Kulturblogger gesucht!

Zeichnen kann auch Bloggen sein. Foto: Nadine Loës

Jubiläum! Jubiläen! Das Theatertreffen feiert im nächsten Jahr seinen 50., das Theatertreffen-Blog ein halbes Jahrzehnt. Bis zum 28. Februar können sich Blogger, Journalisten, Autoren, Fotografen, Medienkünstler, Zeichner und Blogger bewerben, zum ersten Mal ohne Altersbeschränkung, die das Festival als TT-Blogger kritisch und online begleiten wollen. Drei Wochen lang, in Berlin. Genaue Bewerbungsmodalitäten auf der Webseite der Berliner Festspiele.

Die Highlights

Eine abschließende Auswahl aus 120 Blog-Beiträgen zum diesjähren TT, rein subjektiv und thematisch sortiert. (And if you’re looking for articles in English, here they are.)

Wenn die Kastanien blühen, ist Theatertreffen. Wenn sie nicht mehr blühen, hilft das TT-Blog bei jeglicher TT-Sehnsucht. Foto: Nadine Loës

Fotografiert hinter den Kulissen: Da gibt es Abseitiges vom Festival-Alltag in der Rubrik “Bemerkenswert!“, die Dokumentationen des Aufbaus des aufwändigsten Bühnenbildes beim TT (Platonov) und des Faust-Bühnenbildes, Bilder von der Fotoprobe zur Sarah Kane-Trilogie, sowie Bilder aus der Sauna, die im Festival-Garten aufgestellt war.
Theaterprominente: In einer Fotostrecke ist die Preisverleihung an Sophie Rois aus der ersten Reihe nachzuerleben, der Regisseur Nicolas Stemann, Steve Will vom Theaterkollektiv Gob Squad, der Schauspieler Sebastian Rudolph (Faust 1+2) erzählen von ihrer Arbeit in Interviews. Ein Video führt “Durch die Nacht” mit den Autoren Paul Brodowsky und Michel Decar. Und der Intendant der Berliner Festspiele, Thomas Oberender, gibt einen Ausblick auf seine Pläne.
Kulturpolitik: Vom Fallbeispiel zum Überblickstext, so beschäftigte sich das Blog mit aktuellen Debatten. Die einminütige Kurzrede des Ernst-Busch-Studenten gegen die Sparpolitik des Berliner Senats bei der Eröffnung des Theatertreffens ist im Mitschnitt zu hören, ein Besuch des Ernst-Busch-Basislagers als Reportage zu lesen, ein Ausflug mit Kulturpolitikern in einem Langfeature zu begleiten. Und wie das deutschsprachige Theater auf Fukushima reagiert hat, fand ebenso Platz auf dem Blog.
Denkpausen: Eine Begegnung mit dem Zeit-Verständnis der jüngeren Theatergeneration, die Rede des britischen Dramatikers Dennis Kelly “Why political theatre is a complete fucking waste of time” zur Eröffnung des Stückemarkts, zwei Lesarten des traumatischen Effekts bei Hate Radio (Traumatisierung, aktive Verarbeitung des Traumas), eine Erörterung des D-Words (= Dramaturg), alle Fragen einer “Ausländerin” zum deutschsprachigen Theater – das sind einige der breiten Lesetexte des TT-Blogs.
Borkmann Total: Besuchergesichter nach der Vorstellung von “John Gabriel Borkmann”, eine Borkmann-Vorstellung getwittert (mehr davon unter #borkmann).
Fakten: Theater-O-Meter (wieviele Inszenierungen verwenden Puppen, Wasser, Farbe, Nacktheit, etc.), Analysen der Schauspiel-Stile, Auswertung der verwendeten Wörter in allen Kritiken zum TT, die Netzaktivitäten und grafischen Auftritte der eingeladenen Theater unter der Lupe.
Zeichnungen: Eine ganz eigene Kategorie. Hier alle gezeichneten Reaktionen aufs TT.
Stückemarkt: Welche neuen Texte auf die Bühne drängen, warum sich Preisträgerin Pamela Carter als „anorexic writer“ beschreibt und wie sich das erste kollektive Autorenprojekt beim Stückemarkt schlug.
Falls Sie in dieser Zusammenstellung nicht fündig geworden sind und etwas ganz anderes zum TT lesen möchten, nutzen Sie doch unser Suchfeld ganz oben auf der Seite. Und sagen Sie uns gerne, welcher Beitrag für Sie ein Highlight war.

