Theaterkritik: Confirmation

Ich bin ein aufgeschlossener Mensch. Ich erkenne, so gut es geht, wie verworren und komplex die Welt ist. Ich lese The Guardian. Als Liberaler bin ich mir meiner Meinung sehr sicher. Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass der Klimawandel wirklich stattfindet. Oder, dass wenn jemand mir rassistische Bemerkungen um die Ohren haut, derjenige einfach fundamentale humanistische Prinzipien nicht verstanden hat und geschichtliche Ereignisse falsch einordnet. Und nun behauptet jemand, dass ich diejenige bin, die vernagelt sein könnte.

Der psychologische Prozess des “Confirmation Bias” sorgt dafür, dass man Informationen genau so interpretiert, dass sie die eigene Meinung bestätigen. Wie etwa das stereotype Einordnen von anderen Menschen, hilft uns dieser Sortierungsprozess eine Fiktion unseres Selbst in der überwältigenden Informationsflut zu etablieren. Das ist zunächst eine relative nützliche Sache. Die Welt bekommt den Anschein, dass alles sinnvoll zusammenhängt; eigene Meinungen werden untermauert und es gibt Gegenpositionen, an denen man sich reiben kann. Eine sich selbst bestätigende Feedbackschleife hat allerdings einen großen Haken. Wie ist es möglich eine extremistische Geisteshaltung zu überwinden, wenn ich mir nicht bewusst bin, dass sie extremistisch ist?

Chris Thorpe ist Autor und Performer des Stückes Confirmation, welches diesen Bestätigungsfehler untersucht. Sein Ansatz scheint auf den ersten Blick effekthaschend. Ein Liberaler spricht mit einem Faschisten, um dann davon zu berichten, wie schwer es ihm fällt, die Position des Anderen zu verstehen. Damit passieren zwei Dinge gleichzeitig. Die psychologischen Prozesse, die zur Konstitution der eigenen Meinung führen werden aufgezeigt und gleichzeitig wird da das größte unverhandelbare Geschoß aller aufgefahren, Rassismus, Holocaust, jüdische Verschwörungstheorien. Confirmation ist ein Fort/Da-Spiel der liberalen Selbstversicherung.

Wie ein geladenes Teilchen in diesem Magnetsturm schreitet Thorpe immer wieder in großen Schritten in die Mitte und wieder zurück zu den Ecken. Er dreht seinen Stuhl um, hebt ihn auf die Schulter, setzt ihn wieder ab und fixiert die Zuschauer, die in einem Quadrat aus Stühlen um ihn versammelt sind, mit einem intensiven Blick. Bald rückt er einen Stuhl ganz nah heran an einige von uns und bildet die Interviewsituation nach, die er mit dem Rassisten “Glen” durchlebt hat. Wir werden genötigt Thorpe Fragen zu stellen, die auf Karteikarten notiert sind, und er antwortet als Glen. Und immer wieder diese bohrende Blick, der fragt, ob wir wissen, mit wem wir es hier zu tun haben? Es widerstrebt zutiefst, wenn Glen Beobachtungen über unser soziales Gefüge anstellt, denen wir als vermutet liberales Publikum prinzipiell zustimmen.

Das Stück schöpft aus einer starken Britischen Erzähltheatertradition und ist teils Vorlesung mit Zuschauerpartizipation, teils künstlerische Verarbeitung des Rechercheprozesses. Wir und Er, Er und Glen, Liberale und Konservative, die Anderen und ich – diese Kluft zwischen Positionen wird im Laufe des Abends immer mehr verwischt. Thorpes unvermeidliches Andersmachen der Position desjenigen mit dem er sich auseinandersetzt, ist das im Vorhinein eingebaute Scheitern des Experiments. Das Stück berichtet von einem Selbstüberwindungsversuch, aber beim Beschreiten seiner psychologischen Reise, fällt Thorpe notwendigerweise auf seine eigene Erfahrung und seine Einstellungen zurück.

Und auch ich selbst werde mir meines eigenen Blickes immer bewusster. Nicht nur auf Thorpe selbst, sondern auf das Publikum. Ich stelle Vermutungen an über die Menschen, die mit mir in dem Raum versammelt sind. Ihre Hautfarbe, ihr Stirnrunzeln an bestimmten Stellen, ihr Dialekt als sie Thorpes Karteikarten vorlesen. Fühlen sie sich angegriffen von den rassistischen Bemerkungen, die der Andere da vor ihnen ausbreitet? Sind sie bereit sich von ihrer selbstversicherten Position bewegen zu lassen? Gerade hier, im Englischen Theater in Berlin, wie sehr wird das Publikum rebellieren, wenn rassistische Positionen zum Holocaust thematisiert werden?

Im TT-Blog Interview mit Chris Thorpe (auf Englisch), spricht der Autor davon wie er den Verhandlungszusammenbruch zwischen Ihm und Glen nicht als Scheitern seines Liberalismus sondern als Ausdruck seines eigenen Extremismus versteht. In den Momenten wo der diskutierte Zwiespielt zwischen den Positionen auf eine poetische oder musikalische Ebene erhoben werden, ribbelt sich das Stück etwas auf und riskiert ein pathetisches Absacken. Thorpes Ausweg als Künstler aus der drohenden Korrumpierbarkeit ist allerdings diese poetische Verarbeitung. Personen, die Augäpfel tauschen, ein melancholischer Rocksong, mit dem er sich unglaublich angreifbar macht, noch ein starrer Blick.

Ich bin ergriffen. Nicht von dem Ausmaß an Hass und Verschwörungswahn, der in den Adern der Anderen pulsiert, sondern von der Vorführung der Umöglichkeit extremer Positionen sich je anzunähern. Confirmation ist pragmatischer Säureregen auf eine verklärte Weltsicht, in der sich alle verstehen können. Ein Seufzen der Verzweiflung.

Confirmation
English Theatre Berlin
Regie: Rachel Chavkin
Cast: Chris Thorpe

Theater bleibt Theater: „Baal“

„Kunst braucht Geld“, sagte Theatertreffen-Juror Till Briegleb am Sonntagnachmittag bei der abschließenden Jurydiskussion, „ohne Geld kein gutes Theater.“ Über Sinn und vor allem Unsinn des zweiten Halbsatzes ließe sich streiten; Tatsache aber bleibt, dass finanziell wohlsituierte Kunst oft zumindest ungleich besser aussieht. Davon konnte man sich beim heißbegehrten Festival-Finale überzeugen, als für Frank Castorfs im Rechtsstreit mit den Brecht-Erben abgesetzter „Baal“-Inszenierung aus München der letzte (nicht vorhandene) Vorhang fiel. Viele Minuten liegt da Aleksandar Denić’ unglaubliche Drehbühne zunächst im Halbdunkeln, während vorne die Schauspieler Aurel Manthei, Franz Pätzold und Andrea Wenzl in einem verkasperten Prolog den „Baal“ des „Frank Bertolt Brecht“ ankündigen.

