Wer bloggt im Mai?

Das ist die TT-Blog-Redaktion 2013:

Eva Biringer betreibt als Eva Perla seit 2010 ihr Blog Milchmädchenmonolog zu den Themen „Kunst, Theater, Literatur, Film und allem, was aufschreibenswert erscheint“. Sie studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften in Berlin und Wien und hospitierte in den Redaktionen von ZEIT, Standard und FAS. Sie schreibt für nachtkritik.de und lebt in Berlin.

Clemens Melzer betreibt mit anderen jungen Kritikern das Kollektivblog Unruhe im Oberrang, das er initiiert hat. Es konzentriert sich auf kleinere Berliner Bühnen und auf Performance. Da Clemens Melzer auch unter dem Pseudonym Ilja Winther als Lyriker arbeitet und einem weiteren Kollektiv, G13, angehört, könnte es also sein, dass hier und da auf dem TT-Blog auch mal ein Gedicht auftaucht. Er studiert Germanistik und Theaterwissenschaft in Berlin.

Eine zeichnende Beobachterin will Henrike Terheyden beim Theatertreffen sein. Die in Dresden lebende Bühnen- und Kostümbildnerin versteht ihre Arbeiten als „subjektive Fotografie“, unbearbeitet, mit Textphrasen versetzt. Eine „realistische Darstellungsform“, wie sie sagt, skizzenhaft verdichtet. Sie bloggt für die freie Theatergruppe theatrale subversion, der sie auch angehört, und auch für ihr eigenes Label KENDIKE.

Mai Vendelbo überlebt in Berlin „mit bezahlten und unbezahlten Fotoaufträgen“. Sie kommt aus Dänemark, hat zwei Monate am Maxim-Gorki-Theater hospitiert und fotografiert, zuletzt stellte sie ihre Fotos in Kopenhagen in einer Gruppenausstellung aus. Einige ihrer Arbeiten zeigt sie online auf Maiviedemonat. Sie mag beim Arbeiten den „sitestress“. Theater ist für sie eine „Momentkunst“.

Die englische Berichterstattung übernimmt in diesem Jahr Summer Banks, die als Stage Editor beim TT-Blog-Partner EXBERLINER arbeitet. Sie stammt ursprünglich aus Kalifornien und lebt in Berlin.

Für das TT-Blog beobachten in diesem Jahr zum ersten Mal mit zwei Videokünstlerinnen des Internationalen Forums das Festival: Rebecca Riedel und Mieke Ulfig werden täglich auf dem Blog kurze Clips mit ihren Festivaleindrücken präsentieren: das TTtv, ein experimentelles Videologbuch. Sie sind Mitbegründerinnen des Videokunst- und Performancekollektivs Superschool. Neben ihrer freien künstlerischen Tätigkeit realisieren sie als Duo Riedel&Ulfig Videobühnenbilder, unter anderem für Armin Petras, Milan Peschel und Rimini Protokoll.

 

Das kritische Rauschen

Die Kritiker sind nach Hause gefahren, die kritischen Daten bleiben. Denn Kritiker sind Datenverarbeiter. Da sind der Theatertext, die Spielfassung, Pressemitteilungen, Programmhefte, Diskurse, Kollegengespräche, Interviews, Online- und Offline-Recherchen, die gelesen werden wollen, und da ist natürlich die eigene teilnehmende Beobachtung als klatschender – oder nicht-klatschender, mitschreibender oder stillschweigender – Zuschauer. Da sind die Eindrücke, die Einordungen, die medial einprasseln. Schon 1984 – das Internet war gerade erst ein Jahr alt und mit 200 bis 400 teilnehmenden Großrechnern sehr übersichtlich – beschrieb der US-amerikanische Autor Don DeLillo in seinem berühmten postmodernen Roman “Das weiße Rauschen”, wie der Mensch in neuartigen Informationsflüssen versinkt. Heute möchte ich ihm zurufen: Nein, er versinkt doch überhaupt nicht!

Denn wenn sich acht aus 120 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählte Nachwuchs-Theaterkritiker fast drei Wochen während des Theatertreffens blog-redaktionell betätigen, wenn sie täglich in Redaktionssitzungen diskutieren und sich austauschen, über die eigenen Kriterien und Maßstäbe, wenn sie fotografieren, filmen, schreiben, mitschneiden und somit ihre Gedanken sortieren, wenn sie begleitet werden von freundlich-kritischen Mentoren, dann wird aus dem weißen Rauschen ein kritisches Rauschen. Denn es ging neben vielen konkreten Debatten über die zum tt10 eingeladenen Inszenierungen auch um viele grundsätzliche Fragen, etwa zum Abdanken der Botho-Strauß-Generation und zu Großkritiker-Allüren, zu den Menschen hinter den Kulissen und Schauspielern/Regisseuren/Autoren ganz privat, zur allgegenwärtigen Krise, zu den Arbeitsbedingungen der Theaterleute, insbesondere der freien Szene, zu Alternativen für die tt-Einladungsliste, und ja, genau, auch zum Sinn und Zweck von Theater, an sich und überhaupt und in der Zukunft. Es entstanden etwa 140 Artikel, zu den Gastspielen, dem Stückemarkt, dem Internationalen Forum und dem Rahmenprogramm. Ein Archiv des Festivals, ein Datenstrom, fast möchte ich sagen, für immer.

