Das elfte Element

Was vom tt11 bleibt, lässt sich in wenigen oder vielen Sätzen sagen. Was von uns Bloggern bleibt, ist knapper und kryptischer: #tt11. Mit diesem Hashtag auf Twitter wollen wir zur Spur im Netz werden, auch dann, wenn wir schon wieder in alle Welt verstreut sind. Doch weil das tt 11 aus und vorbei ist, braucht das Kürzel eine neue Bedeutung am besten für die Ewigkeit. Nur welche?

tt und 11. Und jetzt? Bei tt denkt man an Audi, bei 11 an 9/11. Nicht gut. Zu belastet. Lieber bei uns selber suchen. Also: Unser Blogger-Jahrgang war diejenige, der das Live-Bloggen aus dem Theater salon- oder zumindest theatertreffenfähig gemacht hat. Aber nicht ohne harsche Gegenkritik. „Das ist doch wie ein Liveticker beim Fußball!“, hörte man von allen Seiten. Und schon ist eine Bedeutung da. 11, das ist eine Mannschaft, in der jeder anders spielt, doch mit Position. #tt11, das bedeutet Echtzeit und Gegenwärtigkeit, auch im Theater.

Und überhaupt: Warum nicht Fußball? Etwas von der überschäumenden Begeisterung und gesellschaftlichen Relevanz, die Fußball hat, könnte auch das Theater gebrauchen. Emotion und Energie! Interkulturelle Verbrüder- und schwesterung statt blutleerer Verkopfung! Soziale Durchlässigkeit statt Elite! #tt11! Und warum nicht den Gedanken durchspielen, dass auch Theater wieder zu einer Naturgewalt werden könnte, wie es der Fußball ist – ein Element, das bewegt, berührt, Kräfte entfesselt? Theater, das elfte Element. Continue reading Das elfte Element

Das Spiel im Spiel

90 Minuten dauert Peter Handkes “Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“, das heute Abend im Haus der Berliner Festspiele zu sehen war. Parallel dazu gab es 90 Minuten Fußball. Im Olympiastadion Berlin, natürlich. Aber auch in der Theaterkantine im Keller der Festspiele. Eine kleine Schar fußballbegeisterter Theaterleute tauschte nach acht Tagen Hochkultur die Bühne gegen den Rasen und verfolgte ein akustisch ganz außergewöhnliches DFB-Pokalfinale Bayern gegen Bremen live vor dem Fernseher: Die Stimme des Fußballkommentators und der Fangesang aus dem Stadion mischten sich mit Flugzeuggeräuschen, Motorradlärm, Techno-Beats und Operngesang, die live von der Theaterbühne per Lautsprecher in der Kantine zu hören waren. Während Franck Ribéry sich gleich an zwei Werder-Spielern vorbeidribbelt, bekommt er den passenden dramatischen Soundtrack von der Bühne. Wann haben sich Theater und Fußball je so gut verschränkt? Ribéry wird von Torsten Frings per Foul gestoppt und sieht Gelb. 20 Minuten später, die Bayern führen nun schon 3:0, wird Frings mit Gelb-Rot vom Platz verwiesen. Wäre Frings ein Schauspieler, dürfte er seiner Wut und seiner Enttäuschung richtig Platz machen. In seiner Regieanweisung würde stehen: “Schreien!”, “Gegen die Bühnenwand springen!“ Auf dem Rasen reicht es nur für “Meckern gegen den Schiri“. Dann muss er von der Bühne ab, äh, vom Rasen.