Applaus Applaus

Über das Theatertreffen-Publikum
Ein Stück ist nicht zu Ende, wenn es zu Ende ist. Auch die Inszenierung ist nicht zu Ende, wenn das letzte Wort auf der Bühne gesprochen ist. Applaus wird geprobt und der Regisseur ist aufgefordert, genau zu überlegen, wie er an dieser Stelle mit dem Publikum umgeht. Die konkrete Umsetzung am Abend der Vorstellung ist dann aber meist den Darstellern und ihrem Gespür überlassen: Wenn gebuht wird, muss man sicher nur einmal zum Verbeugen auf die Bühne. Für die Zuschauer ist diese Applaus-Inszenierung meist nicht wahrnehmbar, weil subtile Mittel benutzt werden. Bei Herbert Fritsch ist das anders. Er legt seine Mittel offen. Bei ihm endet das Gesamtkunstwerk erst, wenn der letzte Zuschauer den Saal verlassen hat. Continue reading Applaus Applaus

The TT-bloggers on Ein Volksfeind

Heiner Müller, Shakespeare, Ibsen’s patriarchal issues, East German comedy, Fukushima, Haribo, “the modern marriage,” fascism, capitalism, communism, racism, and even the delay of the brand-new Berlin Airport were all brought up in the Publikumsgespräch following last night’s Ein Volksfeind. On stage, there were at least a dozen people who’d actually worked on the play talking about their take on it, and yet their answers never made any coherent sense; it was as if they’d all been working on different plays. First, I thought this was due to my lack of German skills, or perhaps those of my interpreter. But then one audience member quite simply asked director Lukas Langhoff what the play was about and Langhoff responded that “there is no one true meaning,” continuing on to say he did not want to “force any one theme or meaning onto the audience.”
Right. As we are now arguably living in a so-called postmodern era where any unitary truths have arguably disappeared, I could have swallowed the director’s response if he had succeeded in convincingly transcending any particular “truth.” However, after sitting in the auditorium of the Haus der Berliner Festspiele for two very long hours, I only got bits and pieces of the aforementioned random themes, and none of them fully persuaded my mind or reached my soul. The only thought that constantly came back to my mind was: Too many cooks spoil the broth.
This is why I decided to write this article “collectively.” That is, I asked all the TT-blog contributors present after the performance to provide their opinion on how “the soup tasted,” or what they perceived to be the play’s meaning. See if we can’t make sense of this together: Continue reading The TT-bloggers on Ein Volksfeind

„Programme! Programme!“

Was die Programmhefte der eingeladenen Stücke so in sich haben
Stimmgewaltige Ausrufer sind dabei: als wären sie Sänger bei der Erprobung ihrer Sprechstimmen. „Programme, Programme“, rufen sie dem vorbei strömenden Publikum der Opéra Bastille zu. In Paris herrschen gänzlich andere Verhältnisse, als in der Heimat des Protestantismus. Dass man diese Drucksachen von fast enzyklopädischem Kaliber Programme nennt, ist eine glatte Untertreibung. Es sind Bücher, die man sich von einem unvergesslichen Abend mit nach Hause nimmt und ins Regal stellt. So stehen die Ausrufer auch noch nach der Vorstellung etwas erhöht hinter ihren eigens dafür gefertigten Tresen und verkaufen vom Stapel weg – für zwölf Euro das Stück. Man hört noch die Rufe, wenn man schon auf dem Weg zur Metro ist.
Acht Stunden Faust begleiten 100 Seiten Programm
Die gedruckten Programme der zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen könnten unterschiedlicher nicht sein – untereinander und im Vergleich zum beschriebenen französischen Modell. Von kostenlos und kopiert bis zum gestandenen 100-Seiten-Taschenbuch zu sieben Euro. Continue reading „Programme! Programme!“

„Ihr Auftritt, bitte!“

Der Auftritt der eingeladenen Theater jenseits der Bühnenkante:
„Ich ziehe jeden Fahrplan an der Bushaltestelle vor“, sagt ein Zuschauer, gebeugt über einem halben Dutzend Monatsspielplänen. Er spricht über gedruckte Theaterspielpläne an sich und die der eingeladenen Theater im Besonderen. Man muss dazu wissen: Der Mann lebt in Berlin und hier werden die Buspläne nach Vorlagen von Meta Design gestaltet. Es sind in der Tat die besten Buspläne der Republik: sie sind klar, übersichtlich und gut strukturiert. Seiner Meinung nach reichen die gefalteten Spielpläne von deutschen Theatern da nicht heran. Schwer erträglich findet er dieses „Kunstgetöse“ gerade bei einem Medium, das „einfach gut gestaltet und lesbar sein sollte. Es muss dem Leser dienen“, meint er. Continue reading „Ihr Auftritt, bitte!“

Theater 2.0 – vernetzt, verheddert, aufgeknüpft?

Eine Betrachtung der eingeladenen Theater und ihrer Netzaktivitäten
„Von 100% auf 99 ist doch keine Steigerung“, lässt René Pollesch Fabian Hinrichs in „Kill Your Darlings!“ sagen. Dieser Satz bringt die Absurdität von Rankings auf den Punkt: Fast immer sind sie unbrauchbar. Doch heutzutage wird so ziemlich alles irgendwie „gerankt“ – und wenn es nur die „Gefällt-mir“-Klicks bei Facebook sind. Also los: Ginge man nach diesen, läge das Thalia Theater unter den eingeladenen Häusern ganz vorne. Vor ein paar Tagen haben die Hamburger die 8.000er-Marke geknackt: Das ist augenblicklich Rang eins beim Theater-Facebook-Ranking. Ein Grund zu feiern?
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