Das war das TT 12 für mich: ein Kollektiv-Beitrag

Dies ist ein Kollektiv-Beitrag des Theatertreffen-Blogs. Streng nach René Polleschs Definition aus „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“ müssten wir unseren „lockeren Haufen“ aber wohl eher als „kapitalistisches Netzwerk“ bezeichnen.
Dieses wir besteht im Kern aus sechs Bloggern. Zwei Gast-Blogger haben ebenfalls Ideen und Artikel beigetragen. Wir wurden außerdem unterstützt, betreut, geleitet, konstruktiv kritisiert (oder manchmal auch ein wenig genervt) von zwei Mentoren, einer Redaktionsleiterin und einem organisatorischen guten Geist.

Die Blog-Redaktion 2012 (v.l.n.r.): Nadine Loës, Hamed Eshrat, Dirk Pilz, Miriam Rose Sherwood, Michaela Engelbrecht (hinten), Magdalena Hiller, Karl Wolfgang Flender, Adrian Anton (vorne). Leider nicht auf dem Bild sind die Gastbloggerinen Gudrun Pawelke und Kyoko Iwaki und die Redaktionsleiterin Barbara Behrendt.

Wir haben seit Februar für das TT-Blog geschrieben und gearbeitet, aber wie es sich für ein Netzwerk gehört, haben wir uns erst am 2. Mai 2012 zum ersten Mal sozusagen live und analog getroffen. Wir sind aus ganz verschiedenen Leben, Städten, Hintergründen und Gründen zum TT-Blog gekommen. Wir haben daher auch keine homogene Meinung, sondern zeichnen uns durch Heterogenität und disparate Perspektiven aus. Aber: In der gemeinsamen Zeit des TT12 haben uns gemeinschaftsstabilisierende Übergangs– und Initiationsriten verbunden, verändert und wahrscheinlich auch nachhaltig geprägt, so dass unser lockerer Netzwerk-Haufen jetzt kollektiv, aber in ganz lockerer Reihenfolge und ohne Anspruch auf Konsens, sagen kann: DAS WAR DAS TT 12 FÜR MICH! Continue reading Das war das TT 12 für mich: ein Kollektiv-Beitrag

TT12-Umfrage

Am Eingang, im Festspielcafé, an der Gadrobe … oder spätestens auf dem Zuschauersitz begegnet man einer kleinen Karte, die „es wissen will“.
Nächstes Jahr gibt es einen Anlass mehr zum feiern – das TT freut sich auf sein fünfzigjähriges Jubiläum. Um es den Gästen  besonders attraktiv zu machen, bittet man auf der Karte in fünf Fragen, um die persönliche Meinung zum Theatertreffen. Die Antworten werden anonymisiert, gesammelt und ausgewertet. Wir TT-Blogger sind es ja gewohnt unsere Meinung öffentlich in Pixeln im World Wide Web zu verewigen, so auch in diesem Fall, hier unsere Antworten zur TT 12-Umfrage:
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Most bemerkenswert, according to the TT-Bloggers

Last night this year’s 3sat prize was awarded to Nicolas Stemann’s Faust I + II. Some said it was a worthy recipient: the acting of Philipp Hochmair and Sebastian Rudolph was irrefutably intense, the director proved capable of applying just about every German theatre style from Brechtian to post-dramatic, and the whole performance struck just the right balance between classical and avant-garde theatre, splitting the difference between Platonov and John Gabriel Borkman. Others were less satisfied with the result: if the prize was to be given to “innovative, zukunftsweisende Arbeiten” [innovative and pioneering work] maybe Borkman might have been a better candidate, for instance, or anther Stemann production, or either Faust I or II.
I guess it all depends on how you define “bemerkenswert,” the only official criterion for the TT jury. This term is of course subjective, and the jury’s choices consciously or subconsciously form both the international and national definition of what German theatre looks like.
So, I asked all the members of the TT blog team to come up with the most remarkable production they saw this season, giving them only three criteria.
1. The production must be bemerkenswert.
2. It can be any kind of staged performance
3. It doesn’t have to be a German-speaking production.
And so, here are this year’s TT-bloggers most bemerkenswerte productions. Continue reading Most bemerkenswert, according to the TT-Bloggers

