Auflösung! Die fehlenden Fotos zu den Spielstätten von 50 Jahren Theatertreffen

Akademie der Künste: 1967/1976
Akademie der Künste: 1967/1976
Deutsches Theater Kammerspiele: 1991/1994/1995/1996
Deutsches Theater Kammerspiele: 1991/1994/1995/1996

Die fehlenden Fotos für meine Energie fordernde und einsame Expedition zu den Spielstätten von 50 Jahren Theatertreffen sind gemacht. Es fehlten die Kammerspiele des Deutschen Theaters, und ich habe die Akademien der Künste miteinander verwechselt und statt der richtigen in der Bartningallee (Tiergarten), sie oben, die am Pariser Platz (Mitte) fotografiert. Jetzt stimmt alles. Ich bin froh. Die vollständige Bilderserie finden Sie hier.

Gerstern habe ich dann noch an der Videobustour (hier unsere Hörcollage) teilgenommen, bei der sechs Spielstätten angefahren werden, und ich habe mein Fahrrad sehr vermisst. Deswegen überlege ich jetzt ernsthaft, die nächsten Jahre eine Fahrradtour durch die Landschaft der Theatertreffen anzubieten. Statt Sekt bietet diese Tour: mehr Muskeln! Bei Interesse, einfach bei mir melden.

Meine allererste Fotoprobe: Krieg und Frieden

Ich war noch nie bei einer Fotoprobe. (Das ist eine für Fotografen öffentliche Probe, bei der Pressefotos gemacht werden, weil ja während der richtigen Vorstellung nicht geblitzt und geklickt werden soll.) Aber jetzt!

Frieden. Ich stehe draußen vor der Volksbühne in der Sonne. Die Uhr sagt 10.31. Noch nie, wenn ich Volksbühne besucht habe, war es so ruhig wie jetzt. Ich genieße kurz den Augenblick, bevor ich reingehe. Aber dann: Alle Türen sind zu. Was mache ich? Die Fotoprobe für Sebastian Hartmanns Inszenierung von „Krieg und Frieden“, die am Abend beim Theatertreffen gezeigt wird, sollte um 10.30 Uhr anfangen. Ich bin also schon zu spät. Ich laufe die rechte Seite des Gebäudes entlang. Hilft nicht. Sesam, öffne dich! Hilf auch nicht. Ich laufe zur linken Seite, und da stehen zwei Typen im Gespräch. Ich unterbreche sie und benutze mit Absicht ein bisschen französischen Akzent. Dann geht es immer leichter.

Um 10.34 Uhr stehe ich vor der Großen Bühne und schaue mich mit einem Gesichtsausdruck um, der sagen soll: „The famous always come latest.“ Vorn mir stehen unter anderem der Regisseur Sebastian Hartmann und die Schauspieler Heike Makatsch (Interview) und Manolo Bertling.

Nach ein paar Witzen zwischen Hartmann und den Musikern fängt die Probe an. Hier drinnen wirkt alles auch sehr friedlich. Schön. Die hungrigen Fotografen rechts von mir in der ersten Reihe sehen etwas kriegerisch aus. Ich nehme meine Kamera in die Hand, die im Vergleich mit den anderen im Saal wie Polly Pocket-Spielzeug aussieht. Na ja, mein Ego ist groß genug.

Fotoprobe Krieg und Frieden 1
Foto: Mai Vendelbo

 

Der Saal wird die nächsten paar Stunden von Musik, Hartmann, Dialogen, Monologen, Lächeln und Klicken der Kameras gefüllt. Und einer Klima-Anlage? Hartmann beschwert sich fröhlich über das merkwürdige Kühlschrank-Brummen im Saal: „Vielleicht habe ich Tinnitus bekommen?“

Die Geräusche verschwinden in schwarz-weißen Szenen, die mir sehr gefallen. Ich mag das konstante Spiel zwischen Dynamik und Stillstand. Die anderen Fotografen bleiben ruhig am Platz. Ich nicht. Die Bilder verführen mich und ich laufe leise herum. Vielleicht ist das gar nicht erlaubt? Aber niemand stoppt mich.

Die Fotoprobe ist zu Ende, und ich gehe rechts durch die Tür raus, die ich nicht von außen öffnen konnte. So ist es. Es ist immer einfacher, raus- als reinzukommen. Ich frage mich, ob ich irgendwann wieder die Chance bekomme, bei einer Fotoprobe dabei zu sein? Ich hoffe schon. Ich kämpfe weiter, mit oder ohne französischen Akzent. Krieg.

