Tag 8

1. Meine Welt besteht nicht nur aus schiefen Ebenen (siehe „Krieg und Frieden“).

2. Ich führe ein Gespräch mit Bühnenwatch, um  mich über das „Blackfacing“ in der „Heiligen Johanna der Schlachthöfe“ in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten zu unterhalten.

3. Wir bloggen heute aus dem Garten der Berliner Festspiele und ich ergattere einen Platz in einer der Hollywoodschaukeln.

Mein Wunsch: Diese Kategorie wird umbenannt in 3 Wünsche und ein Highlight.

Machtkämpfe ohne Grenzen: „Krieg und Frieden“

Titel, Autor, Entstehungsjahr: „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi, 1868.
Handlung: Männer ziehen in die Schlacht, Frauen kriegen Kinder.
Erster Satz: Ende 1811 begann eine verstärkte Aufrüstung und Konzentration der Streitkräfte Westeuropas, und 1812 setzten sich diese Streitkräfte – Millionen Menschen, einschließlich derer, die die Armee transportierten und verpflegten – von West nach Ost in Bewegung, an die Grenzen Russlands, an denen ebenfalls seit 1811 die Streitkräfte Russlands zusammengezogen wurden.
Regisseur: Sebastian Hartmann, erste Einladung zum TT.
Bühne: Centraltheater Leipzig.
Beim TT 2013: Großer Saal in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

Krieg und Frieden (c) Mai Vendelbo
Chor der Frauen mit einem Mann. Szene aus Sebastian Hartmanns Inszenierung „Krieg und Frieden”. Foto: Mai Vendelbo

Die Bühne, zwei ernorme dunkle Platten, reißt ihr Maul auf. Die Schauspieler kämpfen mit ihr, sie werden von ihr verschluckt und ausgespien, versuchen sie hochzustemmen, zu überwinden, werden von ihr getrennt und exponiert. Diese langsame, gutmütige Bestie, Himmel und Erde, Projektionsfläche oben, Rutschrampe unten, hebt und senkt sich in alle Richtungen, vollzieht die vorwärts stampfende, steigerungswütige Dramaturgie, erzeugt immer neue Zwischenräume. Aber: Die Schauspieler klettern da auch einfach runter. Sie kommen auch einfach ins Publikum. Diese maßlose Inszenierung will, wie es bei Hartmann nicht überrascht, so schnell vor keiner Grenze Halt machen, mit der wiederkehrenden Losung „Los, auf’s Eis!“, mal Angstschrei, mal Verheißung, treibt sie die große Fragen vor sich her, bevor sie nach fünf Stunden einbricht, um Interaktion zu suggerieren und einen Animationsfilm zu zeigen. Continue reading Machtkämpfe ohne Grenzen: „Krieg und Frieden“