Wenn sich die Bühne dann endlich unter reichlich versprühtem Kunstnebel zu drehen beginnt und stolz ihre Preziosen wie in der Auslage eines Spielzeugladens für Erwachsene anbietet, gehen einem die Augen über: Auf mehreren Etagen türmt sich ein Vietnamkriegs- und Kolonialismus-Amalgam, zusammengesteckt wie ein Kartenhaus der Südostasien-Klischees. Ein echter Army-Hubschrauber mit Playboy-Logo, Feldzelte und Propaganda-Plakate erscheinen wie aus Hollywoods Trauma-Aufbereitung entliehen, es gibt eine Garküche und einen Gemüsestand, flackernde Neonreklamen, einen von Kerzen erleuchteten Salon im Kolonialstil und hoch oben den chinesischen, als Bordell fungierenden Pavillon, in dem die Opiumpfeife herumgereicht wird wie in den opulenten Freudenhäusern von Hsiao-hsien Hous Film „Flowers of Shanghai“. Von der erschlagenden Fülle an Eindrücken und wabernden Weihrauchschwaden etwas blümerant gemacht, möchte man sich diesem Fest für die Augen eigentlich bloß noch kapitulierend hingeben.

„Jetzt flieg doch endlich mal!“

Doch mit dem rein Genießerischen ist es bei Frank Castorf ja immer so eine Sache und „Baal“ bildet da keine Ausnahme. Bei aller visuellen Überwältigung bleibt stets ein stattlicher Rest an Verweigerung zurück, eine Absage an den reinen Räucherstäbchen-Budenzauber und das Sich-Verlieren im magischen Moment. Diese Bühne ist keineswegs ein heimlicher Hauptdarsteller, der noch viel größere Schauwerte in der Hinterhand hält, nur um diese irgendwann triumphierend auszuspielen. Auf den Moment des Überspringens in geradezu filmischen Realismus und rückstandslose Illusion kann man trotz der betörend sinnlichen Optik an diesem Abend lange warten. Stattdessen ist immer klar, dass es sich hierbei bloß um eine umwerfend schöne Kulisse handelt, die in herrlichster Verschwendung nach einer Stunde schon fast alles gezeigt hat, was sie aufbieten kann. „Jetzt flieg doch endlich mal!“, schreit Bibiana Beglau als bei Rimbaud entliehene „Höllengemahlin“ folgerichtig nach fast vier Stunden, während sie dem riesigen Hubschrauber mit den Fäusten wild auf die Nase hämmert. Nichts da. Alles nur Attrappe.

Strapazen, Fleisch und Branntwein

Castorfs den Urheber angeblich so verfälschender „Baal“ ist zumindest in diesem Sinne ganz nah bei Brecht: Zwar wird die gewaltige Bühne selbst zur Erzählerin, die ungebrochene Einfühlung und perfekte Illusion jedoch verweigert sie konsequent: „Das Theater bleibt Theater“, heißt es bei Brecht selbst. Den Zorn der Rechteinhaber wird sich der Regisseur allerdings auch eher an anderer Front zugezogen haben. Denn Castorf zieht die Daumenschrauben der Postdramatik von Artaud’scher Konfession selbstverständlich fester an als irgendeine andere der eingeladenen Inszenierungen dieses Theatertreffens. Brechts frühes Drama wird perforiert, gesprengt, neu zusammensetzt, unterwandert und von Fremdtexten zwischen Joseph Conrad und Ernst Jünger bis zur völligen Wüstung bombardiert. Dazu entfesselt Castorf sein irrsinnig heißlaufendes Sex-und-Gewalt-Theater der sonnenbebrillten Ganoven und teuflischen Weiber, das auch hier wieder überlebensgroß auf zwei Leinwände projiziert wird. Immer wieder gibt es dabei Großartiges zu bestaunen: Etwa eine tolle Bluescreen-Interpolation der Schauspieler in die surreale Szene auf der französischen Plantage aus „Apocalypse Now“, die tief ins finstere Herz des Kolonialismus führt. Ein Video, das die Darsteller beim freien Flug über Paris zeigt, reich geworden und blattvergoldet auf Kosten der Unterdrückten. Oder einfach Bibiana Beglau, als lauernde Spinne mit Pilotenbrille von einer Zimmerdecke herabhängend, wie wahrscheinlich nur sie das kann.

Der den Branntwein aus allen Poren schwitzende Baal (Aurel Manthei) wird in alledem zur Blaupause der Ausbeuter, Kriegführenden und Kolonialisten, der Egomanen, aber auch der verletzlich-eitlen Großkunstwerkler. Ein vor homoerotischem Verlangen überkochender Macho in Strapsen, der seinen Kumpanen Ekart (Franz Pätzold) kurzerhand auf dem Esstisch flachlegt, während die Umstehenden die Messer wetzen und Spanferkel und Genie-Filet gleichermaßen goutieren. Castorf lässt ihn im Laufe dieses famosen Abends etliche Wahlverwandtschaften schließen: Baal wird zum wahnsinnig gewordenen Colonel Kurtz und zu dessen antagonistischer Spiegelung, dem in sein Inneres reisenden Willard aus Coppolas Film. Er wird zu Ernst Jüngers „Waldgänger“, zu Bertolt Brecht und natürlich nicht zuletzt auch zu Castorf selbst, dessen fleischig-lebenssattes Theater der Strapazen und Überforderungen zum Abschluss dieses so von Selbstzweifeln zernagten Theatertreffens vom Publikum in seltener Einhelligkeit bejubelt wurde. Wohl auch ein bisschen aus Trotz und Prinzip, denkt man an die Maschinen, die nach dieser letzten Aufführung der Inszenierung wahrscheinlich hinter der Bühne schon zur Zerhäckslung derselben warmliefen. Und von Berliner Seite her gewiss auch versehen um einige vorgezogene Wehmut.

 

Baal
von Bertolt Brecht
Regie: Frank Castorf, Bühne: Aleksandar Denić, Kostüme: Adriana Braga Peretzki, Licht: Gerrit Jurda, Live-Kamera: Marius Winterstein und Jaromir Zezula, Video: Stefan Muhle, Dramaturgie: Angela Obst.
Mit: Götz Argus, Bibiana Beglau, Aurel Manthei, Hong Mei, Franz Pätzold, Katharina Pichler, Jürgen Stössinger, Andrea Wenzl.
Dauer: 4 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Residenztheater, München

Foto © Thomas Aurin

Baby’s First Castorf

In case you hadn’t heard, Sunday’s “Baal” was the last “Baal.”