Eine Bilder-Reise zu den Spielstätten von fünfzig Theatertreffen

Ziel: Alle 50 Spielstätten zu fotografieren, an denen das Theatertreffen die vergangenen 50 Jahre stattgefunden hat.

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Wer erinnert sich? Das Theater unterm Dach in Prenzlauer Berg war 1994 Spielstätte beim Theatertreffen mit „Keine Gnade“ und „Whyski Flags“ von Regisseur Jo Fabian. Alle Fotos der Bildergalerie: Mai Vendelbo

Bedingungen: Die Umsetzung darf nur zwei Tage dauern – es gibt keine Pausen! Jede Spielstätte darf nur einmal besucht und fotografiert werden – kein Wiederholung! Ich, Mai Vendelbo, muss das Foto machen – keine Interaktion mit fremden Leuten erlaubt!

Samstag, 4. Mai 2014 – Tag 2:
„Ich habe gerade hinter einen Baum gepinkelt. Ich befinde mich so weit weg vom Zentrum Berlins, dass ich mich das traue. Meine Reise durch die Landschaft der Theatertreffen der vergangenen fünfzig Jahre hat mich zum CCC-Film-Studio 4, Haselhorst, Spandau, geführt. Das ist die letzte Spielstätte auf meiner Liste, ich habe das letzte Mal auf den Auslöser gedrückt“.
Eigentlich wollte ich so meinen Blog-Bericht anfangen, um Neugier zu wecken. Leider ist die Realität ein bisschen berlinerischer, betongrau. Ich habe gerade das Klo bei Kickerworld benutzt. Diese Anlage mit mehreren großen Indoor-Soccer-Hallen liegt 100 Meter vom CCC Studio entfernt, und ich habe mich gewundert, ob das Wort „Haselhorst“ etwas mit „David Hasselhoff“ zu tun hat? Die Typen im Trainingsanzug, die bei Kickerworld herumliefen, erinnerten mich an ihn. Außerdem sind gerade zwei riesige schwarze BMWs zwischen den leeren Gebäuden des Studios aufgetaucht. Ich bin also nicht allein hier, in der Kleinen Eiswerderstr. 14. Continue reading Eine Bilder-Reise zu den Spielstätten von fünfzig Theatertreffen

„Ich bin ein Mensch, und so geht man nicht mit mir um.“ Ein Interview mit Constanze Becker

Medea sei nicht hysterisch, sondern durchdacht, sagt die Schauspielerin Constanze Becker über ihre Rolle in Michael Thalheimers Inszenierung der antiken Tragödie am Schauspiel Frankfurt. Gestern spielte sie die griechische Kindsmörderin in der Eröffnungspremiere des Theatertreffens (hier unsere Kritik), heute sprach Eva Biringer mit ihr im Festspielgarten.

Eva Biringer: Wer ist diese Medea?
Constanze Becker: Keine Ahnung.

EB: Wie fremd ist Ihnen diese Medea? Gibt es Punkte, wo Sie sich in ihr wiederfinden können?
CB: Ich kann im Ansatz alles nachvollziehen, sonst kann ich es ja nicht spielen. Ich glaube jeder von uns musste sich schon mit Eifersucht und Demütigung jeder Art befassen. Die Form, wozu es führt, das ist mir fremd. Aber das Analytische, was sie hat, ihre Denkschritte: Die verstehe ich gut.

EB: Ist Medea eine Feministin?
CB: Schwer zu sagen. Ich glaube, im Sinn des Feminismus, wie wir ihn heute sehen, darüber geht es hinaus. Sie ist manchmal fast so jenseits weit von Weiblichkeit und Frau-Sein. Natürlich ist die Kränkung Jasons eine weibliche Verletzung, aber was daraus resultiert, ist eine sehr männliche Art. Sie denkt nicht „ich bin eine Frau und muss mich behaupten“, sondern, „ich bin ein Mensch, und so geht man mit mir nicht um“. Auch das Kindertöten ist ja das letzte, was man mit Frau-Sein verbindet.

