Das Kreuz mit der Kunst

112-mal kommt Gott in seinem “Tagebuch einer Krebserkrankung” vor. Wesentlich öfter als Joseph Beuys. Christoph Schlingensief ist kein Atheist, sondern, wie er selbst sagt, “praktizierender Christ”. Er zahlt Kirchensteuer und würde dem Papst gerne mal die Meinung sagen. In unserem Lagebericht zur Theologieverträglichkeit seiner Kunst sind sich zwei Priester uneins. Hören Sie unter dem Beitrag außerdem, was Schlingensief selbst über Himmel, Glaube, Blasphemie, das göttliche Prinzip und den Vatikan sagt.

Foto: Jan Zappner
Fast echt: Der Altarraum der Oberhausener Herz-Jesu-Kirche als Nachbau in Christoph Schlingensiefs “Kirche der Angst”. Foto: Jan Zappner

“Jesus ist trotzdem nicht da, und Gott ist auch nicht da, und die Mutter Maria ist auch nicht da.” Es scheint schlecht bestellt um Glauben und Gottvertrauen in Christoph Schlingensiefs Inszenierung “Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir”. Angesichts seiner Krebserkrankung sind alle Gewissheiten in Frage gestellt, und die Wut auf die Unerklärlichkeit und Ungerechtigkeit des Schicksals bricht sich in einem brachialen Oratorium Bahn. Continue reading Das Kreuz mit der Kunst