The D-Word

I set myself a task during my year in Berlin to find the answer to a question that has been bothering me for a while: What Is A Dramaturg? Adding to my motivation (and time constraint) is the fact that the Master’s program in Text & Performance I’m due to begin in October offers a Dramaturgy pathway in one of the modules. I thought it would probably be wise to find out what exactly that might entail before making any rash decisions.
First I should clarify something that makes this topic even more confusing than it already is. A dramaturg will tell you that dramaturgy is not just a profession, but an inherent feature of any performance. The definition of this ‘dramaturgy of a performance’ is a whole different can of worms, and not one that I want to open right now, but we do need an idea of what it is if we’re to find out what the dramaturg’s relationship to it is, so I’ll take Tim Etchells’ definition in his article When I say the Numbers … Some Notes on Time in Performance – not least because it was the closest one to hand, at the back of the Theatertreffen 2012 magazine:
A journey with picaresque structure, from a beginning to a >middle<, through anticipation and climax, finally to closure on arrival somewhere, here, a place which did not exist before.”
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Integriert euch oder ich schieße!

Nurkan Erpulat und Jens Hillje inszenieren ein Stück über Macht, Freiheit und ihre Grenzen, frei nach Schiller und mit vorgehaltener Knarre.

Einzeln rumstehen oder zusammen hinsetzen? Szene aus "Verrücktes Blut", Ballhaus Naunynstraße. Foto: Ute Langkafel

Wie frei kann der Mensch eine Meinung äußern, wenn ihm eine Pistole an den Kopf gehalten wird? Wie frei kann der Mensch sein, wenn er keine Alternative hat als sich anpassen zu müssen? Und wie frei ist der Mensch, wenn der eigene Verstand, das eigene Gefühl oder aber das Klischee des anderen ihm Grenzen setzen? Der Regisseur Nurkan Erpulat und der Dramaturg Jens Hillje werfen mit ihrer Bearbeitung des französischen Films „Heute trage ich Rock“ als Schultheaterstunde viele Fragen der nimmer enden wollenden Integrationsdebatte auf:

Sonia Kelich hat es geschafft. Sie ist eine der wenigen „Erfolgskanaken“ – akzentfreies prononciertes Deutsch, aufklärerische Ideale Schillers im Geist, Studienrätin von Beruf und ein deutscher Mann in petto. Umso stärker werden ihre „neuen“ Ideale von rotzenden und spuckenden Schülern aus Neukölln und Kreuzberg durch den Dreck gezogen, die damit beschäftigt sind, in Kelich’s Klassenraum ihre Territorialkämpfe auszufechten.

In ihren innersten Werten bedroht, reißt die Deutschlehrerin die Macht an sich, als ihr eine Waffe eines ihrer Schüler in den Schoß fällt. Mit Gewalt setzt sie ihre Werte durch: Schillers „Kabale und Liebe“ und „Die Räuber“ werden auf Kosten einer durchgeschossenen Hand, blutender Nasen und eines abgelegten Kopftuchs durchgespielt. Am Ende setzt die erhoffte Katharsis ein,  zumindest auf der Bühne. Die Klasse wird zu einer Musterklasse, übernimmt die Ideale der Lehrerin und erlässt dem Querulanten die Strafe. Wir lernen, was sie gelernt haben: Continue reading Integriert euch oder ich schieße!