John Gabriel Borkman (4): Vinge ist Visconti

John Gabriel Borkman“, inszeniert von Vegard Vinge und seinen Lieben, dürfte die wohl meist diskutierte Nominierung des diesjährigen Theatertreffens sein.
Selbst eher theaterferne Menschen wissen bereits, was sie in diesem Stück erwartet: der Regisseur pinkelt sich in den Mund, scheißt Farbe auf Bilder, bedroht das Publikum. Das stimmt auch alles, aber das ist nicht das, was diese Inszenierung eigentlich auszeichnet: Sie ist ein Gesamtkunstwerk voller Emotionen, Energie, Poesie und Musik. Continue reading John Gabriel Borkman (4): Vinge ist Visconti

Pollesch vermisst

Der Intendant des Prater, einer Spielstätte der Volksbühne in Berlin, René Pollesch im Blitzinterview. Warum? Einfach so. Und weil er uns gefehlt hat. Und weil wir von ihm wissen wollten, ob er beim Theatertreffen etwas vermisst.

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In Gedanken immer dabei: René Pollesch. Foto: Thomas Aurin

Finden Sie den Anspruch des Theatertreffen realistisch, das aktuell bemerkenswerteste deutschsprachige Theater zu zeigen?

Ich denke schon, aber man sollte die Inszenierungen in eine andere Stadt einladen. München, Düsseldorf oder Bochum. Oder vielleicht sogar in ein theaterbegeistertes kleines Nest, das man damit aufwerten könnte.

Auffällig ist, dass die eingeladenen Regisseure hauptsächlich männlich und über 40 sind. Sind alte Männer bessere Regisseure?

Männer einzuladen ist die einzige Möglichkeit der Jury, zu beweisen, daß sie weiß worum es geht. Zehn Männer einzuladen, ist keine Mode. Wenn man zehn Frauen einlädt, lädt man nur zehn Frauen ein.

Seit 2001 leiten Sie den Prater, eine Spielstätte der Berliner Volksbühne. Dort haben Sie öfter Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen eingeladen, deren Inszenierung “Othello, c’est qui” dieses Jahr beim Theatertreffen zur Diskussion stand. Hätte die Jury Mut bewiesen, wenn diese Inszenierung in die Endauswahl genommen worden wäre?

Dass sie zur Diskussion standen, wußte ich nicht. Ich finde Monika jedenfalls bemerkenswert.