“We need the European theatres to support us!”

Das Internationale Forum ist ein zweiwöchiges  Programm für professionelle Theatermacher*innen bis 35 Jahre, die künstlerisch im Bereich Schauspiel arbeiten. Die Plattform beinhaltet den Besuch der Inszenierungen, Workshops mit zum Festival eingeladenen Theaterschaffenden und ein Rahmenprogramm. 2017 waren 38 Künstler*innen aus 23 Ländern zum Internationalen Forum eingeladen. Eine von ihnen ist Heves Duygu Tüzün. 2010 gründete sie mit anderen Künstler*innen das Theater ikincikat in Istanbul, in dem sie seitdem als Schauspielerin und Programmdirektorin tätig ist.

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Über Berlin II: „Nein“ (also: „no“), meine Distanz zur Berliner Kulturszene

Berlin zieht internationale Künstler an und verkauft sich als offene Stadt für Kreative. Aber wie fühlt man sich als kreativer Immigrant in Berlin? Wie kommt man rein in die kulturellen Strukturen, etwa das Theatertreffen, und wie erhält man seinen künstlerischen Fokus?

Ich sitze zur schreibenden Stunde in einem Café in Neukölln, Heimat der Berliner Hipster, zwischen Flohmarkt-Stühlen und US-amerikanischen Immigranten. Meinen Eiskaffee (also: „Frappé“) habe ich schon ausgetrunken. Eiskaffee gönne ich mir täglich. In Berlin kann man so unglaublich billlig „über-überleben“.

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Ich, die Stadt und das TT. Zeichnung: Mai Vendelbo

Im Vergleich mit anderen Großstädten sind nicht nur Eiskaffees bezahlbar, auch Kunst und Kultur sind hier wahnsinnig zugänglich. Für das, was ich für eine Theaterkarte in Dänemark ausgeben muss, bekomme ich hier mindestens zwei (wenn ich nicht in der ersten Reihe neben Anzügen sitzen möchte). Ja, Kunst und Kultur werden hier wie Süßigkeiten verkauft, und du kannst in deiner Tüte alles Mögliche mixen und ausprobieren. Berlin hat alles. So heißt es. „Be Berlin“ ist der Werbeslogan. Ja, Berlin ist ganz sicher ein Paradies für Künstler und Kunstliebhaber (also: „lovers“), oder? Mein Antwort ist „nein“ (also: „no“).

Theatertreffen als Miniatur-Berlin

Als Berlin-Immigrantin im zweiten Jahr, als Kunstliebhaberin und entstehende Künstlerin (hoffentlich, oder soll ich mich freuen, dass ich immer noch nicht vom 10-Meter-Brett gesprungen bin?) fühle ich mich distanziert, nicht nur von der berlinerischen Kunstszene, sondern auch von meiner eigenen Arbeit und meinen eigenen Ambitionen. Ich fühle mich in Berlin drinnen, aber doch draußen, und diese Zwischen-Position ist unglaublich unmotivierend und unproduktiv. Es gibt diese merkwürdige berlinerische Bewegungskraft, die dein künstlerisches Feuer verdunsten lässt, bevor es dich wieder anziehen und anzünden kann. Was ich mit drinnen zu sein meine: drinnen in deiner künstlerische Arbeit.

Ich wurde zum Theatertreffen als Fotobloggerin eingeladen, und diese Arbeit hat wieder mein Drinnen-Draußen-Gefühl aktiviert. Ich bin offiziell drin, aber ich fühle mich konstant irgendwie draußen, und nein (also: „no“), es ist nicht nur eine Sprachsache. Ich habe lange überlegt, warum, und meine beste Antwort bis heute ist, dass das Festival einfach zu flüchtig ist. Ich schaffe es nicht, in zwei Wochen einen Überblick zu bekommen. Es geht ums Theater und es geht um das Treffen, aber es geht auch um Politik, Geschichte, Feiern, Kultur im Allgemeinen, Blackfacing, Film, Essen, Menschen mit Behinderung, Fotos etc. etc. (also: „usw. usw.“). Das Theatertreffen wird für mich plötzlich zu einer Miniatur von Berlin.

Unfokussierte Multi-Kulti-Künstler

Berlin steckt voller Möglichkeiten. Die Künstler, die ich auf der Straße oder bei Pop-up-Vernissagen (ein Café, das plötzlich und kurzfristig Galerie geworden ist) treffe, sind Leute wie ich: unfokussierte Multi-Kulti-Künstler, die alles wollen, aber nicht alles können. Frag mal jemanden in der U-Bahn oder beim Döner Stop, was er oder sie so macht. Die Person wird die folgende Erklärung abgeben: Er/sie ist nicht nur Autor. Er/sie ist auch Fotograf, Zeichner, Tänzer, Grafikdesigner, und nicht zu vergessen, DJ. Ja (also: „yes“). Die Straßen dieser Stadt sind voll von Multikünstlern, und die Theaterbühnen stellen keine Ausnahme dar. Lars Eidinger hat als DJ vergangenen Samstag beim Theatertreffen-Bergfest-Jubliäum meine Theorie zementiert und meine sprachlose Bewunderung für seinen „Hamlet“ in wortblöden Songs ertränkt. Continue reading Über Berlin II: „Nein“ (also: „no“), meine Distanz zur Berliner Kulturszene