Theaterkritik: Confirmation

Ich bin ein aufgeschlossener Mensch. Ich erkenne, so gut es geht, wie verworren und komplex die Welt ist. Ich lese The Guardian. Als Liberaler bin ich mir meiner Meinung sehr sicher. Zum Beispiel bin ich mir sicher, dass der Klimawandel wirklich stattfindet. Oder, dass wenn jemand mir rassistische Bemerkungen um die Ohren haut, derjenige einfach fundamentale humanistische Prinzipien nicht verstanden hat und geschichtliche Ereignisse falsch einordnet. Und nun behauptet jemand, dass ich diejenige bin, die vernagelt sein könnte.

Der psychologische Prozess des “Confirmation Bias” sorgt dafür, dass man Informationen genau so interpretiert, dass sie die eigene Meinung bestätigen. Wie etwa das stereotype Einordnen von anderen Menschen, hilft uns dieser Sortierungsprozess eine Fiktion unseres Selbst in der überwältigenden Informationsflut zu etablieren. Das ist zunächst eine relative nützliche Sache. Die Welt bekommt den Anschein, dass alles sinnvoll zusammenhängt; eigene Meinungen werden untermauert und es gibt Gegenpositionen, an denen man sich reiben kann. Eine sich selbst bestätigende Feedbackschleife hat allerdings einen großen Haken. Wie ist es möglich eine extremistische Geisteshaltung zu überwinden, wenn ich mir nicht bewusst bin, dass sie extremistisch ist?

Chris Thorpe ist Autor und Performer des Stückes Confirmation, welches diesen Bestätigungsfehler untersucht. Sein Ansatz scheint auf den ersten Blick effekthaschend. Ein Liberaler spricht mit einem Faschisten, um dann davon zu berichten, wie schwer es ihm fällt, die Position des Anderen zu verstehen. Damit passieren zwei Dinge gleichzeitig. Die psychologischen Prozesse, die zur Konstitution der eigenen Meinung führen werden aufgezeigt und gleichzeitig wird da das größte unverhandelbare Geschoß aller aufgefahren, Rassismus, Holocaust, jüdische Verschwörungstheorien. Confirmation ist ein Fort/Da-Spiel der liberalen Selbstversicherung.

Wie ein geladenes Teilchen in diesem Magnetsturm schreitet Thorpe immer wieder in großen Schritten in die Mitte und wieder zurück zu den Ecken. Er dreht seinen Stuhl um, hebt ihn auf die Schulter, setzt ihn wieder ab und fixiert die Zuschauer, die in einem Quadrat aus Stühlen um ihn versammelt sind, mit einem intensiven Blick. Bald rückt er einen Stuhl ganz nah heran an einige von uns und bildet die Interviewsituation nach, die er mit dem Rassisten “Glen” durchlebt hat. Wir werden genötigt Thorpe Fragen zu stellen, die auf Karteikarten notiert sind, und er antwortet als Glen. Und immer wieder diese bohrende Blick, der fragt, ob wir wissen, mit wem wir es hier zu tun haben? Es widerstrebt zutiefst, wenn Glen Beobachtungen über unser soziales Gefüge anstellt, denen wir als vermutet liberales Publikum prinzipiell zustimmen.

Das Stück schöpft aus einer starken Britischen Erzähltheatertradition und ist teils Vorlesung mit Zuschauerpartizipation, teils künstlerische Verarbeitung des Rechercheprozesses. Wir und Er, Er und Glen, Liberale und Konservative, die Anderen und ich – diese Kluft zwischen Positionen wird im Laufe des Abends immer mehr verwischt. Thorpes unvermeidliches Andersmachen der Position desjenigen mit dem er sich auseinandersetzt, ist das im Vorhinein eingebaute Scheitern des Experiments. Das Stück berichtet von einem Selbstüberwindungsversuch, aber beim Beschreiten seiner psychologischen Reise, fällt Thorpe notwendigerweise auf seine eigene Erfahrung und seine Einstellungen zurück.