Constanze Becker_(c)Mai Vendelbo
Die Schauspielerin Constanze Becker beim Interview im Garten der Berliner Festspiele. Foto: Mai Vendelbo

EB: Ich dachte an das Motiv der weiblichen Hysterikerin …
CB: Aber sie ist ja nicht hysterisch, sondern durchdacht! Sie macht nichts aus dem Affekt heraus, jeder von uns handelt affektvoller als sie. Sie denkt alle Konsequenzen mit, sichert sich vorher ab. Das finde ich beängstigend.

EB: Ich hatte immer wieder Momente, in denen ich mich dabei erwischte, dass ich sie cool fand. Ein bisschen wie bei der Ästhetik von Tarantino’s Kill Bill.
CB: Auch mich reizt dieser Coolness-Faktor. Spannend ist ja, dass sie nicht durchweg sympathisch ist, auch mir nicht. Wie sie mit Menschen umgeht, das ist ziemlich ätzend und link. Zumal sie nicht erst durch Jasons Kränkung „durchknallt“, sie hat ja davor schon Dinge gemacht, die nicht integer sind. Es bewegt sich zwischen Verstehen und Nicht-Verstehen. Es gibt Momente, wo ich denke: Klar muss man so handeln, sie macht das eben auf sehr konsequente Art, dann denke ich wieder: Warum? Warum so unversöhnlicher Hass? Continue reading „Ich bin ein Mensch, und so geht man nicht mit mir um.“ Ein Interview mit Constanze Becker

Bühne frei!

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Gelabelt: Die Bühne im Haus der Berliner Festspiele bei der Eröffnung des 50. Theatertreffens der Berliner Festspiele. Foto: Mai Vendelbo

Am Samstag lesen Sie weiterhin: eine Kollektiv-Kritik von „Medea“, einen Auszug aus der  Reaktion auf die Eröffnungsreden von Festspiel-Intendant Thomas Oberender und Bernd Neumann und die Tratschkolumne „Sex und Brez’n“. Ein Interview mit Constanze Becker folgt in der Nacht zum Sonntag.

Saunalandschaft

Viele Theatertreffen-Gäste wundern sich: Seit dem 17. Mai steht plötzlich eine Sauna im Garten der Berliner Festspiele. Das Projet „Sauna on wheels” stammt von der schwedischen Theaterkompanie Institutet. Deren Idee: „Nach dem Vorbild des finnischen Präsidenten Urho Kekkonen, der seine Sauna während des Kalten Krieges als Forum für diplomatische Verhandlungen zwischen Politikern aus Ost und West einsetzte, wollen Institutet die Idee weiterentwickeln und im Kontext des Theatertreffens 2012 neu aufsetzen.“
Ob diplomatische Verhandlungen stattfinden, lässt sich schwer sagen, zumindest lädt die Sauna zum Entspannen, Verweilen, Diskutieren und Austauschen inmitten des Festivaltrubels ein. Auf einem kleinen Anhänger montiert, steht die Tür offen für alle Gespräche und Möglichkeiten. Hier sitzt man auf engstem Raum zusammen, wie im Theater oder bei einer Performance, die Themen und Situationen sind jedoch frei wählbar – Ein privater und geschützter Bereich, in dem aber alles offen ist. Und: Neben der körperlichen Veränderung ist auch eine mentale Veränderung möglich. Sehen Sie selbst:

BEMERKENSWERT! – Die Galerie

Das Theatertreffen 2012 ist zu Ende und somit auch unsere Rubrik bemerkenswert“. Heute gibt es hier ganz exklusiv alle 18 Bilder noch mal in einer Galerie zu sehen. Viel Spaß damit!
Wir sehen uns im nächsten Theaterjahr – irgendwie, irgendwo!

Platonovs erste Sequenzen

Heute Abend steht die letzte Premiere des Theatertreffens 2012 ins Haus: Platonov vom Burgtheater im Akademietheater in Wien.
Bereits am Donnerstag wurde das – meiner Meinung nach – auf dem diesjährigen Theatertreffen wohl aufwändigste Bühnenbild in Szene gesetzt. Jede Stunde habe ich mich unter das Techniker-Volk (vorwiegend mit Wiener-Dialekt) gemischt und ein Bild gemacht. Vorhang auf und Film ab!

Platonov im Aufbau. Donnerstag, 17. Mai 2012 zwischen 10 und 19 Uhr. Foto: Nadine Loës