Interview mit Thomas Oberender

Thomas Oberender, der Intendant der Berliner Festspiele, steht am offenen Fenster und raucht eine Zigarette. Kaffee kann er leider keinen mehr anbieten, der ist schon bei den heutigen Sitzungen draufgegangen. Vor dem nächsten Termin hat er eine halbe Stunde Zeit für ein kurzes Gespräch. Als ich das Aufnahmegerät anschalte, schlägt er vor, noch einmal die Qualität zu testen, denn er hat gerade Peter Handke interviewt und später kaum ein Wort verstanden. Glücklicherweise funktioniert mein Aufnahmegerät und ich stelle ihm schnell vier Fragen zum Theatertreffen.
 
Karl Wolfgang Flender: Herr Oberender, was waren für Sie bemerkenswerte Momente beim diesjährigen Theatertreffen?
Thomas Oberender: Die Auftaktveranstaltung, als wir einen der protestierenden Studenten der Ernst-Busch-Hochschule auf die Bühne geholt haben [Anmerkung: Die Studierenden der Ernst-Busch kämpften für den zugesagten Neubau der Hochschule]. Das hat mich selber Mut gekostet und der Umstand macht mich sowohl nachdenklich wie froh. Man kann ja nicht viel tun, aber immerhin. Auch ein schöner Moment war gleich am nächsten Tag die Verleihung des Theaterpreises Berlin an Sophie Rois. Wie die Volksbühne in unserem Haus eine für seine Geschichte in den letzten zwanzig Jahren wesentliche Künstlerin ehrte, hat mich sehr berührt. Das im besten Sinne freie und künstlerische Programm mit seiner Bandbreite von Händel bis zu Rock-Poesie passte so gut zu Sophie Rois und es war ein sehr schöner Moment, diese große Schauspielerin mit Blumen überhäufen zu dürfen. Continue reading Interview mit Thomas Oberender

Aber bitte mit Hintergrund

Es klang wie ein Coming-Out, als sich Samuel Finzi bei der Verleihung des “Theaterpreis Berlin” der versammelten Öffentlichkeit als „Schauspieler mit Migrationshintergrund“ präsentierte:

Aber was heisst denn hier Hintergrund? „Migrationshintergrund“ ist auf jeden Fall schon jetzt ein heißer Anwärter auf den Titel „Unwort des Jahrzehnts“, und darum hat Finzi unser vollstes Verständnis, wenn er sich lieber einfach nur „Schauspieler mit Hintergrund“ nennt. Genau: Hauptsache, es steckt etwas dahinter.

Hier unsere persönliche Hintergrund-Selektion für alle Lebenslagen, präsentiert von Dimiter Gotscheff, Shermin Langhoff, Nurkan Erpulat, Jan Klata und natürlich Samuel Finzi. Empfohlen wird ein gelegentlicher Tapetenwechsel.

Bilder: 1.) Gemütlicher… (Kani Mani Bar, Kastanienallee, Prenzlauer Berg) / 2.)  …und eher weniger gemütlicher… (Bornemann-Bar, Berliner Festpiele) / 3.) …postmoderner… (Prater der Volksbühne) / 4.) …und historischer Hintergrund (Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Strasse) / 5.) Es kommt auch vor, dass man nicht auf den Grund der Dinge sieht (Spree, Friedrichstrasse, Grund schätzungsweise 232 m ü. M.). Das ist aber noch kein Grund, sich am Abgrund zu fühlen. / 6.) Jungen Regisseuren empfiehlt sich manchmal das Theatermachen im Untergrund (U-Bahnhof Friedrichstrasse) / 7.) Für manches wiederum gibt es einfach keinen (Hinter-)Grund. (Im Blogger-Büro, Berliner Festspiele) / 8.) Für das meiste aber schon. Auch für das Theatertreffen-Plakat. Wer ihn sucht, findet ihn auf der ersten Seite des tt-Magazins.

Fotos: Fadrina Arpagaus
O-Ton: Anna Deibele

Originalfotos: dpa (Langhoff) / Harry Schnittger (Finzi) / Thalia Theater Hamburg (Gotscheff)