Und auch ich selbst werde mir meines eigenen Blickes immer bewusster. Nicht nur auf Thorpe selbst, sondern auf das Publikum. Ich stelle Vermutungen an über die Menschen, die mit mir in dem Raum versammelt sind. Ihre Hautfarbe, ihr Stirnrunzeln an bestimmten Stellen, ihr Dialekt als sie Thorpes Karteikarten vorlesen. Fühlen sie sich angegriffen von den rassistischen Bemerkungen, die der Andere da vor ihnen ausbreitet? Sind sie bereit sich von ihrer selbstversicherten Position bewegen zu lassen? Gerade hier, im Englischen Theater in Berlin, wie sehr wird das Publikum rebellieren, wenn rassistische Positionen zum Holocaust thematisiert werden?

Im TT-Blog Interview mit Chris Thorpe (auf Englisch), spricht der Autor davon wie er den Verhandlungszusammenbruch zwischen Ihm und Glen nicht als Scheitern seines Liberalismus sondern als Ausdruck seines eigenen Extremismus versteht. In den Momenten wo der diskutierte Zwiespielt zwischen den Positionen auf eine poetische oder musikalische Ebene erhoben werden, ribbelt sich das Stück etwas auf und riskiert ein pathetisches Absacken. Thorpes Ausweg als Künstler aus der drohenden Korrumpierbarkeit ist allerdings diese poetische Verarbeitung. Personen, die Augäpfel tauschen, ein melancholischer Rocksong, mit dem er sich unglaublich angreifbar macht, noch ein starrer Blick.

Ich bin ergriffen. Nicht von dem Ausmaß an Hass und Verschwörungswahn, der in den Adern der Anderen pulsiert, sondern von der Vorführung der Umöglichkeit extremer Positionen sich je anzunähern. Confirmation ist pragmatischer Säureregen auf eine verklärte Weltsicht, in der sich alle verstehen können. Ein Seufzen der Verzweiflung.

Confirmation
English Theatre Berlin
Regie: Rachel Chavkin
Cast: Chris Thorpe

Whatsapp: Ich glaube, es geht um diesen dänischen Käse

Es ist Dienstagabend und draußen und auf dem Feld ist es soweit
1. das Wetter; da treibt der heilige Pankratius Regen übers Land;
und 2. das Champions League-Halbfinale; da treibt die UEFA Bayern gegen Barca, während drinnen, im Haus der Berliner Festspiele, Arena des Theatertreffens, ein paar Stuttgarter „Das Fest” spielen und sich eine Gruppe fingerwütiger Whatsapper in der hinterletzten Reihe und auf gedimmten Handyscreens kolloquial zum Geschehen äußern soll, wobei aber die Gruppe, darunter Angehörige der temporär bestehenden Kaderschmiede für angehende Theaterkritiker*innen (JANIS El-Bira, ANNEGRET Märten, OLIVER Franke), Angehörige des Vereins die Kritik des Theaters schon seit dessen Ursprüngen Betreibender (Dr. DETLEV Baur, Die Deutsche Bühne), TT-Blog-Veteraninnen (EEFKE Kleimann) sowie Schmiedevorsteherin BIANCA Praetorius, aufgrund eben genannter Professionen weniger dazu angehalten ist, das Wetter oder das Jahrhundertereignis auf dem Feld zu kommentieren, als vielmehr für oder gegen dieses „Fest“ zu wettern, das Christopher Rüping mit seinem Ensemble, in Anlehnung an den ersten Dogma-Film von Thomas Vinterberg, auf der Bühne veranstaltet.

Was daraus geworden ist, geschnitten und gelegt zum Nachlesen:

OLIVER: Das Familienfest der Familie Klingenfeldt-Hansen kann beginnen: Das Tischmobiliar und das Barpiano wurden zur Seite geschoben, dünner Bühnennebel wabert durch die Scheinwerferstrahlen. Die Bühne ist frei für die geladenen Gäste. Was für eine feine Geburtstagsfeier für den lieben Herrn Papa das wohl werden wird?

JANIS : Auf geht’s, Rüping. Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi. Und Götze. Neymar. Und Pep.

DETLEV: Immerhin verzichte ich heute aufs Halbfinale – fürs Fest.

JANIS: Ich auch. Aber wenn’s nichts taugt, ist SkyGo nur eine Daumenlänge entfernt.

BIANCA: Ötzi-Klingenfeld-Fred-Feuerstein-Hansen betritt die Bühne. Pornoschnauzer.