Das quadratische Büro.
Büro hoch zwei.

Das stieß auf Wohlwollen, auf Respekt und auf den Wunsch nach mehr, sowohl bei den klassischen als auch bei den neuen Medien: Die Berliner Morgenpost lobte die Schnelligkeit der Blogger, diese sei doch “ausdrücklich zu würdigen”, der Freitag wies auf den bloggenden Intendanten der Berliner Festspiele Joachim Sartorius hin. Er schrieb in diesem Jahr erstmals online mit, eine Premiere. Die Stuttgarter Zeitung befand, dass mit dem Theatertreffen-Blog der “virtuellen Teilnahme” am Festival nichts mehr im Wege stünde. 3sat-kulturzeit, der SWR und der RBB berichteten in eigenen längeren Beiträgen über die neuen Formate der Online-Theaterkritik (z.B. unsere Votingecke Herzzahl). Das Blog Theater in Berlin fand bereits unseren ersten Beitrag interessant (“Ist kulturjournalistisches Bloggen möglich?”); ein junger Blogger aus München, Manuel Braun, forderte: “So etwas wie den Theatertreffen-Blog sollte es das ganze Jahr über geben. Punkt.” Vielen Dank dafür!

Aber auch unsere Leser liebten das diesjährige Blog: Die Userzahlen verdoppelten sich im Vergleich zu 2009: 14.938 Besucher, 23.219 Besuche und 227.828 Seitenaufrufe. Das bedeutet, jeder Leser, der auf dieses Blog kam, las durchschnittlich 9,81 Seiten und erstellte sich somit eine kleine individuelle Theaterzeitung – ohne Lieferzeit, Kioskgang, Altpapierentsorgung. Ich habe nun mein fast papierloses Büro wieder zusammengepackt: Es passt, samt Küchenausrüstung (Kaffeemaschine, Tassen, Gläser, Wasserkocher) in zwei handliche Kartons. So überwintert ein Blog. Bis zum nächsten Theaterfrühling!

Episode Diskokugel

Premiere von Life and Times – Episode 1 in den sophiensaelen am 8. Mai mit Nischen zum Plaudern und Diskutieren, buntem Buffet, der Verleihung des tt10-Wimpels. Klicken Sie sich durch Momentaufnahmen mit den Schauspielern des Nature Theatre of Oklahoma, mit Organisatoren, Bloggern und Diskokugellichtern.

Die Bildergalerie des Eröffnungsabends mit der Premiere von “Kasmir und Karoline” finden Sie hier.

Theater-Blogger gesucht!

Ab sofort können sich junge Nachwuchskulturjournalisten für die zweite Ausgabe des Theatertreffen-Blogs bewerben. Bewerbungsmodalitäten hier. NEW: English native speakers can also apply for tt blog’s 2010 edition.

Nach erfolgreichem Start des Theatertreffen-Blogs beim Theatertreffen 2009 geht das Theater-Bloggen in die zweite Runde. Auch beim Theatertreffen 2010, das vom 7. bis 23. Mai 2010 im Haus der Berliner Festspiele stattfindet, können junge Kulturjournalisten erste Online-Erfahrungen sammeln oder ihre bestehenden Kenntnisse ausbauen – und sich mit anderen tt Talenten vom Stückemarkt und Internationalen Forum (Bewerbung bis 31. Januar) vernetzen.

Das tt-Blog sucht nicht nur Mitglieder der schreibenden Zunft, sondern auch Radiojournalisten, Videojournalisten und Fotografen. Bewerbungen bitte bis 15. Februar 2010 als eine PDF-Datei an theatertreffen (at) berlinerfestspiele.de. Neu in diesem Jahrgang: Auch ein englisch-sprachiger Blogger soll das Team verstärken.

Drei Mentoren der Blog-Kooperationspartner betreuen die Arbeit der tt-Blog-Redaktion 2010: Dirk Pilz (Berliner Zeitung, nachtkritik) und Stefan Braunshausen (3sat/kulturzeit) begleiten die täglichen Konferenzen, Sophie Diesselhorst (Kultiversum) übernimmt die Schlussredaktion.

Und so arbeiteten wir im letzten Jahr:

redaktionssitzung_klein1
Morgens die tägliche Redaktionssitzung mit den Mentoren (vorne links Dirk Pilz, Berliner Zeitung und nachkritik.de) …,
bornemannbar_klein1
… dann Beiträge bearbeiten in der Bornemann-Bar.
johannes-v-und-t_klein1
Das pure t wird immer siegen, zumindest wenn man tt-09-Blogger und Journalist Johannes Schneider glaubt. Fotos: Jan Zappner