„Ich bin ein Einzelkämpfer.“ Beim Spargelsalat mit Heike Makatsch

Foto: Mai Vendelbo
Beim Lunch in Prenzlauer Berg mit der Schauspielerin Heike Makatsch (li.), TT-Bloggerin Henrike Terheyden (re.). Foto: Mai Vendelbo

Die Inszenierung „Krieg und Frieden“ von Sebastian Hartmann nach dem Roman von Lew Tolstoi ist dieses Jahr zum Theatertreffen von Leipzig nach Berlin eingeladen worden. Mit auf der Bühne steht Heike Makatsch, die seit drei Jahren als Gastschauspielerin im Leipziger Ensemble arbeitet. Ich treffe sie zum Mittagessen im „Pappa e Ciccia“ auf der Schwedter Straße im Prenzlauer Berg. Heike Makatsch kommt mit dem Fahrrad, und wir fällen binnen Sekunden die Entscheidung für den Spargelsalat und für das „du“.

Du arbeitest ja vor allem als Filmschauspielerin, was reizt dich daran, auf der Bühne zu stehen, da verdient man doch viel weniger Geld! Was ist anders?
Heike Makatsch: Nicht nur das Geldverdienen ist ein Anreiz für die Schauspielerei, die liebt man ja an sich – das Geschichten-Erzählen und in sich die Dinge zu finden, die man braucht, um Emotionen darzustellen. Bei der Filmschauspielerei habe ich das sehr im Griff. Das macht mir auch deshalb so große Freude, weil ich weiß, wie ich Temperaturen einstellen kann, wo ich was in mir finde. Ich denke auch zu wissen, was das dann später erzählt. Das Theaterschauspiel findet in einer ganz anderen Situation statt, unmittelbar vor dem Publikum, ohne die Chance es noch einmal zu machen. Ja, ich hatte geahnt, dass es eine Herausforderung ist und eine absolute Erweiterung dessen, was ich vorher gemacht habe, und dass ich nur dort lernen kann.

HT: Was meinst du mit: Temperaturen einstellen?
HM: Damit meine ich, ein gutes Gefühl dafür zu haben, wie man die Mittel nutzt, die man als Schauspieler hat (also Körper, Stimme, Emotionen, Gestus, Bewegung und so weiter), um einen bestimmten Grad an Emotion beim Zuschauer zu erzeugen. Beim Theater musste ich erst einmal erfahren, wie das auf einer Bühne geht, in einem Raum, in dem tausend Menschen sitzen. Was passiert mit dem Zuschauer in der hintersten Reihe? Das ist eine ganz andere Situation als beim Filmdreh. Wenn ich zum Beispiel ein Close-Up spiele, die Kamera ist ganz nah, dann habe ich ein ganz anderes Gefühl in mir, als wenn die Kamera am Ende des Raums steht. Denn ich weiß, was sie sieht, was sie nicht sieht, was sie entdecken kann. Und im Theater steht gar keine Kamera! Da muss man sich erstmal dran gewöhnen.

HT: Was interessiert dich an dem Stück „Krieg und Frieden“?
HM: Also, das Buch kann einen schonmal interessieren, weil es ein Spiegel einer Gesellschaft ist, im Großen und im Kleinen, im Schlachtfeld zu Hause und im Schlachtfeld da draußen. Es geht um das Menschsein – um die menschliche Existenz. Das kann einen schon mal grundsätzlich interessieren. Und wie dann aus so einem Mammutwerk von zweitausend Seiten ein konsumierbares Stück wird, das aber am Ende nicht nur den rührseligen Strang einer Liebesgeschichte erzählt, sondern es auch schafft, in den sechs Stunden diese großen Themen zu berühren, das hat mich auch interessiert. Meiner Meinung nach ist das Sebastian Hartmann geglückt. Continue reading „Ich bin ein Einzelkämpfer.“ Beim Spargelsalat mit Heike Makatsch

Tag 5

1. Ich treffe mich zum Mittagessen mit Heike Makatsch, um mit ihr über Sebastian Hartmanns Bühnenadaption des vierteiligen Romans Krieg und Frieden des russischen Schriftstellers Lew Tolstoi zu sprechen, die morgen beim Theatertreffen ihre Premiere hat und in der sie mitspielt.

2. Ich lerne endlich die korrekte Reihenfolge der U-Bahnstationen bis zum Festspielhaus auswendig, um nicht länger Unschuldige in die falsche Richtung zu weisen.

3. Dann fahre ich aber mit dem Fahrrad.

Mein Wunsch: Mein Aufnahmegerät (aka Handy) löscht nicht aus purer Raffgier das gesamte Interview mit Heike Makatsch.