It was also my first Castorf.

Before Sunday, I knew about as much about Frank Castorf as fellow blogger Annegret Märten (for your own primer, see her delightful post here). Honestly, I’d probably heard as much about Chris Dercon, his Volksbühne successor.

BUT WE’RE NOT TALKING ABOUT CURATORS. WE’RE TALKING ABOUT CASTORF.

So, on the occasion of my first Castorf, here is what struck me about the Münchner Residenztheater production, drawn largely from my desultory notes:

Wow, we’re really being screamed at. But I kind of like it. Maybe it’s this rockabilly-Americana-good-ol’-boy music and the actors’ jittery movements and rhythmic hip thrusting, but I’m digging this. Not that I understand any of the German. Is my German really this bad? Why can’t I understand anything? Whatever, more hip thrusting!

There’s more camera-chasing here than on reality TV. Except the camerapeople on “The Real World” never get such hot-and-heavy close-ups.

Whoa, a swimming pool! Now we’re in an episode of “Fear Factor.”

I haven’t smelled this much patchouli since the Talking Straight Festival two weeks ago. Mopt! Mopt!!!

Right, now we’re fucking a dead pig. I’d read this was going to happen. This would never fly in Leipzig.

Aaah, these rain sound effects are soothing. I’m going to close my eyes for a sec.

Oh Susie Q, Oh Susie Q. I love you, my Susie Q. I like the way you walk. I like the way you talk. I like the way you walk. I like the way you talk. My Susie Q.

Girl ya gotta love your man. Girl ya gotta love your man. Take him by the hand. Make him understand. The world on you depends. Our life will never end. Gotta love your man, yeah.

War is chaotic. Drugs are weird. Hell is green.

Oh Susie Q, Oh Susie Q. I love you, my Susie Q. I like the way you walk. I like the way you talk. I like the way you walk. I like the way you talk. My Susie Q. 

Now the actors are surfing against a green screen. Is this a comment on America?

Now they are green-screening “Apocalypse Now Redux.” Is this a comment on America?

Doesn’t that image of the Asian guy look like Colonel Sanders? Is that the Coke swoosh below him? Is this a comment on America?

Is this my own American exceptionalism?

Why do my notes say “yay sex”? Wait, that says “gay sex.” Followed by: “and they make as if to eat them w/ fork + knife.” Yay sex.

So yeah, I may be guilty of American exceptionalism, but I’m finally understanding some of the German. Including this sentence from Coppola’s film: “Zwei Seelen wohnen in dir. Eine die tötet, und eine die liebt.” Deeeeeep.

They finally climbed into the helicopter!!! Thank goodness. You can’t put a fucking helicopter onstage and not go inside. And no place is better than a chopper, don’tcha know, for some lascivious leg-wound licking.

There are a lot of textures and patterns here. Sequins, silk, mesh, tattoos, lace, camo, leopard print, beads, (p)leather, aluminum, blood, saliva, sweat. Obscured by a hell of a lot of fog and smoke.

Maybe these women are being objectified, but damn are they athletic.

I think one of the actors just said something about not understanding anything, but feeling everything. I feel, man. I feel.

Hang on, I do understand this—they’re making a joke about using foreign texts. Take THAT, Brecht heirs! Oh, and now a joke about Claus Peymann! I get it! I get it!

Yeah, we all need someone we can bleed on. Yeah, and if you want it, baby, well you can bleed on me. Yeah, we all need someone we can bleed on. Yeah, yeah, and if you want it, baby, why don’cha bleed on me. All over.

All over. All over.
Baal
von Bertolt Brecht
Regie: Frank Castorf
Dramaturgie: Angela Obst
Mit: Götz Argus, Bibiana Beglau, Aurel Manthei, Hong Mei, Franz Pätzold, Katharina Pichler, Jürgen Stössinger, Andrea Wenzl

Little Sausages of Truth: “Die lächerliche Finsternis”

Note: I know Theatertreffen is over, and that “Die lächerliche Finsternis” closed already. But sometimes our thoughts need time to marinate. #betterlatethannever

Intermissions can be deadly. Welcome, for sure—we all have to pee sometimes, or buy an overpriced Laugenbrezel—but they can stall a show’s momentum, for the performers as well as for the audience.

Not so in this Burgtheater production of Wolfram Lotz’s “Die lächerliche Finsternis” (“The Ridiculous Darkness”). Here, director Dušan David Parízek elevates intermission into something glorious. A wall of tall wooden beams has just fallen, making an earsplitting smack against the stage floor. The back wall of the stage is bare. Projected onto it: “20 Min. Pause, wenn Sie wollen.” “20-minute intermission, if you want.”

The house lights go up, but a show continues onstage. To the tune of “The Lion Sleeps Tonight,” the four actresses, wearing work gloves and safety goggles, feed the long planks into a wood chipper. Sawdust floats through the air. Audience members approach the stage to snap photos. Rather than feeling like we’ve been awkwardly ejected into the lobby, we’re lured back into the auditorium—to watch as the theater is destroyed before our eyes.

Blunt metaphor? Perhaps. But until wood chippers become de rigueur on theater stages, I won’t complain. And especially not when everything surrounding this intermission is so rich. “Die lächlerliche Finsternis” is literary but visceral, poignant but bawdy, overflowing but not overstuffed. It’s a weird wonder of a play, and Parízek realizes it masterfully.

In his text, the 33-year-old Lotz draws from “Heart of Darkness” and “Apocalypse Now” to follow two German soldiers sailing up the Hindu Kush (yup), searching for a mutinous colonel who allegedly killed two of his comrades with a lawn chair (indeed). This, obviously, is a twisted world, and it grows only more bizarre as the soldiers venture deeper into it, meeting an Italian UN peacekeeper overseeing mineral extraction for mobile-phone production, a leering missionary, a talking parrot and a Balkan war refugee selling lactose-free goat cheese, dental floss and investment funds.

It’s a comment on the Western inability to understand faraway war zones—in our minds, the Congo and Vietnam and Iraq and Afghanistan are interchangeable. Globalization may have made the word seem smaller, but that doesn’t mean we’re any more knowledgeable about it. It’s also a comment on the limits of representation in the theater. How do we create unfamiliar worlds on the stage? What sorts of rules apply? Who can play whom? (That was an overriding theme at this year’s Theatertreffen, as in “Die Schutzbefohlenen,” “Common Ground” and even “Das Fest.”)