JANIS: Wenn auf der Bühne ein Erzähler auftritt, steht’s eigentlich schon 0:1.

ANNEGRET: Ich glaube, das ist Pascal Houdus in der Leopardenunterhose als Einsteinmensch. So Kubrikanspruch, was?

EEFKE: Und dann der Urschrei!

BIANCA: Die Geschichte der Klingenfeld-Hansens von 10000 b.c. wird erzählt und bebildert.

OLIVER: Tischerücken-Kindergeburtstag. Eine gesamte Familiengeschichte von der Steinzeit bis heute.

EEFKE: Klavier jetzt vom Dur-Aufmarsch zu verspielter Weise.

ANNEGRET: Von West Side Story Hommage zu Maja Beckmann als Zombiepestopfer, das ging schnell.

JANIS: Oh toll. Es gibt so Schwarzwaldhüte. Mit diesen roten Bommeln. Wie heißen die nochmal?

JANIS:

Fest

DETLEV: Red and white danish dynamite, für die Fußballfreunde unter uns.

JANIS: Sprechtempo ist ungefähr doppelter Pollesch. Muss man wollen.

BIANCA: Die Klingenfeldt-Hansens haben auch eine Nazi Vergangenheit.

OLIVER: Konfetti-einsatz Nummer 1 nach Minute 5 . Viva la Dänemark🎉🎉

EEFKE: Das Klavier erinnert teilweise an Jump ′n′ Run-Soundtrack, wiederkehrende Auftrapp-Motive. Passt zum Sprachtempo, treibt nach vorne.

BIANCA: Christian. Erzählt vom Spaziergang am Feldrand. Gleich wirds ernst. Spürt man.

DETLEV: Erzählt sich selbst

OLIVER: Das Familienanwesen im Engelschor besungen. Sohn Christian kommt zurück nach Hause direkt in dem Partytrubel hinein

ANNEGRET: Christian hört Stimmen hinter sich. Skol!

EEFKE: Stimme aus dem Off=didaktische Anweisung an die Zuschauer*innen: Achtung zuhören, wichtig

ANNEGRET: Stimmendirigent im Background und vorne die Darsteller in bebuchstabten Riesenpullis.

OLIVER: Die Geschwister sind wieder vereint: Christian, Helene und Michael, aber eine fehlt…

BIANCA: Der Pornoschnauzer ist jetzt Michael. Alle Rollen haben Pullis mit Buchstaben an.

JANIS: Hachja, dieser ständige Rollenwechsel. State-of-the-art-Theater. Ist ein Peymann im Saal?

DETLEV: Heile Pullover-Familie.

BIANCA: Ah Pornoschnauzer verliert seinen Schnauzer.

OLIVER: Da ist ein riiiiesen 🐘 im Raum. Merk ich schon jetzt

ANNEGRET: Bisher passen drei Mann in den Christian Pulli. Haben die sich wohl lieb, obwohl sie sich zanken?

BIANCA: Am Arsch heile Familie.

JANIS: Muss behaupten, dass der Satz „Ich habe so ein malerisches Glied“ mir ganz gut gefällt.

ANNEGRET: Dun dun dun…Zimmer 13!

DETLEV: Auch die Zimmerverteilung ist theatral aufgeladen.

EEFKE: In Zimmer 7 zieht es ganz schön,

JANIS: Irgendwas ist faul mit Zimmer 7. Helene will nicht rein.

BIANCA: *sad trumpet *

JANIS:🎺

BIANCA: 👏

JANIS: Das ist mein Einsatz.

BIANCA: 💃

ANNEGRET: So. Geister. Aha.

OLIVER: Spuk im Hotelzimmer = The Shining.

DETLEV: Ziemlich bedeutungshuberisch.

JANIS: Ist jetzt so ein bisschen Kabuki-artig, oder? Da machen die doch auch immer so Windgeräusche.

BIANCA: Was ist Kabuki?

JANIS: So’n japanisches Theater mit 7000 Jahre alten Geschichten, die man in drei Sätzen erzählen, aber nur in drei Stunden spielen kann.

OLIVER: Das wird uns heute Abend wohl nicht passieren. Das ist doch alles noch Exposition oder? Das Fest beginnt erst noch. Haltet euch fest

ANNEGRET: Svenja Liesau haucht Horrorfilmklischees ins Mikro. Eher Harry Potter-Grusel bis jetzt.

