Die Messe ist gelesen, es bleibt das Evangelium!

Das Theatertreffen ist vorbei, die Theaterferien stehen vor der Tür. Eine Möglichkeit, zumindest einige Themen des Treffens (Biographismus, Betroffenheit, Schlingensief) präsent zu halten: Man liest Christoph Schlingensiefs “Tagebuch einer Krebserkrankung” So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein. Eine Empfehlung.

Generalprobe Kirche der Angst
Inszenieren, zelebrieren, schreiben: Schlingensief (hier in der "Kirche der Angst vor dem Fremden in mir") macht alles. Foto: Jan Zappner

Die Fragmente der Schlingensiefschen Tonbandprotokolle aus der Zeit seiner Krebserkrankung, die das Stück “Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir” teilweise übermächtig emotionalisierten und die nun im Textkorpus des Buchs “So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein” aufgegangen sind, wirken transkribiert und gedruckt deutlich weniger dramatisch: Die Krebsdiagnose (“Wir haben den Befund und das ist große Scheiße”) liest sich lakonisch, die Aufzählung der möglichen Leidenswege (“Operation, Chemo und Bestrahlung, oder eben erst Chemo, dann Operation, danach Bestrahlung und dann noch mal Bestrahlung … oder Chemo.”) erscheint in Schlingensiefs “Tagebuch einer Krebserkrankung” (so der Untertitel) schlicht sachlich. Continue reading Die Messe ist gelesen, es bleibt das Evangelium!