Parízek goes about this in a canny way. For one, he’s cast four women—a phenomenally dynamic quartet—to play mostly male roles. As hardboiled Sergeant Pellner, Catrin Striebeck slaps on a mustache and patrols the stage with a pelvis-first swagger. Frida-Lovisa Hamann plays the good-hearted Corporal Dorsch with sympathy and a strong Saxon accent. Dorothee Hartinger and Stefanie Reinsperger, meanwhile, move through the rest of the roles with remarkable agility. Reinsperger begins the show with a fusillade of a monologue: She plays a Somali pirate explaining his path to high-seas swashbuckling, and she does this with a beautifully broad Viennese dialect, stretching her words like rubber bands to the point of snapping. It’s utterly incongruous but Reinsperger pulls it off with élan, and it’s an opening that immediately establishes “Finsternis” as a production that shouldn’t work but somehow does. Hartinger, meanwhile, does a bang-up job as the UN peacekeeper, taking on an Italian accent so springy and elastic that the words seem to do somersaults out of her mouth.

Lotz wrote “Finsternis” as a radio play, which Parízek also handles well. He keeps the staging fairly simple (unlike the Deutsches Theater production, which is a slapsticky parade of distracting costumes, huge set pieces and endless banana consumption) and has set up a lo-fi Foley station to one side of the stage, where the performers create the sounds of the rainforest. This allows Lotz’s offbeat images—death by lawn chair, a sheet metal stovepipe used as a prosthetic leg and so on—to blossom, unhindered, in our heads.

“Finsternis” has its moments of despair and rage. But what most stunned me about the play, and what has continued to sit with me—preventing me, ahem, from getting this online while the festival was still running—is its belief in possibility. “We don’t have to believe it because it’s true!” shouts one of the performers. That’s essentially the thesis of Lotz’s “Rede Zum Unmöglichen Theater,” “Speech On The Impossible Theater” (my favorite line: “We no longer want to eat the little sausages of truth that have been fried for us”). Just because something is impossible doesn’t mean it’s impossible. That’s meaningless, but just because something is meaningless doesn’t mean it’s meaningless. Do you follow? And just because Lotz is skeptical about the theater, and about its ability to reflect or represent reality, doesn’t mean he can’t make people laugh—and with full, throaty, genuine roars. Sometimes about anuses.

So where some see cynicism in “Finsternis,” I see hope. The name of the pirate’s boat, after all? “Hoffnung.”


Die lächerliche Finsternis
von Wolfram Lotz
Regie und Bühne: Dušan David Pařízek
Dramaturgie: Klaus Missbach
Mit: Frida-Lovisa Hamann, Dorothee Hartinger, Stefanie Reinsperger, Catrin Striebeck

TOP/FLOP Inszenierungen für das Internationale Forum

Die Stipendiaten des Forums nennen ihre jeweiligen TOP und FLOP Inszenierungen des Theatertreffens 2015 (ohne BAAL in der Regie von Frank Castorf).

Whatsapp: Ich glaube, es geht um diesen dänischen Käse

Es ist Dienstagabend und draußen und auf dem Feld ist es soweit
1. das Wetter; da treibt der heilige Pankratius Regen übers Land;
und 2. das Champions League-Halbfinale; da treibt die UEFA Bayern gegen Barca, während drinnen, im Haus der Berliner Festspiele, Arena des Theatertreffens, ein paar Stuttgarter „Das Fest” spielen und sich eine Gruppe fingerwütiger Whatsapper in der hinterletzten Reihe und auf gedimmten Handyscreens kolloquial zum Geschehen äußern soll, wobei aber die Gruppe, darunter Angehörige der temporär bestehenden Kaderschmiede für angehende Theaterkritiker*innen (JANIS El-Bira, ANNEGRET Märten, OLIVER Franke), Angehörige des Vereins die Kritik des Theaters schon seit dessen Ursprüngen Betreibender (Dr. DETLEV Baur, Die Deutsche Bühne), TT-Blog-Veteraninnen (EEFKE Kleimann) sowie Schmiedevorsteherin BIANCA Praetorius, aufgrund eben genannter Professionen weniger dazu angehalten ist, das Wetter oder das Jahrhundertereignis auf dem Feld zu kommentieren, als vielmehr für oder gegen dieses „Fest“ zu wettern, das Christopher Rüping mit seinem Ensemble, in Anlehnung an den ersten Dogma-Film von Thomas Vinterberg, auf der Bühne veranstaltet.

Was daraus geworden ist, geschnitten und gelegt zum Nachlesen:

OLIVER: Das Familienfest der Familie Klingenfeldt-Hansen kann beginnen: Das Tischmobiliar und das Barpiano wurden zur Seite geschoben, dünner Bühnennebel wabert durch die Scheinwerferstrahlen. Die Bühne ist frei für die geladenen Gäste. Was für eine feine Geburtstagsfeier für den lieben Herrn Papa das wohl werden wird?

JANIS : Auf geht’s, Rüping. Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi. Und Götze. Neymar. Und Pep.

DETLEV: Immerhin verzichte ich heute aufs Halbfinale – fürs Fest.

JANIS: Ich auch. Aber wenn’s nichts taugt, ist SkyGo nur eine Daumenlänge entfernt.

BIANCA: Ötzi-Klingenfeld-Fred-Feuerstein-Hansen betritt die Bühne. Pornoschnauzer.

JANIS: Wenn auf der Bühne ein Erzähler auftritt, steht’s eigentlich schon 0:1.

ANNEGRET: Ich glaube, das ist Pascal Houdus in der Leopardenunterhose als Einsteinmensch. So Kubrikanspruch, was?

EEFKE: Und dann der Urschrei!

BIANCA: Die Geschichte der Klingenfeld-Hansens von 10000 b.c. wird erzählt und bebildert.

OLIVER: Tischerücken-Kindergeburtstag. Eine gesamte Familiengeschichte von der Steinzeit bis heute.

EEFKE: Klavier jetzt vom Dur-Aufmarsch zu verspielter Weise.

ANNEGRET: Von West Side Story Hommage zu Maja Beckmann als Zombiepestopfer, das ging schnell.

JANIS: Oh toll. Es gibt so Schwarzwaldhüte. Mit diesen roten Bommeln. Wie heißen die nochmal?

JANIS:

Fest

DETLEV: Red and white danish dynamite, für die Fußballfreunde unter uns.

JANIS: Sprechtempo ist ungefähr doppelter Pollesch. Muss man wollen.

BIANCA: Die Klingenfeldt-Hansens haben auch eine Nazi Vergangenheit.

OLIVER: Konfetti-einsatz Nummer 1 nach Minute 5 . Viva la Dänemark🎉🎉

EEFKE: Das Klavier erinnert teilweise an Jump ′n′ Run-Soundtrack, wiederkehrende Auftrapp-Motive. Passt zum Sprachtempo, treibt nach vorne.