BIANCA: Svenja Liesau klingt wie Britney Spears als der kleine Vampir.

DETLEV: Die Tote hat nur Hemd keinen Pulli

ANNEGRET: Mobiliaraufzählung. Von der Lampe erhängt? Oder wie?

BIANCA: Das Bühnenbild sieht aus wie die Lagerhalle des Wohnungsauflösungs-Antikshops in der Urbanstraße in Kreuzberg. In a good way.

ANNEGRET: Wie steht’s beim Fußball?

OLIVER: Musik!!! Das Fest beginnt. Die Tische werden emsig zur Partytafel zusammengeschoben

JANIS: Man merkt, du hast absolut keine Ahnung, Annegret, auch wenn du dich sehr bemühst: Champions League beginnt immer erst um 20:45 Uhr

BIANCA: Sagte er “gammelnde Hand”?

BIANCA: (das ist ne ernste Frage)

JANIS: Ich glaube, es geht um diesen dänischen Käse.

BIANCA: Danke Janis.

ANNEGRET : Ach hübsch, die Tafel wird gedeckt mit so weißem Konfetti.

OLIVER: Das Setting erinnert eher an das letzte Abendmahl.

DETLEV: Hütchen auf.

JANIS: Der in Wahrheit ein Magenbitter ist.

JANIS:

Fest Gammel Dansk

JANIS: Im Film wird ja ausnehmend viel gesoffen.

EEFKE: Musik zum Fest: Galopp, zierliches Geklimper, fade out. Jetzt herrscht wieder das bunte Treiben der Partycrowd.

DETLEV: Klischees und Rollenwechsel nerven bislang.

ANNEGRET: Matti Krauses Opa hat was von Loriots Weihnachtsopa.

BIANCA: Findest du? Wegen dem Opa Klischee?

DETLEV: Fands bisher schwer albern.

BIANCA: Ich finde das witzig, aber vielleicht habe ich auch einen fiesen flachen Humor.

JANIS: Hat der Briegleb nicht gesagt, man ginge nicht in die Provinz? Warum in Gottes Namen hat man hier nur eine Ausnahme gemacht?

BIANCA: Welcome to my brain.

ANNEGRET: Äh…

JANIS: In unserer Reihe gehen die Zuschauer.

BIANCA: Stuttgart-Bashing?

JANIS: Sind unsere Handys Schuld oder der Quatsch da vorne?

BIANCA: Die verstehen aber auch kein Deutsch. Das waren Dänen.

ANNEGRET: Als Berliner kann man sich so Bashing wohl erlauben?

DETLEV: Das waren Dänen oder so die selbst eifrig getippt haben.

JANIS: Hahaha. Das finde ich unglaublich lustig.

BIANCA: Sie haben mit der Übersetzung greexhnet.

ANNEGRET: Ist das ein Social Media-Wort, Bianca?

JANIS: Stimmt ja. Heute ohne Übertitel.

BIANCA: Nein, typo @Annegret.

OLIVER: Schneesturm auf der Bühne. Kleine Papierfetzen schweben durch den Raum: Der Patriarch tritt auf

EEFKE: Angesagte bedeutungsvolle Pausen schaffen tatsächlich bedeutungshoffende Ruhe im Publikum.

ANNEGRET: (Ja ja 😉)

OLIVER: Oh nee, peinlich langatmige Feieransprache des Geburtstagskinds. Kurz vor sieben. Es kommt zum ersten Toast!

JANIS. Diese Pullover mit den Anfangsbuchstaben der Vornamen sind doof: Rollenwechsel ist natürlich total cool, aber zu undurchsichtig darf’s auch nicht werden. Muss man ja noch kapieren. In Stuttgart.

DETLEV: Hoffen wir auf ein Theaterwunder der Verwandlung.

DETLEV: Und vielleicht ein Wunder in Müchen?

OLIVER: WAHRHEITSREDE…

ANNEGRET: Hä? Erklärt mal bitte einer den Hemdwechselmoment?

DETLEV: Hab ich verpasst.

ANNEGRET: Achso, wir sind noch mittendrin.

BIANCA: Da hat der Vater Christian und Linda in sein Bürozimmer geholt…

ANNEGRET: Uhoh.

