Tag 18

1.Ich treffe meine TT-Kolleginnen Anneke und Eva und habe Zeit, mit ihnen im Garten zu quatschen und einen Kaffee zu trinken.

2. Bei der Jury-Abschlussdiskussion wird über alle eingeladenen Inszenierungen debattiert und alle Kritiker des fünfzigsten Theatertreffens haben eine letzte Chance, sich zu äußern.

3. Ich schaue „Orpheus steigt herab“, die letzte Aufführung innerhalb des Theatertreffens.

Wunsch: Da heute unser letzter gemeinsamer Tag mit der TT-Blog-Redaktion ist, wünsche ich mir, dass wir Zeit haben, uns in Ruhe zu verabschieden, das Blog 2013 danach aber nicht sofort in Vergessenheit gerät. Es kommen auch morgen noch einige Texte, etwa das 50-Zeichen-Fazit von allen.

Wer sind die neuen Blogger?

Sie kommen aus Berlin, Hamburg, Hildesheim, London, München und Wien. Sie lieben Theater und regen sich auch mal darüber auf. Und sie sind die 2012-Blog-Redaktion. Bis zum Festivalstart werden sie sich jeder in zwei Beiträgen dem Theatertreffen auf ihre ganz persönliche Art und Weise nähern:
Für Adrian Anton, der in Hamburg über Armut und Tod promoviert, in einem Studiengang, der sich noch Volkskunde Schrägstrich Anthropologie nennt, ist das inszenierte “Mit-der-Welt-Auseinandersetzen reines Hobby”, aber das Theater stößt immer wieder so viel bei ihm an, dass er seit 2009 darüber online schreibt.
Hamed Eshrat sagt von sich selbst, er arbeite “ziemlich minimal”. Seinen Flachbrettscanner kann er im Rucksack verstauen, ebenso Stift und Papier, mit denen er zeichnerisch festhält, was ihn bewegt – bisher waren das auch Graphic Novels, etwa über die Revolution in Iran 1979.
Karl Wolfgang Flender lernt gerade Türkisch in Istanbul und versucht sich dort auch als Videoblogger. Ab dem Sommersemester studiert er wieder Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim. Er will herausfinden, wie ein Blog die Präsenz des Theaters anders als ein gedrucktes Medium abbilden kann.
Sie geht an 200 Abenden im Jahr ins Theater, schreibt darüber kurze, schnelle Texte und erstellt dazu Grafik-Collagen. Das betrachtet sie als “ihre Ausbildung”. Tagsüber studiert Magdalena Hiller aber Wirtschaftsrecht in Wien, den Abschluss wird sie im Sommer machen.
Nadine Loës reist regelmäßig von München nach Berlin für ein Aufbaustudium an der Ostkreuzschule. Sie fotografiert eigentlich mit einer alten zweiäugigen Voigtländer-Kamera ihres Großvaters, ganz analog, aber beim Theatertreffen will sie “zeitnaher” mit einer digitalen Kamera arbeiten.
Die Engländerin Miriam Rose Sherwood stieß auf die tt-Blog-Ausschreibung über einen tt Talente Flyer in der Stadtbibliothek, eigentlich hält sie sich gerade aber mehr beim Kinder- und Jugendtheater Theater o.N. im Prenzlauer Berg und beim English Theatre Berlin auf, wo sie assistiert. Sie ist für ein Jahr in Berlin, “um so viel wie möglich zu erfahren”, ab Oktober studiert sie “Text and Performance” in London.

Kulturjournalistisches Bloggen? Geht das überhaupt?

Auf jeden Fall! Finden die Redakteure des Theatertreffen-Blogs 2010. Eine Meinungscollage:

Bloggen. Klingt englisch! Modern! Irgendwie jung! Aber wie, was Kulturjournalismus?! Klingt nach Oper und Theater und Hochkultur. “Irgendwie schwierig – die Hochkultur!”, denken viele. Kulturjournalistisches Bloggen: Ich denke, es klingt spannend und ich hoffe, es eröffnet die Möglichkeit über die oftmals starren journalistischen Konventionen hinauszugehen, etwas auszuprobieren und subjektiv sein zu dürfen. Vielleicht auch mal rotzig und eckig! Und dann kann man vielleicht die anderen davon überzeugen, dass Kulturjournalismus gar nicht so schwer und elitär sein muss. (Elisabeth Hamberger)

Die Vorteile des Internetjournalismus: Er bietet die Möglichkeit, flexibel Reportage, Portraits und künstlerische Inhalte ohne Platz- wie auch Formbeschränkung zu verknüpfen. (Kim Keibel)

Kritik bedeutet für mich Nach-Denken, Weiter-Denken, sie fällt nicht einfach nur Urteil über etwas Abgeschlossenes, bereits Geschafftes, sondern schafft selbst, ist Teil einer immer fortlaufenden, offenen Kette. (Kai Krösche)

Das Theater entwickelt sich immer weiter, der Kulturjournalismus sollte das auch tun. Ich denke, dass der freiere Umgang eine Chance ist, bestehende oder drohende Vorurteile, dass das Theater eine verstaubte oder hermetische Kunstform sei, abzubauen. (Judith Liere)

Eigentlich weiß ich immer noch nicht genau, was das sein soll: Ein Blog. Es gibt so viele unterschiedliche Positionen … diejenigen, die sich als Teilhaber an einem Diskurs verstehen oder die, die Tagebuch schreiben und Bilder von ihren Kindern oder Katzen posten oder die Sammler, die kleine Onlinemuseen anlegen … wo genau ich da stehe, weiß ich noch nicht. Ich suche noch nach einer Sprache für mein Web-Dasein. (Alexandra Müller)

Ich werde die Ohren aufsperren und das Mikro anschalten, denn so sinnlich wie das Theater sollen auch alle Eindrücke sein, die wir im Internet vermitteln können. Großartig, dass die Leser, Zuhörer und Zuschauer dann auch gleich in die Diskussion einsteigen können. Deutungshoheit auf der einen und Demokratie auf der anderen Seite. Wo gibt es denn sonst so etwas? (Anna Pataczek)