BIANCA: Christian. Erzählt vom Spaziergang am Feldrand. Gleich wirds ernst. Spürt man.

DETLEV: Erzählt sich selbst

OLIVER: Das Familienanwesen im Engelschor besungen. Sohn Christian kommt zurück nach Hause direkt in dem Partytrubel hinein

ANNEGRET: Christian hört Stimmen hinter sich. Skol!

EEFKE: Stimme aus dem Off=didaktische Anweisung an die Zuschauer*innen: Achtung zuhören, wichtig

ANNEGRET: Stimmendirigent im Background und vorne die Darsteller in bebuchstabten Riesenpullis.

OLIVER: Die Geschwister sind wieder vereint: Christian, Helene und Michael, aber eine fehlt…

BIANCA: Der Pornoschnauzer ist jetzt Michael. Alle Rollen haben Pullis mit Buchstaben an.

JANIS: Hachja, dieser ständige Rollenwechsel. State-of-the-art-Theater. Ist ein Peymann im Saal?

DETLEV: Heile Pullover-Familie.

BIANCA: Ah Pornoschnauzer verliert seinen Schnauzer.

OLIVER: Da ist ein riiiiesen 🐘 im Raum. Merk ich schon jetzt

ANNEGRET: Bisher passen drei Mann in den Christian Pulli. Haben die sich wohl lieb, obwohl sie sich zanken?

BIANCA: Am Arsch heile Familie.

JANIS: Muss behaupten, dass der Satz „Ich habe so ein malerisches Glied“ mir ganz gut gefällt.

ANNEGRET: Dun dun dun…Zimmer 13!

DETLEV: Auch die Zimmerverteilung ist theatral aufgeladen.

EEFKE: In Zimmer 7 zieht es ganz schön,

JANIS: Irgendwas ist faul mit Zimmer 7. Helene will nicht rein.

BIANCA: *sad trumpet *

JANIS:🎺

BIANCA: 👏

JANIS: Das ist mein Einsatz.

BIANCA: 💃

ANNEGRET: So. Geister. Aha.

OLIVER: Spuk im Hotelzimmer = The Shining.

DETLEV: Ziemlich bedeutungshuberisch.

JANIS: Ist jetzt so ein bisschen Kabuki-artig, oder? Da machen die doch auch immer so Windgeräusche.

BIANCA: Was ist Kabuki?

JANIS: So’n japanisches Theater mit 7000 Jahre alten Geschichten, die man in drei Sätzen erzählen, aber nur in drei Stunden spielen kann.

OLIVER: Das wird uns heute Abend wohl nicht passieren. Das ist doch alles noch Exposition oder? Das Fest beginnt erst noch. Haltet euch fest

ANNEGRET: Svenja Liesau haucht Horrorfilmklischees ins Mikro. Eher Harry Potter-Grusel bis jetzt.

BIANCA: Svenja Liesau klingt wie Britney Spears als der kleine Vampir.

DETLEV: Die Tote hat nur Hemd keinen Pulli

ANNEGRET: Mobiliaraufzählung. Von der Lampe erhängt? Oder wie?

BIANCA: Das Bühnenbild sieht aus wie die Lagerhalle des Wohnungsauflösungs-Antikshops in der Urbanstraße in Kreuzberg. In a good way.

ANNEGRET: Wie steht’s beim Fußball?

OLIVER: Musik!!! Das Fest beginnt. Die Tische werden emsig zur Partytafel zusammengeschoben

JANIS: Man merkt, du hast absolut keine Ahnung, Annegret, auch wenn du dich sehr bemühst: Champions League beginnt immer erst um 20:45 Uhr

BIANCA: Sagte er “gammelnde Hand”?

BIANCA: (das ist ne ernste Frage)

JANIS: Ich glaube, es geht um diesen dänischen Käse.

BIANCA: Danke Janis.

ANNEGRET : Ach hübsch, die Tafel wird gedeckt mit so weißem Konfetti.

OLIVER: Das Setting erinnert eher an das letzte Abendmahl.

DETLEV: Hütchen auf.

JANIS: Der in Wahrheit ein Magenbitter ist.

JANIS:

Fest Gammel Dansk

JANIS: Im Film wird ja ausnehmend viel gesoffen.

EEFKE: Musik zum Fest: Galopp, zierliches Geklimper, fade out. Jetzt herrscht wieder das bunte Treiben der Partycrowd.

DETLEV: Klischees und Rollenwechsel nerven bislang.

ANNEGRET: Matti Krauses Opa hat was von Loriots Weihnachtsopa.

BIANCA: Findest du? Wegen dem Opa Klischee?

DETLEV: Fands bisher schwer albern.

BIANCA: Ich finde das witzig, aber vielleicht habe ich auch einen fiesen flachen Humor.

JANIS: Hat der Briegleb nicht gesagt, man ginge nicht in die Provinz? Warum in Gottes Namen hat man hier nur eine Ausnahme gemacht?

BIANCA: Welcome to my brain.

ANNEGRET: Äh…

JANIS: In unserer Reihe gehen die Zuschauer.

BIANCA: Stuttgart-Bashing?

JANIS: Sind unsere Handys Schuld oder der Quatsch da vorne?

BIANCA: Die verstehen aber auch kein Deutsch. Das waren Dänen.

ANNEGRET: Als Berliner kann man sich so Bashing wohl erlauben?

DETLEV: Das waren Dänen oder so die selbst eifrig getippt haben.

JANIS: Hahaha. Das finde ich unglaublich lustig.

BIANCA: Sie haben mit der Übersetzung greexhnet.

ANNEGRET: Ist das ein Social Media-Wort, Bianca?

JANIS: Stimmt ja. Heute ohne Übertitel.

BIANCA: Nein, typo @Annegret.

OLIVER: Schneesturm auf der Bühne. Kleine Papierfetzen schweben durch den Raum: Der Patriarch tritt auf

EEFKE: Angesagte bedeutungsvolle Pausen schaffen tatsächlich bedeutungshoffende Ruhe im Publikum.

ANNEGRET: (Ja ja 😉)

OLIVER: Oh nee, peinlich langatmige Feieransprache des Geburtstagskinds. Kurz vor sieben. Es kommt zum ersten Toast!

JANIS. Diese Pullover mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen sind doof: Rollenwechsel ist natürlich total cool, aber zu undurchsichtig darf’s auch nicht werden. Muss man ja noch kapieren. In Stuttgart.

DETLEV: Hoffen wir auf ein Theaterwunder der Verwandlung.

DETLEV: Und vielleicht ein Wunder in Müchen?

OLIVER: WAHRHEITSREDE…

ANNEGRET: Hä? Erklärt mal bitte einer den Hemdwechselmoment?

DETLEV: Hab ich verpasst.