DETLEV: Ach so deswegen die Pullis.

EEFKE: Und vergewaltigt.

JANIS: BAM! Das V-Wort ist gefallen. Der V-Effekt eh andauernd.

DETLEV: Und Hemdgeist

ANNEGRET: Ja, das ist jetzt irgendwie gleich doppelt Bam! Wegen der Witzigkeit vorher.

BIANCA: Der V-Effekt? Boah ist das eklig.

OLIVER: Der Hauspianist Norbi haut in die Tasten.

BIANCA: Und wahr.

JANIS: Endlich! Mehr Konfetti!

ANNEGRET: So, jetzt super Feier. Alle wieder zurück zum Spaßhaben!

OLIVER: Konfettiregen Nummer 2:… 3,2,1 Gammel Dansk!🎉

JANIS: Kann mir nicht helfen, aber das Konfetti gefällt mir. Erinnert mich an Tartuffe damals in Hamburg, als… Ach, vergesst es.

BIANCA: Helena greift ein und sagt “stimmt nicht.”

OLIVER: Konfetti! Erinnert an IMMER NOCH STURM oder? Da kann man sich schön berieseln lassen.

JANIS: Klar! Das war doch auch Gotscheff!

BIANCA: Mir auch. Ich finde das Konfetti wunderbar schmerzhaft.

DETLEV: Figuren spielen kaum eine Rolle – eher Konstellationen. Oder?

OLIVER: Die Bühne ist ja jetzt schon ein kunterbuntes Schlachtfeld!

JANIS: Plötzlich ist es ganz laut vorne. Stört mich ein bisschen beim Schreiben.

ANNEGRET: Christian ist noch sauer und haut die Tische um. Papa stellt sie wieder auf, dann haut er sie selber wieder um.

ANNEGRET: Und stellt sie wieder auf.

DETLEV: Aggression

ANNEGRET: Und Haut….

ANEGRET: Naja ihr wisst schon.

BIANCA: Christian wird umzingelt.

OLIVER: Christian im Verhör. Unter aggressiver Scheinwerferbestrahlung.

ANNEGRET: Papa will mit Christian sprechen. Unter vier Augen.

DETLEV: Papa

JANIS: Papa?

OLIVER: “Ein Gammel Dansk für mich und meinen Sohn”

JANIS: (Wollte ich nur auch mal schreiben.)

BIANCA: War mir nicht sicher. (Papa)

JANIS: Who’s your Papa?!

DETLEV: Papi

JANIS: Ein Freund von mir schreibt mir vom Rang aus, dass er gerade gegangen ist….

BIANCA: Frag ihn warum. Wegen dem V-Effekt?

ANNEGRET: Grelles Licht der ~~*~~Wahrheit~~*~~ wird verdunkelt und auf Rot gestellt.

JANIS: Gastbeitrag: “So, ich bin raus. Dann doch lieber Bayern vs. Barca 😁”

OLIVER: Wie war das nochmal mit aggressiver Antihaltung im Zuschauerraum?

ANNEGRET:  😒

BIANCA: Hahahahah. Verkneift ihr euch jetzt Tränchen des Neides, @Detlev @ Janis?

DETLEV: Stuttgart sollte Chance geben.

JANIS: Bitte?

ANNEGRET: Papa fasst Christian an. Urgh.

DETLEV: Noch sind sie nicht abgestiegen 😉

JANIS: Stuttgart hat mir Champions League einfach nix zu tun.

EEFKE: Es grummelt so bedeutungsschwer, es weht. Es schummert rot. Erster ganz stiller Moment.

ANNEGRET: Leude, da is gerade großes Drama!

JANIS: Jetzt war’s kurz ganz leise. Wie früher bei Gosch…. Ach, vergesst es.

EEFKE: Und wieder löst das Klavier die Szene, Father and Son wird angestimmt.

OLIVER: Rotlichtfolie und Cat Stevens.

EEFKE: Wo ist Cat??

DETLEV: Karaoke Party.

BIANCA: Für mich ist das Boyzone.

JANIS: 1:0 BAYERN!!!

ANNEGRET:  😿

EEFKE: Wenn schon Ronan Keating, Bianca!

JANIS: Okay….. Was mache ich jetzt…….?!?

OLIVER: Ronan Keating!

