist die kulturpolitische Wende von vor vierzig Jahren, von der Sie in Ihrer Eröffnungsrede zum Theatertreffen sprachen?
Thomas Oberender: Alles begann, wenn wir vom Theater sprechen, und die früheren Avantgardebewegungen einmal ausklammern, Mitte der sechziger Jahre mit dem Umbau des kleinen Kinos Concordia in eine Spielstätte des Theaters Bremen – auf einmal gab es so etwas wie Bühnen, die keine Bühnen mehr waren, sondern Kinos, Fabrikhallen, Werkstatträume. In allen Feldern der Kunst entstanden Performances, Happenings und die Popkultur wurde zu einer Art Leitkultur der westlichen Moderne. Und die Politik vollzog diesen Wandel mit, sie öffnete sich der Förderung von alternativen Werk- und Erlebnisformen, bis hin zu neuen Mitbestimmungsmodellen. Aus dieser gesellschaftlichen und ästhetischen Bewegung heraus sind neue kulturpolitische Situationen entstanden, weil sich der Kunstbegriff nachhaltig demokratisiert hatte. Dass die sogenannte freie Szene Kultur produziert und nicht einem Hobby nachgeht, wurde strukturell in neuen Fördermodellen abgebildet. Theater im öffentlichen Raum oder in Fabrikhallen, die Vermischung von Diskurs, Kunst und Party auch an den traditionellen Häusern – das begann vor 40 Jahren. Mit Zadek.

HT: Meinen Sie mit Demokratisierung den gleichmäßigen Zugang von allen Bevölkerungsschichten zu Kultur?
TO: Das ist ein Merkmal von Populärkultur. Und zwar nicht nur materiell, weil sie nahezu jeder bezahlen kann, sondern auch ideell – Pop ist mehr oder weniger barrierefrei. Ich meine es aber auch in folgendem Sinne: Denken Sie an Jérôme Bels „Disabled Theater“, das behinderte Theater, also das sich selber behindernde Theater, hat einen ganz anderen Begriff vom Tänzer. Er ist nicht mehr Angehöriger einer Elite, die bestimmte Schulen besucht hat und Codes verinnerlicht, sondern Jérôme Bel arbeitet wie Beuys – er ist Konzeptkünstler, für den alles zum Material seiner Kunst werden kann. Gerade das, was wir gemeinhin als Nichtkunst betrachten. Zum Beispiel der Tanz von Behinderten. Wenn er das als Kunst zeigt, sprengt er die Definition dieser traditionellen Eliten, Institutionen und Hierarchien. Transparenz und Partizipation waren die Leitworte des letzten Kulturwandels. Es ging darum, Vorgänge durchsichtig und interaktiv zu gestalten. Das kommt aus der Wirtschaft und macht vor der Kunst keinen Halt.

HT: Greift die Demokratisierung auch auf die kulturpolitischen Strukturen über, wie haben sich diese verändert?
TO: Naja, da ist das treffendste Wort sicher das von der allumfassenden Entsicherung unserer Lebensverhältnisse. Transparenz ist ein anderes Wort für Kontrolle, möglichst in Echtzeit. Partizipation heißt irgendwie auch: Ich muss jetzt noch mehr tun. In diesem Sinne werden Institutionen umgebaut. Sie werden entsichert. Statt eines Vertrauensvorschusses, den man traditionellen Institutionen gewährt, werden sie zu Projektlabors, also flexibilisiert, und ab da muss jede Taxirechnung dreifach geprüft werden. Die Entwicklung geht weg von der kontinuierlichen Förderung fixer Strukturen zur Gewährung von Zuwendungen von Fall zu Fall. Ich kann dieses Wort „Zuwendung“ schon gar nicht mehr hören! Die will immer verdient und bedankt sein. Am Anfang meiner Rede zur Eröffnung des Theatertreffens stand nicht zufällig die lange Reihe der Danksagungen. Hinter jeder Danksagung stecken im Grunde ein Juryantrag und eine Juryentscheidung, die den Antrag genehmigt haben. Ich bin der Meinung, dass Politik noch nie so mächtig in den Bereich des Kunst- und Kulturschaffens hineingewirkt hat wie im Augenblick. Es scheint eine stille Übereinkunft der Haushälter zu sein, dass institutionelle Zuwendungen nicht mehr erhöht werden. Die Stadt- und Staatstheater können glücklich sein, wenn sie Tarifausgleiche erhalten. Seit 25 Jahren haben sich die künstlerischen Ensembles um ein Drittel verringert, der Ausstoß wurde aber verdoppelt: Inzwischen bemühen sich also auch die traditionell organisierten Häuser um zusätzliche Drittmittel und zwar genauso vehement wie jene Institutionen und freien Produzenten, deren Arbeit ganz und gar auf diesen Projektgeldern beruht. Continue reading „Unsere nächste Aufgabe ist die Kollektiv-Bildung.“ Das TT-Blog-Team trifft Thomas Oberender

Bühnenwatch demonstrierte beim Public Viewing der „Johanna“-Inszenierung

Die zum Theatertreffen eingeladene Inszenierung von Bertolt Brechts „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ in der Regie von Sebastian Baumgarten ist heute am Sony Center, Potsdamer Platz, im Public Viewing gezeigt worden. Aktivisten und Aktivistinnen der Gruppe Bühnenwatch, die bereits gestern einen Offenen Brief an die Festivalleitung und die TT-Jury veröffentlicht hatten, haben Handzettel verteilt und mit Bannern demonstriert, um auf die Verwendung von rassistischen Zeichen in der Inszenierung hinzuweisen. Sie betonten, es ginge ihnen nicht um die Störung der Übertragung, sondern darum, einen Diskurs in der Öffentlichkeit über die Verwendung rassistischer Zeichen in Kunst- und Alltagszusammenhängen anzustoßen. Der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender und die Leiterin des Theatertreffens Yvonne Büdenhölzer haben Gesprächsbereitschaft mit der Aktivistengruppe signalisiert.

Foto: Mai Vendelbo

Am Montag, 20. Mai findet um 14.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele die Abschlussdiskussion zum Theatertreffen statt, bei der die Jury des Theatertreffens über die Auswahl der Inszenierungen diskutiert.

Otto schwitzt

Okay, zugegeben – jetzt hat sich das Wetter abgekühlt und schreckt auch nicht vor Regen zurück. Aber wer die letzten beiden Tage „Die Ratten“ auf einem der hinteren Publikumsplätze, ziemlich weit oben auf der Hinterbühne im Berliner Festspielhaus gesehen hat, weiß, wovon Otto spricht.

Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE
Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE

Hier unsere KritikZeichenkritik und Interviews (Jens Kilian und Kate Strong) zur Inszenierung.

Im Rattenkäfig der Meta-Ebene

In Karin Henkels Inszenierung von Gerhart Hauptmanns „Die Ratten” thematisiert sich das Theater vor allem selbst. Zur einen Hälfte komisch, zur anderen tragisch, sind die Protagonisten dem Schicksal unterworfen, gefangen im Rattenkäfig ihrer eigenen Meta-Diskussion.

Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE
Zeichnung: Henrike Terheyden/ KENDIKE

Heute Abend findet die zweite Vorstellung auf der Hinterbühne der Berliner Festspiele statt. Hier die Hintergründe warum der Bühnenbildner Jens Kilian sich für die Hinterbühne entschieden hat, und was Kate Strong auf der selbigen macht. Weitere Zeichenkritiken zu anderen Inszenierungen beim TT hier.