ANNEGRET: Achso, wir sind noch mittendrin.

BIANCA: Da hat der Vater Christian und Linda in sein Bürozimmer geholt…

ANNEGRET: Uhoh.

DETLEV: Ach so deswegen die Pullis.

EEFKE: Und vergewaltigt.

JANIS: BAM! Das V-Wort ist gefallen. Der V-Effekt eh andauernd.

DETLEV: Und Hemdgeist

ANNEGRET: Ja, das ist jetzt irgendwie gleich doppelt Bam! Wegen der Witzigkeit vorher.

BIANCA: Der V-Effekt? Boah ist das eklig.

OLIVER: Der Hauspianist Norbi haut in die Tasten.

BIANCA: Und wahr.

JANIS: Endlich! Mehr Konfetti!

ANNEGRET: So, jetzt super Feier. Alle wieder zurück zum Spaßhaben!

OLIVER: Konfettiregen Nummer 2:… 3,2,1 Gammel Dansk!🎉

JANIS: Kann mir nicht helfen, aber das Konfetti gefällt mir. Erinnert mich an Tartuffe damals in Hamburg, als… Ach, vergesst es.

BIANCA: Helena greift ein und sagt “stimmt nicht.”

OLIVER: Konfetti! Erinnert an IMMER NOCH STURM oder? Da kann man sich schön berieseln lassen.

JANIS: Klar! Das war doch auch Gotscheff!

BIANCA: Mir auch. Ich finde das Konfetti wunderbar schmerzhaft.

DETLEV: Figuren spielen kaum eine Rolle – eher Konstellationen. Oder?

OLIVER: Die Bühne ist ja jetzt schon ein kunterbuntes Schlachtfeld!

JANIS: Plötzlich ist es ganz laut vorne. Stört mich ein bisschen beim Schreiben.

ANNEGRET: Christian ist noch sauer und haut die Tische um. Papa stellt sie wieder auf, dann haut er sie selber wieder um.

ANNEGRET: Und stellt sie wieder auf.

DETLEV: Aggression

ANNEGRET: Und Haut….

ANEGRET: Naja ihr wisst schon.

BIANCA: Christian wird umzingelt.

OLIVER: Christian im Verhör. Unter aggressiver Scheinwerferbestrahlung.

ANNEGRET: Papa will mit Christian sprechen. Unter vier Augen.

DETLEV: Papa

JANIS: Papa?

OLIVER: “Ein Gammel Dansk für mich und meinen Sohn”

JANIS: (Wollte ich nur auch mal schreiben.)

BIANCA: War mir nicht sicher. (Papa)

JANIS: Who’s your Papa?!

DETLEV: Papi

JANIS: Ein Freund von mir schreibt mir vom Rang aus, dass er gerade gegangen ist….

BIANCA: Frag ihn warum. Wegen dem V-Effekt?

ANNEGRET: Grelles Licht der ~~*~~Wahrheit~~*~~ wird verdunkelt und auf Rot gestellt.

JANIS: Gastbeitrag: “So, ich bin raus. Dann doch lieber Bayern vs. Barca 😁”

OLIVER: Wie war das nochmal mit aggressiver Antihaltung im Zuschauerraum?

ANNEGRET:  😒

BIANCA: Hahahahah. Verkneift ihr euch jetzt Tränchen des Neides, @Detlev @ Janis?

DETLEV: Stuttgart sollte Chance geben.

JANIS: Bitte?

ANNEGRET: Papa fasst Christian an. Urgh.

DETLEV: Noch sind sie nicht abgestiegen 😉

JANIS: Stuttgart hat mir Champions League einfach nix zu tun.

EEFKE: Es grummelt so bedeutungsschwer, es weht. Es schummert rot. Erster ganz stiller Moment.

ANNEGRET: Leude, da is gerade großes Drama!

JANIS: Jetzt war’s kurz ganz leise. Wie früher bei Gosch…. Ach, vergesst es.

EEFKE: Und wieder löst das Klavier die Szene, Father and Son wird angestimmt.

OLIVER: Rotlichtfolie und Cat Stevens.

EEFKE: Wo ist Cat??

DETLEV: Karaoke Party.

BIANCA: Für mich ist das Boyzone.

JANIS: 1:0 BAYERN!!!

ANNEGRET:  😿

EEFKE: Wenn schon Ronan Keating, Bianca!

JANIS: Okay….. Was mache ich jetzt…….?!?

OLIVER: Ronan Keating!

JANIS: Die Tür ist so nah und vorne Ronan Keating.

DETLEV: Bleib bei der Familie!

EEFKE: Und wenn schon Boyband dann Westlife! #2000er

BIANCA: Janis, reiß dich zusammen! Es ist Keating & Konfetti.

ANNEGRET: Svenja Liesau ist jetzt Christian und mit einem Mal ist’s nicht angry sondern depressiv.

DETLEV: Gesang statt Rede.

BIANCA: Ich finde, sie singt wunderbar.

ANNEGRET: Ich habe Ronan Keating live bei Once gesehen. Der war ganz gut.

BIANCA: Ich mag den Opa und das iOS Klischee. Überhaupt mag ich, glaub ich, Klischees wenn ich ehrlich bin #boyzone

BIANCA: *typo. Opa-Klischee statt iOS

ANNEGRET: Oma und Opa haben’s auf den Tisch geschafft. Weswegen wird hier alles unter den Tisch gekehrt? Der Alten wegen?

OLIVER: Konfettiregen Nummer 3 und Cat Stevens/Ronan läuft immer noch.

ANNEGRET:

Fest 2

BIANCA: Wieso sagt die Schwester immer, dass Christian lügt? Ist das die Schwester, die auch v. Wurde?

JANIS: Habe ich was verpasst? War kurz weg.

OLIVER: Einen Toast auf einen Mörder

DETLEV: Dauerrede in Fragmenten

BIANCA: Warst du beim Fußball? Hast du ne Lösung gefunden beides zu sehen?

OLIVER: Die Situation eskaliert. Die Partystimmung ist im Keller

ANNEGRET: Christian ist voll der Spielverderber. Jetzt Mordvorwürfe. Und Maja Beckmann krallt sich als Mutter verzweifelt zerbrechlich am Hals umher.

OLIVER: Was sagt eigentlich Mama dazu? Else Klingenfeldt-Hansen=Mutter des Jahres: „Wir essen jetzt einfach gemütlich zusammen ”

JANIS: Ausgleich. Die Geschichte hat sich. Bin wieder voll dabei

DETLEV: Ich kann die Wechsel nur so erklären: jeder ist Opfer Täter Papa.

OLIVER: Sehr gut kombiniert.

ANNEGRET: Jetzt macht Papa Abrechnung.