JANIS: Die Tür ist so nah und vorne Ronan Keating.

DETLEV: Bleib bei der Familie!

EEFKE: Und wenn schon Boyband dann Westlife! #2000er

BIANCA: Janis, reiß dich zusammen! Es ist Keating & Konfetti.

ANNEGRET: Svenja Liesau ist jetzt Christian und mit einem Mal ist’s nicht angry sondern depressiv.

DETLEV: Gesang statt Rede.

BIANCA: Ich finde, sie singt wunderbar.

ANNEGRET: Ich habe Ronan Keating live bei Once gesehen. Der war ganz gut.

BIANCA: Ich mag den Opa und das iOS Klischee. Überhaupt mag ich, glaub ich, Klischees wenn ich ehrlich bin #boyzone

BIANCA: *typo. Opa-Klischee statt iOS

ANNEGRET: Oma und Opa haben’s auf den Tisch geschafft. Weswegen wird hier alles unter den Tisch gekehrt? Der Alten wegen?

OLIVER: Konfettiregen Nummer 3 und Cat Stevens/Ronan läuft immer noch.

ANNEGRET:

Fest 2

BIANCA: Wieso sagt die Schwester immer, dass Christian lügt? Ist das die Schwester, die auch v. Wurde?

JANIS: Habe ich was verpasst? War kurz weg.

OLIVER: Einen Toast auf einen Mörder

DETLEV: Dauerrede in Fragmenten

BIANCA: Warst du beim Fußball? Hast du ne Lösung gefunden beides zu sehen?

OLIVER: Die Situation eskaliert. Die Partystimmung ist im Keller

ANNEGRET: Christian ist voll der Spielverderber. Jetzt Mordvorwürfe. Und Maja Beckmann krallt sich als Mutter verzweifelt zerbrechlich am Hals umher.

OLIVER: Was sagt eigentlich Mama dazu? Else Klingenfeldt-Hansen=Mutter des Jahres: „Wir essen jetzt einfach gemütlich zusammen ”

JANIS: Ausgleich. Die Geschichte hat sich. Bin wieder voll dabei

DETLEV: Ich kann die Wechsel nur so erklären: jeder ist Opfer Täter Papa.

OLIVER: Sehr gut kombiniert.

ANNEGRET: Jetzt macht Papa Abrechnung.

ANNEGRET: Und alle hau’n auf Christian.

DETLEV: Gibt mehrere Papas.

BIANCA: Der Papa sagt, dass der Sohn keine abkriegt.

EEFKE: Muss mich korrigieren, Bianca hat im Livefaktencheck recht behalten: Ronan war bei Boyzone. Tut jetzt nichts mehr zur Sache: es wird wieder sehr ernst auf der Bühne, klatschender Akteur aus Publikum sorgt für kurze Irritation. Alle wieder ganz wach, Aufmerksamkeit wieder da.

OLIVER:  👍

ANNEGRET: Frau Liesaus Christian hängt im Pulli wie ein erbärmliches Häufchen Elend.

JANIS: Mein Freund vom Rang kommt jetzt übrigens wieder zurück. Die Luft sei raus. Hier wird sie dafür dick.

BIANCA: @Eefke 😘 für die 90’s credibility. 🙂

OLIVER: Christian sucht verzweifelt nach einer Nachricht seiner toten Schwester. Getrieben von Schuld und Selbstzweifeln.

ANNEGRET: Oops, Christian hat’s vergeigt mit der toten Schwester und denkt, dass er sie auf dem Gewissen hat.

BIANCA: Christian zeltet verkehrt rum. Super Moment.

DETLEV: Als Pulli-Experte sag ich: PH für Papa Helge

ANNEGRET: Ganz viele PP-Pullis schicken Christian auf die, jetzt kommt’s, Ersatzbank.

ANNEGRET: Ersatzbank?

ANNEGRET: Ne?

JANIS: 😴😴😴

BIANCA: Ne versteh ich nicht… 😞

ANNEGRET: Ah, forget it!

DETLEV: Reden werden vergessen meint PH.

OLIVER: Beatboxen. Und Konfetti Nummer 4 🎉🎉🎉🎉

DETLEV: Da hat er aber nicht mit den Stuttgartern gerechnet

EEFKE: Ützützütz- treibende Beats in Loops!

