Die Premierenkritik: Hysterie bei Herbert Fritsch

Die [s]panische Fliege“, inszeniert von Herbert Fritsch an der Volksbühne, ist ein Schwank, also vor allem kurzweilige Unterhaltung. Klingt banal, ist aber eine schwierige Kunst, an der zahlreiche Theatermacher schon gescheitert sind, da sie auf einem schmalen Grat tanzen müssen. Fritsch und sein Ensemble springen und schreien anscheinend ganz mühelos darauf. Continue reading Die Premierenkritik: Hysterie bei Herbert Fritsch

Und der Berliner Theaterpreis geht an…

… Sophie Rois! Da muss und kann ja eigentlich nicht mehr viel gesagt werden. Zumal Frau Rois in den letzten Jahren einiges an Preisen und Ehrungen empfangen hat. Und zu solchen Anlässen wird meist eine Menge gesagt. Hier auch. Aber die Verleihung des Theaterpreises war tatsächlich unterhaltsam, witzig, theatralisch und berührend: die Patzer in der Rede des Herrn Rasch („…Obermeyer?“), die Lieder für Sophie von Bernd Begemann, die schlotternden Knie von René Pollesch, die Chor-Lieder – und natürlich der Auftritt von Sophie Rois as her fabulous self! Continue reading Und der Berliner Theaterpreis geht an…

Bemerkenswert? Kritik an Kritiklosigkeit

„Draußen tobt der Konsens, während ich hier drinnen versuche, Tradition und Anarchie aufrecht zu erhalten,“ sagte Sophie Rois einmal in den „Diktatorinnengattinnen“, einem Stück von René Pollesch. Tobt der Konsens jetzt auch in Bezug auf die TT Auswahl der zehn „bemerkenswertesten Inszenierungen“? Seit sie bekanntgegeben wurde, herrscht überall viel Zustimmung, viele Übereinstimmungen mit dem nachtkritik-Theatertreffen, nur vereinzelte „Ich vermisse aber…“-Kommentare sind zu lesen, verhältnismäßig wenig Kritik wird laut.
Mich beschleicht beim Lesen der meisten Kommentare im Internet ohnehin häufig der Verdacht, dass es vielen Kritikern vor allem darum geht, den eigenen Standpunkt als überlegen zu markieren. Und meist sind diese Diskussionen eher belustigend, manchmal nervend, aber selten produktiv oder irgendwie erhellend. Oder? Denn genauer betrachtet ist die allem zugrunde liegende Ausgangsfrage doch mehr als berechtigt und spannend:
Wer definiert hier was wie und warum?
Und auch alle daran anschließenden Fragen finde ich durchaus stellenswert: Ist das Theatertreffen nicht normativ oder zumindest normierend und ausgrenzend? Ist das nicht elitäres Getue und unnötige Hierarchisierung? Ist das Theatertreffen nicht völlig überbewertet? Ist das Theatertreffen überhaupt zu irgendetwas nutze? Continue reading Bemerkenswert? Kritik an Kritiklosigkeit