ANNEGRET: Und alle hau’n auf Christian.

DETLEV: Gibt mehrere Papas.

BIANCA: Der Papa sagt, dass der Sohn keine abkriegt.

EEFKE: Muss mich korrigieren, Bianca hat im Livefaktencheck recht behalten: Ronan war bei Boyzone. Tut jetzt nichts mehr zur Sache: es wird wieder sehr ernst auf der Bühne, klatschender Akteur aus Publikum sorgt für kurze Irritation. Alle wieder ganz wach, Aufmerksamkeit wieder da.

OLIVER:  👍

ANNEGRET: Frau Liesaus Christian hängt im Pulli wie ein erbärmliches Häufchen Elend.

JANIS: Mein Freund vom Rang kommt jetzt übrigens wieder zurück. Die Luft sei raus. Hier wird sie dafür dick.

BIANCA: @Eefke 😘 für die 90’s credibility. 🙂

OLIVER: Christian sucht verzweifelt nach einer Nachricht seiner toten Schwester. Getrieben von Schuld und Selbstzweifeln.

ANNEGRET: Oops, Christian hat’s vergeigt mit der toten Schwester und denkt, dass er sie auf dem Gewissen hat.

BIANCA: Christian zeltet verkehrt rum. Super Moment.

DETLEV: Als Pulli-Experte sag ich: PH für Papa Helge

ANNEGRET: Ganz viele PP-Pullis schicken Christian auf die, jetzt kommt’s, Ersatzbank.

ANNEGRET: Ersatzbank?

ANNEGRET: Ne?

JANIS: 😴😴😴

BIANCA: Ne versteh ich nicht… 😞

ANNEGRET: Ah, forget it!

DETLEV: Reden werden vergessen meint PH.

OLIVER: Beatboxen. Und Konfetti Nummer 4 🎉🎉🎉🎉

DETLEV: Da hat er aber nicht mit den Stuttgartern gerechnet

EEFKE: Ützützütz- treibende Beats in Loops!

DETLEV: Die wiederholen.

BIANCA: Ich finde das Konfetti schön und nicht nervig. #allgemeinelebenshaltung

ANNEGRET: Das ist schon alles…bemerkenswert. Discuss!

BIANCA: Ist Wiederholen ein Verbrechen oder eventuell roter Faden/ Klammer/ Wiedererkennung?

OLIVER: Tischerücken. Bühnenbild aus tragbaren Tischkombi-modulen. Johannes Schütz fänd es bestimmt super.

JANIS: Diese grauen Anzüge sind nicht gerade vorteilhaft bei exzessivem Schwitzen.

DETLEV: Ich konstatiere ja nur.

DETLEV: Erstmal.

JANIS. Kann ich mein Handy auch dem Typen vor mir geben und gehen?

ANNEGRET: Nein.

JANIS: Okay.

ANNEGRET: It’s a Heartache.

BIANCA: Muttertag

OLIVER: Voller Ventilaltoreneinsatz zu gediegenem Schmonzettenpianogeklimper.

DETLEV: Konfetti ist halt ein erprobtes Theatermittel, sagt der Skeptiker.

BIANCA: Ich möchte sagen: ich mag Schmunzetten und Schnulzen.

EEFKE: „Wing Wing Waka Waka” und Syntheziser werden von leichtem Piano abgelöst, Partymeute beruhigt sich wieder. Mutter spricht jetzt.

BIANCA: Aber die Mutti ist ne Kacktussi.

BIANCA: Feiglingsmutti.

JANIS: In Wahrheit ist das doch wirklich nur kreuzbiederes Erzähltheater mit ein paar Sachen, die vor 15 Jahren mal jugendlich wirkten.

BIANCA: Ah sorry, das Kacktussi war nicht böse gemeint.

BIANCA: Ah war es doch.

JANIS: Achso, “in Wahrheit” soll man ja nicht sagen.

OLIVER: Auftritt der Mutter Else. Die verkörperte Antithese einer emanzipierten, selbstständigen Frau

DETLEV: Wie sich alles zusammenfügt, ist doch die Frage.

ANNEGRET: Mutter erzählt sich selbst eine Geschichte, sie braucht sie zum Weiterleben, glaub ich.

EEFKE: Kleiner Metadiskurs-Hinweis auf der Bühne: Unterscheidung von Dichtung und Wirklichkeit.

ANNEGRET: Noch mehr Slow Clapping und Christian sagt, er habe gelogen. Ergo, Christian beschützt Mama.

DETLEV: Christian als “Mädchen”

ANNEGRET: Keiner will mehr Christian sein.

BIANCA: Christian will nicht mehr Christian sein und entledigt sich dem Pulli

JANIS: Nebenan steht’s übrigens 1:2. Papa Pep hat auch ‘ne schwere Zeit. Gegen den rebellieren ja quasi auch die Kinder.

BIANCA: Wer ist Papa Pep?

JANIS: Ich bitte dich, Bianca….

DETLEV: Der katalanische Bayern Coach

JANIS: Nur für dich, Bianca:

JANIS:

Fest pep

JANIS: Konfetti-Kanonen! Also das ist jetzt wirklich Gotscheff!

EEFKE: LykkeLi, Matthias Reim, Atemlos. Verzweifelung.

OLIVER: Konfetti-Kanone!🎉

BIANCA: I will follow him. Sister Act.

JANIS: Ich kann nicht mehr. Mir tut mein linker Daumen so weh, die Sache ist fast rum und ich habe das Gefühl, nix beigetragen zu haben.

BIANCA: Ist schon vorbei? Kommt mir nicht lange vor

ANNEGRET: Mir schon.

OLIVER: Noch 1/2 h.

JANIS: Das like am Schreiben, Bianca.

JANIS: Liegt

JANIS: Un-like

OLIVER: Och jetzt bin ich doch a bisserl ergriffen.

OLIVER: Ok wieder zerstört

BIANCA: Was hat es zerstört?

OLIVER: Christian spricht mit seiner toten Schwester im Himmel.

EEFKE: Bei diesem TT gibt’s viele Songmedleys: Common Ground/90errevue, Schygulla-Abend/Hippie/68; hier quer durch den Klischeegarten.

DETLEV: Warum ein TV Mikro über Wanne?

OLIVER: Ich dachte, das wäre die Sense vom Sensenmann😄

BIANCA: Bringt er sich gleich mit dem Föhn in der Wanne um?

ANNEGRET: Bruderliebe, Christian entwickelt sich in der Badewanne zum Kind zurück. Hoffentlich müssen wir das Verbrechen nicht gleich noch mit angucken. So als Erinnerung.

BIANCA: (Sorry ich hab den Film nie gesehen)

DETLEV: Christian spinnt.

