Abschied ist ein scharfes Schwert

Die Theatertreffen-Jury wollte am Sonntag nicht verraten, welche Inszenierung bei ihr am beliebtesten war. Wir haben dagegen Stift und Zettel gezückt und redaktionsintern nach den Favoriten gefragt. Heraus kam unser persönliches Auswahl-Ranking, mit dem wir uns für dieses Jahr in den Theaterschlaf verabschieden. Continue reading Abschied ist ein scharfes Schwert

Örtchen, wechsle dich!

Unsere Gastautorin blickt auf das Theatertreffen zurück und wundert sich über all die Räume und Orte, die dabei zu besichtigen waren: Nomadisches Umherziehen oder nicht doch eher privilegiertes Durchschreiten?

Dieses Jahr gab es zwei Arten von Menschen beim Theatertreffen: solche, die sich auf dem Weg zum nächsten Event pendelnden Schrittes durch das Pressholzlabyrinth auf dem Vorplatz schlängelten und solche, die diesem Umweg aus dem Weg gegangen sind. Continue reading Örtchen, wechsle dich!

O wie… offener Raum! Eine Formatidee

Das Theatertreffen hat sich in diesem Jahr mit einem gewaltigen Begleitprogramm um die eigene Einrahmung bemüht. Unsere Autorin schaut zurück und fragt: Wo blieben bei alledem eigentlich die echten Begegnungen? Hier ein Vorschlag für’s nächste Jahr.

Das Theatertreffen rahmt sich sein. Es gibt die bemerkenswerte Zehnerauswahl, es gibt programmatische Konstanten wie den Stückemarkt für Nachwuchsdramatik. Daneben ist es vor allem das Rahmenprogramm, das den Festivalalltag formt und durchdringt. Kuratorische Setzungen streuen diskursive Würze ein. Continue reading O wie… offener Raum! Eine Formatidee

Auf der Leinwand, da sind die Räuber

Das 54. Berliner Theatertreffen endete… im Kino. Die 3Sat-Aufzeichnung der Münchner „Räuber“, die in Berlin nicht gezeigt werden konnten, gewährte jedoch ganz eigene Perspektiven auf eine der spektakulärsten Inszenierungen der Saison.

Die Inszenierung ist so simpel – und dies keinesfalls im negativen Sinne – wie wirkungsvoll. Das Bühnenbild, zwei Laufbänder-Konstruktionen, die so gar nicht simpel sind, setzt die Rahmung. Dies ist der Grund, weshalb die Inszenierung der „Räuber“ vom Münchner Residenztheater aus technischen Gründen nicht auf der Bühne der Berliner Festspiele gezeigt werden konnte. Stattdessen wurde die 3Sat-Aufzeichnung der Inszenierung gezeigt. Zwei Regien an einem Abend. Ulrich Rasches Regie der Inszenierung und Peter Schönhöfers Regie der Aufzeichnung. Welch glücklicher Umstand, dass es gerade diese Inszenierung ist, die als Film bemerkenswert gut funktioniert. Wie passend, dass die Filmmusik von der Inszenierung gleich mitgeliefert wird. Streicher, Bass und Pauke untermalen die Szenerie. Es ist bedrohlich, von Anfang an. Die beiden riesigen drehbaren Laufbänder geben den Takt der Inszenierung vor. Die Maschine setzt eine Maschinerie in Gang. Die Schauspieler sind gezwungen, sich dem Takt der Maschine zu beugen, wenn sie nicht fallen wollen. Ein starkes Bild über die gesamte Inszenierung hinweg. Continue reading Auf der Leinwand, da sind die Räuber

Hören Sie Ihr Bauchgefühl?

Ein Pausenfüller mit Nachwirkung: Unsere Autorin über fünf Minuten einer künstlerischen Intervention, die sie mehr beeindruckten als mancher Drei-Stunden-Abend.

KONTRASTMITTEL prangt in Versalien auf den grünen und braunen Plastikflaschen. Die Etiketten werfen Falten. Routiniert greife ich nach der alkoholfreien Version, lasse mir von der hilfsbereiten Ärztin hinter dem Tresen ein Glas mit viel Kohlensäure einschenken. Halbvoll reicht, schließlich ist es nicht mein erstes. Continue reading Hören Sie Ihr Bauchgefühl?

Noch keiner da ist wie zu guter Letzt

Morgen ist das Theatertreffen vorbei und im Haus der Berliner Festspiele wird bis Juni erstmal Pause sein. Der frühe Morgen erlaubte schon heute eine Ahnung von diesem TT-freien-Zustand.
Alle Fotos (c) Corinna von Bodisco.

Du bist ein Symptom der Krise

Jawohl, die Welt ist schlecht. Aber sollten das nicht inzwischen alle kapiert haben? Unsere Autorin erlebte bei Ersan Mondtags „Die Vernichtung“ eine bedenklich schlichte Degenerationserzählung.

Es gibt Theaterabende, die sind so dürftig, dass man es gar nicht glauben kann. „Die Vernichtung“, ist einer davon. Dabei fängt alles sehr nett an. Continue reading Du bist ein Symptom der Krise