Saunalandschaft

Viele Theatertreffen-Gäste wundern sich: Seit dem 17. Mai steht plötzlich eine Sauna im Garten der Berliner Festspiele. Das Projet „Sauna on wheels” stammt von der schwedischen Theaterkompanie Institutet. Deren Idee: „Nach dem Vorbild des finnischen Präsidenten Urho Kekkonen, der seine Sauna während des Kalten Krieges als Forum für diplomatische Verhandlungen zwischen Politikern aus Ost und West einsetzte, wollen Institutet die Idee weiterentwickeln und im Kontext des Theatertreffens 2012 neu aufsetzen.“
Ob diplomatische Verhandlungen stattfinden, lässt sich schwer sagen, zumindest lädt die Sauna zum Entspannen, Verweilen, Diskutieren und Austauschen inmitten des Festivaltrubels ein. Auf einem kleinen Anhänger montiert, steht die Tür offen für alle Gespräche und Möglichkeiten. Hier sitzt man auf engstem Raum zusammen, wie im Theater oder bei einer Performance, die Themen und Situationen sind jedoch frei wählbar – Ein privater und geschützter Bereich, in dem aber alles offen ist. Und: Neben der körperlichen Veränderung ist auch eine mentale Veränderung möglich. Sehen Sie selbst:

Theatric-O-Meter

We knew from the start that all ten of the productions invited to Theatertreffen were in some way “remarkable,“ that they had something that made them stand out in the crowd of 700 performances the jury attended over the year. But, looking back over the festival, what did the productions have in common? Here are some statistics:
Performers

Puppets backstage at "Faust I+II", Photo: Nadine Loës

7/10 productions had actors shouting lines that do not logically require to be shouted

3/10 had actors performing more than one role (multi-roling)
9/10 addressed the audience directly (broken 4th wall)
4/10 didn’t stick to the script, opting for moments of improvisation
3/10 directly and deliberately referenced the Theatertreffen festival
7/10 had lines performed in two or more languages
5/10 featured some form of nudity, ranging from bare bums to full-frontal.
5/10 included either dance routines or gymnastics
4/10 had real live children
3/10 used either puppets or animal costumes
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Mit zehn Jahren Verspätung

Der 3sat-Preis hat eine turbulente Vergangenheit. Wir rekapitulieren kurz um die heutige Preisverleihung auch richtig einordnen zu können:
2009 kämpfte Claus Peymann beim „Preiskampf“ live im Fernsehen um die Durchsetzung und prügelte schließlich gemeinsam mit Bernd Sucher die „Weibsteufel“ durch. Bildlich gesprochen. Die Damen in der Jury wurden jedenfalls niedergewalzt – da helfen noch so viele Gender-Stücke und Frauen als Macbeth und Parzival im Gegenwartstheater auch nichts. Nun ja. Dieses Jahr kämpfte Peymann dann ja bekanntlich gleich gegen das ganze Theatertreffen.
Letztes Jahr wurde die öffentliche Verleihung des 3sat-Preises im Rahmen der Veranstaltung “Kultur als Entwicklungsmotor” durchgeführt, die große Party abgesagt. Ein rauschendes Fest zur posthumen Verleihung an Christoph Schlingensief war nicht angemessen, sagen die einen, andere behaupten, das Geld sei ausgegangen. Viel Spekulation, viele Gerüchte. So ganz genaues weiß man nicht.
Was macht man also nach solch aufregenden Jahren? Genau: Was ganz konventionelles.
21:54 Uhr: Der rote Teppich ist auf der Bühne ausgerollt. Blumen sind aufgestellt. Die Gäste trinken ihre Weingläser vor der Tür auf Ex aus. Bernd Moss moderiert die Veranstaltung locker-flockig und kündigt an, es werde einen Preisträger, eine Preisträgerin, Preisträger oder Preisträgerinnen geben: Bei 3sat scheint es jedenfalls seit Peymann ein Bewusstsein für Geschlechter zu geben. Er fügt ein paar Informationen zum Preis an: Seit 1997 wird er verliehen, Schauspiel, Bühnenbild oder Regie werden für „innovative, zukunftsweisende Arbeiten“ prämiert. Continue reading Mit zehn Jahren Verspätung

BEMERKENSWERT! – Die Galerie

Das Theatertreffen 2012 ist zu Ende und somit auch unsere Rubrik bemerkenswert“. Heute gibt es hier ganz exklusiv alle 18 Bilder noch mal in einer Galerie zu sehen. Viel Spaß damit!
Wir sehen uns im nächsten Theaterjahr – irgendwie, irgendwo!