JANIS: Das wollte ich wenigstens einmal heute sagen: Im Film ist das aber nicht!

ANNEGRET: Ich glaube Christian halluziniert.

OLIVER: Eine Nachricht aus dem Totenreich.

BIANCA: Oh nein jetzt bringt sich C um

JANIS: Bei der Tonangel über der Badewanne muss ich immer an Big Castorf denken. Noch fünf Tage!

DETLEV: Witzefeuerwerk, auch ein etwas abgestandenes Mittel.

ANNEGRET: Helene ist jetzt auch inner Badewanne und sie erzählen sich ihr Gefühlsleben.

DETLEV: Schauspieler können was, aber dürfen sie auch?

ANNEGRET: Noch mehr Witze. 😴

BIANCA: Ich mag die Schauspieler übrigens. Das sieht aus, als hätten die einen Heidenspaß bei hoher Konzentration. Ich mag einen Haufen junger Schauspieler oft nicht. (Don’t ask), aber hier mag ich alle

ANNEGRET: Die bewegen sich halt auf der Bühne wie beim Impro.

ANNEGRET: Nur ohne Impro.

OLIVER: Zurück zur Handlung: ein Brief von Linda wird verlesen!

BIACNCA: Vielleicht ist es Impro und deswegen gibt es keine Übertitel? #dänen

JANIS: “Ich hab’ die Faxen langsam dicke.” Hahaha!

BIANCA: #selfiedänen

OLIVER: Die Handlung hätte ich ehrlich gesagt nicht ohne den Film mitbekommen.

EEFKE: Es quatscht und platscht.

BIANCA: Ich kenne den Fail nicht und komm einigermaßen ( ..) mit.

DETLEV: Hab „Das Fest” in Dortmund vor zwei Jahren gesehen. Fand ich wesentlich bemerkenswerter

OLIVER: Kay Voges oder?

BIANCA: Ouuuhhj #miesgedisst

BIANCA: Zur Story: gibt Helena gerade zu, dass Christian recht hatte?

ANNEGRET:   Nee, Helena liest Lindas Brief vor…

ANNEGRET:  Alle sind betroffen, außer Papa, der will Portwein.

BIANCA: Aber Linda sagte was von Vergewaltigung oder? Also jetzt ist Papa dran. Right?

ANNEGRET: Lynchen die ihn jetzt?

JANIS: Wird Papa im Film nicht noch derbe krass verKLOPPt?

JANIS: Mein Freund vom Rang kündigt an, zu buhen. Gut hinhören gleich.

EEFKE: Diese nassen, voll getränkten, schweren Kleider zu sehen, sorgt schon beim Zusehen für Unterleibsschmerzen. Sehe ich da als einzige eine Verbindung? Mir wird ganz kalt.

DETLEV: Warum nicht Menschen spielen?

ANNEGRET: Das ist die komplette Verausgabung.

JANIS: Detlev: Bin ich ganz bei dir.

OLIVER: Papa wird jetzt gerichtet. Die Kinder reihen sich darum. Family Values…

BIANCA: Gammel Dansk-Waterboarding.

ANNEGRET: Nicht jetzt die Pretenders (ohne Karaoke), das bringt schon ohne Vergewaltigungsdrama auf der Bühne zum Heulen.

JANIS: Warum muss ausgerechnet dieses Stück für so theatrale –Achtung – Hütchenspielertricks herhalten? Das geht doch mit anderem viel besser.

DETLEV: Schreibe schon wie Stadelmeier.

JANIS: Endlich ist auch einer nackt.

BIANCA: Ich finde die Klischees sind so in realistische, szenische Transparenz eingebettet, dass ich sie nicht als Kitsch erlebe.

DETLEV: Nicht Kitsch aber Fake.

JANIS: Beim Gosch-Macbeth von 2006 waren alle immer nackt. Wollte ich heute Abend auch einmal noch erzählt haben.

DETLEV: Gosch, das waren noch Theaterwunder.

ANNEGRET: Pimmelkonfetti und Papa macht jetzt Geständnis, oder?

OLIVER: Die Tischkombi und das Männergeklitsche…da hat sich jemand aber ordentlich was von Gosch/Schütz abgeguckt. Das stimmt!

EEFKE: Also auch ein Regiekniffmedley?

JANIS: Okay, dieser Schluss ist jetzt wirklich das Allerletzte.

DETLEV: Ach, ich alter Mann fühl mich verstanden von euch. Nur bei Bianca weiß ich nicht 🙂

JANIS: Nochmal: Das war echt im Film alles ganz anders.

DETLEV: Theater darf schon anders.

JANIS: Theater darf alles.

JANIS: Muss nur nicht.

ANNEGRET: Ahja.

BIANCA: Ne das Lied heißt jetzt „United”.

BIANCA: Und ich glaube es ist DJ Bobo.

BIANCA: Ganz langsam auf dem Klavier. DJ Bobo. Ich bin mir sicher.:)

OLIVER: Wie DJ Bobo schon nach seinem Auftritt beim Eurovision. Songcontest sagte: „Ich habe die Leistung nicht abrufen können”  …

BIANCA: Sagte er das? DJ Bobo?

ANNEGRET: Also an den Spielern liegts nicht.

OLIVER: Eher am Regiekonzept.

ANNEGRET:   Die können “everybody” spielen.

JANIS:

Fest 3

BIANCA: Das finde ich traurig. Weil eklig. Und traurig. Auch wenn ihr es kitschig findet. Maybe.

DETLEV: Kitsch wäre schön.

ANNEGRET: Klatsch-O-Meter?

EEFKE: Zögernd.

BIANCA: Klatsch-O-Meter: Medium

EEFKE: Absteigend

OLIVER: Das Stück ist aus und 78% der Tische wurde nicht benutzt

DETLEV: Mir viel zu wenig Gefühl

JANIS: Jetzt doch großer Jubel. Karten waren teuer.

EEFKE: Äh: ansteigend!

BIANCA: [soundcloud url=”https://api.soundcloud.com/tracks/205874061″ params=”auto_play=false&hide_related=false&show_comments=true&show_user=true&show_reposts=false&false=true” width=”100%” height= iframe=”true” /]

DETLEV: Starkes Ensemble.

BIANCA: Ich glaube, hätte ich ganz ganz vorne gesessen, hätte ich den Abend wirklich toll gefunden. Aber ich mag fast alles, wenn ich ganz ganz vorne sitze. #obachtbeimkartenkauf

DETLER: Aber ich bin nicht betroffen

ANNEGRET: Betroffenheit wollte das aber schon erreichen, oder?

DETLEV: Mit allen Mitteln

JANIS: Ja, große Betroffenheit allenthalben.

ANNEGRET: Sogar mit DJ Bobo.