TTtv: U TELL US / Objectification

Eine weitere Folge Begriffsdefinitionsfernsehen mit Stipendiaten des Internationalen Forums, diesmal mit Jonathan Esterkin, Amitesh Grover, Hiroko Oshima und Chong Wang. U TELL US fragt: (How) can objectification be avoided? Die Diskutanten finden eine gemeinsame kulturübergreifende Antwort. Aufgezeichnet in der Akademie der Künste. In English.

TTtv: Ein Fest

Eine Collage aus Ton und Video von zwei Ereignissen des vergangenen Samstag: Die Tonspur stammt aus Meriam Bousselmis Performance „Truth Box“, die tagsüber in der Akademie der Künste aufgebaut war, die Bilder wurden während der Jubiläumsfeier „50 Jahre Theatertreffen“ eingefangen. Der Einlass-Videoloop lief zur Einstimmung des Abends und stammt von Jürgen Kuttner.

Auflösung! Die fehlenden Fotos zu den Spielstätten von 50 Jahren Theatertreffen

Akademie der Künste: 1967/1976
Akademie der Künste: 1967/1976
Deutsches Theater Kammerspiele: 1991/1994/1995/1996
Deutsches Theater Kammerspiele: 1991/1994/1995/1996

Die fehlenden Fotos für meine Energie fordernde und einsame Expedition zu den Spielstätten von 50 Jahren Theatertreffen sind gemacht. Es fehlten die Kammerspiele des Deutschen Theaters, und ich habe die Akademien der Künste miteinander verwechselt und statt der richtigen in der Bartningallee (Tiergarten), sie oben, die am Pariser Platz (Mitte) fotografiert. Jetzt stimmt alles. Ich bin froh. Die vollständige Bilderserie finden Sie hier.

Gerstern habe ich dann noch an der Videobustour (hier unsere Hörcollage) teilgenommen, bei der sechs Spielstätten angefahren werden, und ich habe mein Fahrrad sehr vermisst. Deswegen überlege ich jetzt ernsthaft, die nächsten Jahre eine Fahrradtour durch die Landschaft der Theatertreffen anzubieten. Statt Sekt bietet diese Tour: mehr Muskeln! Bei Interesse, einfach bei mir melden.

Welche Genderdebatte?

Begleitend zum Festivalprogramm diskutiert das Theatertreffen dieses Jahr Genderfragen. Doch anstatt die Debatte als Möglichkeit zu begreifen, tradierte Geschlechterbilder zu hinterfragen, wird unter dem Stichwort Gender hauptsächlich zum Karrierenetzwerken aufgerufen.

Weitere Veranstaltungen zum Thema:
Mittwoch, 18.5., 18 Uhr, Oberes Foyer im Haus der Berliner Festspiele: “Feminismus: Heute ein Unwort?
Samstag, 21.5., 19 Uhr, Plenarsaal der Akademie der Künste: “Fucking Feminists?

„Gender your role!“ schallt es durch die Gänge des Hauses der Berliner Festspiele, und während die Blogger_innen noch überlegen, ob „to gender“ überhaupt ein Verb ist, hat uns der Imperativ bereits eingeholt. Jetzt wird, so steht es in der hundertfach reproduzierten Flyer- und Handzettelverordnung, debattiert am Theatertreffen, deba-tt-iert nämlich, und zwar fix. Weil wir als artige Intellektuelle alle fleißig Judith Butler auswendig gelernt haben, ist es bloß eine Frage der Zeit, bis das Wort „Performativität“ fällt. Und damit wäre auch der Zusammenhang zwischen „Gender“ und „Rolle“ geklärt: Es war doch schließlich immer schon ein Theater mit dem Geschlechtsleben!

Doch wie kann so eine Debatte aussehen? Was haben Theater und Gender einander zu sagen? Was ist in diesem Rahmen denkbar, was nicht? Eine Idee davon, was das Theatertreffen unter Gender versteht, bekommt man in Christina Haberliks Ausstellung, „Regiefrauen: Ein Männerberuf in Frauenhand“, die am Donnerstagnachmittag in der Akademie der Künste eröffnet wurde. Zum Sektempfang im schicken Dachfoyer mit Blick auf den Reichstag und das Brandenburger Tor hat sich eine beinahe ebenso schicke Gesellschaft eingefunden. Noble Jacketts, Seidenschals und spitze Schuhe, wohin man schaut. Die zahlreich erschienen Frauen werden als „Damen“ begrüßt, über die weniger zahlreich erschienen Männer freut man sich aber auch. Continue reading Welche Genderdebatte?

Abgetreten

Die Schauspielerin Jutta Lampe wurde am Samstag in der Akademie der Künste in Berlin mit dem Joana-Maria-Gorvin-Preis ausgezeichnet. Die Preisverleihung war nicht nur Feier ihres Lebenswerks, sondern geriet auch zum Abgesang auf eine Theatergeneration.

In der Schlange, die sich vor dem Einlass in den Zuschauerraum der Akademie der Künste gebildet hat, bin ich mit Abstand eine der Jüngsten. Weiße und melierte Schöpfe herrschen vor, gediegene Abendgarderobe, eine der Wartenden hat sich sogar einen kleinen Klapphocker mitgebracht, um nicht so lange stehen zu müssen.

Die Theatergeneration, die sich hier versammelt hat, um dem Lebenswerk der 72-jährigen Jutta Lampe zu huldigen, kenne ich nur aus Theaterwissenschaftsseminaren, in denen braunstichige Peter Stein-Inszenierungen auf Video gezeigt wurden (war es ein Tschechow-Stück, stand garantiert ein Samowar auf der Bühne), und aus Anekdoten, die ältere Regisseure und Dramaturgen auf Premierenpartys erzählen. Die Schaubühne der siebziger und achtziger Jahre, die Lampes künstlerische Heimat war, ist für mich ebenso weit weg wie Brecht und Gründgens – Epochen, die in Vorlesungen auf die wichtigsten ästhetischen Ansätze, Inszenierungen und Künstler zusammengefasst werden. Continue reading Abgetreten