Theatric-O-Meter

We knew from the start that all ten of the productions invited to Theatertreffen were in some way “remarkable,“ that they had something that made them stand out in the crowd of 700 performances the jury attended over the year. But, looking back over the festival, what did the productions have in common? Here are some statistics:
Performers

Puppets backstage at "Faust I+II", Photo: Nadine Loës

7/10 productions had actors shouting lines that do not logically require to be shouted

3/10 had actors performing more than one role (multi-roling)
9/10 addressed the audience directly (broken 4th wall)
4/10 didn’t stick to the script, opting for moments of improvisation
3/10 directly and deliberately referenced the Theatertreffen festival
7/10 had lines performed in two or more languages
5/10 featured some form of nudity, ranging from bare bums to full-frontal.
5/10 included either dance routines or gymnastics
4/10 had real live children
3/10 used either puppets or animal costumes
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Mit zehn Jahren Verspätung

Der 3sat-Preis hat eine turbulente Vergangenheit. Wir rekapitulieren kurz um die heutige Preisverleihung auch richtig einordnen zu können:
2009 kämpfte Claus Peymann beim „Preiskampf“ live im Fernsehen um die Durchsetzung und prügelte schließlich gemeinsam mit Bernd Sucher die „Weibsteufel“ durch. Bildlich gesprochen. Die Damen in der Jury wurden jedenfalls niedergewalzt – da helfen noch so viele Gender-Stücke und Frauen als Macbeth und Parzival im Gegenwartstheater auch nichts. Nun ja. Dieses Jahr kämpfte Peymann dann ja bekanntlich gleich gegen das ganze Theatertreffen.
Letztes Jahr wurde die öffentliche Verleihung des 3sat-Preises im Rahmen der Veranstaltung “Kultur als Entwicklungsmotor” durchgeführt, die große Party abgesagt. Ein rauschendes Fest zur posthumen Verleihung an Christoph Schlingensief war nicht angemessen, sagen die einen, andere behaupten, das Geld sei ausgegangen. Viel Spekulation, viele Gerüchte. So ganz genaues weiß man nicht.
Was macht man also nach solch aufregenden Jahren? Genau: Was ganz konventionelles.
21:54 Uhr: Der rote Teppich ist auf der Bühne ausgerollt. Blumen sind aufgestellt. Die Gäste trinken ihre Weingläser vor der Tür auf Ex aus. Bernd Moss moderiert die Veranstaltung locker-flockig und kündigt an, es werde einen Preisträger, eine Preisträgerin, Preisträger oder Preisträgerinnen geben: Bei 3sat scheint es jedenfalls seit Peymann ein Bewusstsein für Geschlechter zu geben. Er fügt ein paar Informationen zum Preis an: Seit 1997 wird er verliehen, Schauspiel, Bühnenbild oder Regie werden für „innovative, zukunftsweisende Arbeiten“ prämiert. Continue reading Mit zehn Jahren Verspätung

Running the Faust-Marathon

Director Nicolas Stemann appeared on stage with a microphone at the start of nearly every section of his Faust I+II to explain the plot of Goethe’s two-part tragedy bit by bit as the performance unravelled. “Unravelled” feels like an accurate description of the evening, but – like Stemann – I should preface my statement with a fast-forward through the storyline: Continue reading Running the Faust-Marathon

Keine Volksdistanz – eher Halbmarathon

Meine Theatertreffen-Blog Kollegin Magdalena Hiller schrieb am 8. Februar 2012 im TT-Blog über Theaterstücke, die aufgrund ihrer Länge einer etwas unkonventionelleren Abendplanung bedürfen. Ich dachte mir: Zum Glück sind wir das hier in Berlin gewöhnt! Allerdings musste ich feststellen, dass ich bisher auch noch nicht in den Genuss einer bis zu zwölf Stunden andauernden Theaterinszenierung gekommen bin. Das Stück John Gabriel Borkman zum Beispiel könnte man wohl als ein „Theater-Halbmarathon“ bezeichnen und solch ein Unterfangen verlangt auch vom Zuschauer ein Maximum an Leistungsbereitschaft. Daher habe ich innegehalten und zeichnerisch neun Empfehlungen beziehungsweise Hinweise zusammen getragen, die uns helfen sollen, einen sehr langen Theaterabend, eine lange Theaternacht oder einen Theatermorgen glücklich zu überstehen.

 

„Mehr ist mehr“ – Über Marathon-Theaterabende

Vier Stunden – das ist in etwa die Durchschnittsdauer der diesjährigen Inszenierungsauswahl; Spitzenreiter ist John Gabriel Borkman mit acht bis zwölf Stunden. Gegenwartsdramatik überschreitet hingegen in der Regel nicht die Zwei-Stunden-Grenze. Alles ab drei Stunden fällt für mich in die Kategorie „Theatermarathon“. Und ein Theaterabend der länger als vier Stunden dauert, passiert nicht einfach – er wird forciert. Denn normalerweise würde man doch bei den Endproben noch einmal straffen, „Kill your darlings“ eben. Deshalb behaupte ich: je länger desto unfokussierter.

Diese These lässt sich natürlich nicht immer verteidigen: Alvis Hermanis „Platonov“ zum Beispiel dauert fünf Stunden. Fünf Stunden, die alleine dem 170 Seiten langen Originaltext geschuldet sind, der einen einzigen Tag auf dem Gut Vojnicevka beschreibt. Tschechow gibt dem Betrachter die Möglichkeit, das Geschehen quasi in Originalzeit mitzuerleben. Minutiös mitverfolgen zu können, wie Martin Wuttkes Platonov und die ihn verehrenden Damen mit jedem Gläschen betrunkener und somit liebesbedürftiger werden, ist ein Erlebnis, für das es sich lohnt auszuharren.
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