DETLEV: Die wiederholen.

BIANCA: Ich finde das Konfetti schön und nicht nervig. #allgemeinelebenshaltung

ANNEGRET: Das ist schon alles…bemerkenswert. Discuss!

BIANCA: Ist Wiederholen ein Verbrechen oder eventuell roter Faden/ Klammer/ Wiedererkennung?

OLIVER: Tischerücken. Bühnenbild aus tragbaren Tischkombi-modulen. Johannes Schütz fänd es bestimmt super.

JANIS: Diese grauen Anzüge sind nicht gerade vorteilhaft bei exzessivem Schwitzen.

DETLEV: Ich konstatiere ja nur.

DETLEV: Erstmal.

JANIS. Kann ich mein Handy auch dem Typen vor mir geben und gehen?

ANNEGRET: Nein.

JANIS: Okay.

ANNEGRET: It’s a Heartache.

BIANCA: Muttertag

OLIVER: Voller Ventilaltoreneinsatz zu gediegenem Schmonzettenpianogeklimper.

DETLEV: Konfetti ist halt ein erprobtes Theatermittel, sagt der Skeptiker.

BIANCA: Ich möchte sagen: ich mag Schmunzetten und Schnulzen.

EEFKE: „Wing Wing Waka Waka” und Syntheziser werden von leichtem Piano abgelöst, Partymeute beruhigt sich wieder. Mutter spricht jetzt.

BIANCA: Aber die Mutti ist ne Kacktussi.

BIANCA: Feiglingsmutti.

JANIS: In Wahrheit ist das doch wirklich nur kreuzbiederes Erzähltheater mit ein paar Sachen, die vor 15 Jahren mal jugendlich wirkten.

BIANCA: Ah sorry, das Kacktussi war nicht böse gemeint.

BIANCA: Ah war es doch.

JANIS: Achso, “in Wahrheit” soll man ja nicht sagen.

OLIVER: Auftritt der Mutter Else. Die verkörperte Antithese einer emanzipierten, selbstständigen Frau

DETLEV: Wie sich alles zusammenfügt, ist doch die Frage.

ANNEGRET: Mutter erzählt sich selbst eine Geschichte, sie braucht sie zum Weiterleben, glaub ich.

EEFKE: Kleiner Metadiskurs-Hinweis auf der Bühne: Unterscheidung von Dichtung und Wirklichkeit.

ANNEGRET: Noch mehr Slow Clapping und Christian sagt, er habe gelogen. Ergo, Christian beschützt Mama.

DETLEV: Christian als “Mädchen”

ANNEGRET: Keiner will mehr Christian sein.

BIANCA: Christian will nicht mehr Christian sein und entledigt sich dem Pulli

JANIS: Nebenan steht’s übrigens 1:2. Papa Pep hat auch ‘ne schwere Zeit. Gegen den rebellieren ja quasi auch die Kinder.

BIANCA: Wer ist Papa Pep?

JANIS: Ich bitte dich, Bianca….

DETLEV: Der katalanische Bayern Coach

JANIS: Nur für dich, Bianca:

JANIS:

Fest pep

JANIS: Konfetti-Kanonen! Also das ist jetzt wirklich Gotscheff!

EEFKE: LykkeLi, Matthias Reim, Atemlos. Verzweifelung.

OLIVER: Konfetti-Kanone!🎉

BIANCA: I will follow him. Sister Act.

JANIS: Ich kann nicht mehr. Mir tut mein linker Daumen so weh, die Sache ist fast rum und ich habe das Gefühl, nix beigetragen zu haben.

BIANCA: Ist schon vorbei? Kommt mir nicht lange vor

ANNEGRET: Mir schon.

OLIVER: Noch 1/2 h.

JANIS: Das like am Schreiben, Bianca.

JANIS: Liegt

JANIS: Un-like

OLIVER: Och jetzt bin ich doch a bisserl ergriffen.

OLIVER: Ok wieder zerstört

BIANCA: Was hat es zerstört?

OLIVER: Christian spricht mit seiner toten Schwester im Himmel.

EEFKE: Bei diesem TT gibt’s viele Songmedleys: Common Ground/90errevue, Schygulla-Abend/Hippie/68; hier quer durch den Klischeegarten.

