Applaus Applaus

Über das Theatertreffen-Publikum
Ein Stück ist nicht zu Ende, wenn es zu Ende ist. Auch die Inszenierung ist nicht zu Ende, wenn das letzte Wort auf der Bühne gesprochen ist. Applaus wird geprobt und der Regisseur ist aufgefordert, genau zu überlegen, wie er an dieser Stelle mit dem Publikum umgeht. Die konkrete Umsetzung am Abend der Vorstellung ist dann aber meist den Darstellern und ihrem Gespür überlassen: Wenn gebuht wird, muss man sicher nur einmal zum Verbeugen auf die Bühne. Für die Zuschauer ist diese Applaus-Inszenierung meist nicht wahrnehmbar, weil subtile Mittel benutzt werden. Bei Herbert Fritsch ist das anders. Er legt seine Mittel offen. Bei ihm endet das Gesamtkunstwerk erst, wenn der letzte Zuschauer den Saal verlassen hat. Continue reading Applaus Applaus

„Programme! Programme!“

Was die Programmhefte der eingeladenen Stücke so in sich haben
Stimmgewaltige Ausrufer sind dabei: als wären sie Sänger bei der Erprobung ihrer Sprechstimmen. „Programme, Programme“, rufen sie dem vorbei strömenden Publikum der Opéra Bastille zu. In Paris herrschen gänzlich andere Verhältnisse, als in der Heimat des Protestantismus. Dass man diese Drucksachen von fast enzyklopädischem Kaliber Programme nennt, ist eine glatte Untertreibung. Es sind Bücher, die man sich von einem unvergesslichen Abend mit nach Hause nimmt und ins Regal stellt. So stehen die Ausrufer auch noch nach der Vorstellung etwas erhöht hinter ihren eigens dafür gefertigten Tresen und verkaufen vom Stapel weg – für zwölf Euro das Stück. Man hört noch die Rufe, wenn man schon auf dem Weg zur Metro ist.
Acht Stunden Faust begleiten 100 Seiten Programm
Die gedruckten Programme der zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen könnten unterschiedlicher nicht sein – untereinander und im Vergleich zum beschriebenen französischen Modell. Von kostenlos und kopiert bis zum gestandenen 100-Seiten-Taschenbuch zu sieben Euro. Continue reading „Programme! Programme!“

The D-Word

I set myself a task during my year in Berlin to find the answer to a question that has been bothering me for a while: What Is A Dramaturg? Adding to my motivation (and time constraint) is the fact that the Master’s program in Text & Performance I’m due to begin in October offers a Dramaturgy pathway in one of the modules. I thought it would probably be wise to find out what exactly that might entail before making any rash decisions.
First I should clarify something that makes this topic even more confusing than it already is. A dramaturg will tell you that dramaturgy is not just a profession, but an inherent feature of any performance. The definition of this ‘dramaturgy of a performance’ is a whole different can of worms, and not one that I want to open right now, but we do need an idea of what it is if we’re to find out what the dramaturg’s relationship to it is, so I’ll take Tim Etchells’ definition in his article When I say the Numbers … Some Notes on Time in Performance – not least because it was the closest one to hand, at the back of the Theatertreffen 2012 magazine:
A journey with picaresque structure, from a beginning to a >middle<, through anticipation and climax, finally to closure on arrival somewhere, here, a place which did not exist before.”
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„Ihr Auftritt, bitte!“

Der Auftritt der eingeladenen Theater jenseits der Bühnenkante:
„Ich ziehe jeden Fahrplan an der Bushaltestelle vor“, sagt ein Zuschauer, gebeugt über einem halben Dutzend Monatsspielplänen. Er spricht über gedruckte Theaterspielpläne an sich und die der eingeladenen Theater im Besonderen. Man muss dazu wissen: Der Mann lebt in Berlin und hier werden die Buspläne nach Vorlagen von Meta Design gestaltet. Es sind in der Tat die besten Buspläne der Republik: sie sind klar, übersichtlich und gut strukturiert. Seiner Meinung nach reichen die gefalteten Spielpläne von deutschen Theatern da nicht heran. Schwer erträglich findet er dieses „Kunstgetöse“ gerade bei einem Medium, das „einfach gut gestaltet und lesbar sein sollte. Es muss dem Leser dienen“, meint er. Continue reading „Ihr Auftritt, bitte!“

Theater 2.0 – vernetzt, verheddert, aufgeknüpft?

Eine Betrachtung der eingeladenen Theater und ihrer Netzaktivitäten
„Von 100% auf 99 ist doch keine Steigerung“, lässt René Pollesch Fabian Hinrichs in „Kill Your Darlings!“ sagen. Dieser Satz bringt die Absurdität von Rankings auf den Punkt: Fast immer sind sie unbrauchbar. Doch heutzutage wird so ziemlich alles irgendwie „gerankt“ – und wenn es nur die „Gefällt-mir“-Klicks bei Facebook sind. Also los: Ginge man nach diesen, läge das Thalia Theater unter den eingeladenen Häusern ganz vorne. Vor ein paar Tagen haben die Hamburger die 8.000er-Marke geknackt: Das ist augenblicklich Rang eins beim Theater-Facebook-Ranking. Ein Grund zu feiern?
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