DETLEV: Warum ein TV Mikro über Wanne?

OLIVER: Ich dachte, das wäre die Sense vom Sensenmann😄

BIANCA: Bringt er sich gleich mit dem Föhn in der Wanne um?

ANNEGRET: Bruderliebe, Christian entwickelt sich in der Badewanne zum Kind zurück. Hoffentlich müssen wir das Verbrechen nicht gleich noch mit angucken. So als Erinnerung.

BIANCA: (Sorry ich hab den Film nie gesehen)

DETLEV: Christian spinnt.

JANIS: Das wollte ich wenigstens einmal heute sagen: Im Film ist das aber nicht!

ANNEGRET: Ich glaube Christian halluziniert.

OLIVER: Eine Nachricht aus dem Totenreich.

BIANCA: Oh nein jetzt bringt sich C um

JANIS: Bei der Tonangel über der Badewanne muss ich immer an Big Castorf denken. Noch fünf Tage!

DETLEV: Witzefeuerwerk, auch ein etwas abgestandenes Mittel.

ANNEGRET: Helene ist jetzt auch inner Badewanne und sie erzählen sich ihr Gefühlsleben.

DETLEV: Schauspieler können was, aber dürfen sie auch?

ANNEGRET: Noch mehr Witze. 😴

BIANCA: Ich mag die Schauspieler übrigens. Das sieht aus, als hätten die einen Heidenspaß bei hoher Konzentration. Ich mag einen Haufen junger Schauspieler oft nicht. (Don’t ask), aber hier mag ich alle

ANNEGRET: Die bewegen sich halt auf der Bühne wie beim Impro.

ANNEGRET: Nur ohne Impro.

OLIVER: Zurück zur Handlung: ein Brief von Linda wird verlesen!

BIACNCA: Vielleicht ist es Impro und deswegen gibt es keine Übertitel? #dänen

JANIS: “Ich hab’ die Faxen langsam dicke.” Hahaha!

BIANCA: #selfiedänen

OLIVER: Die Handlung hätte ich ehrlich gesagt nicht ohne den Film mitbekommen.

EEFKE: Es quatscht und platscht.

BIANCA: Ich kenne den Fail nicht und komm einigermaßen ( ..) mit.

DETLEV: Hab „Das Fest” in Dortmund vor zwei Jahren gesehen. Fand ich wesentlich bemerkenswerter

OLIVER: Kay Voges oder?

BIANCA: Ouuuhhj #miesgedisst

BIANCA: Zur Story: gibt Helena gerade zu, dass Christian recht hatte?

ANNEGRET:   Nee, Helena liest Lindas Brief vor…

ANNEGRET:  Alle sind betroffen, außer Papa, der will Portwein.

BIANCA: Aber Linda sagte was von Vergewaltigung oder? Also jetzt ist Papa dran. Right?

ANNEGRET: Lynchen die ihn jetzt?

JANIS: Wird Papa im Film nicht noch derbe krass verKLOPPt?

JANIS: Mein Freund vom Rang kündigt an, zu buhen. Gut hinhören gleich.

EEFKE: Diese nassen, voll getränkten, schweren Kleider zu sehen, sorgt schon beim Zusehen für Unterleibsschmerzen. Sehe ich da als einzige eine Verbindung? Mir wird ganz kalt.

DETLEV: Warum nicht Menschen spielen?

ANNEGRET: Das ist die komplette Verausgabung.

JANIS: Detlev: Bin ich ganz bei dir.

OLIVER: Papa wird jetzt gerichtet. Die Kinder reihen sich darum. Family Values…

BIANCA: Gammel Dansk-Waterboarding.

ANNEGRET: Nicht jetzt die Pretenders (ohne Karaoke), das bringt schon ohne Vergewaltigungsdrama auf der Bühne zum Heulen.

JANIS: Warum muss ausgerechnet dieses Stück für so theatrale –Achtung – Hütchenspielertricks herhalten? Das geht doch mit anderem viel besser.

DETLEV: Schreibe schon wie Stadelmeier.

JANIS: Endlich ist auch einer nackt.

BIANCA: Ich finde die Klischees sind so in realistische, szenische Transparenz eingebettet, dass ich sie nicht als Kitsch erlebe.

DETLEV: Nicht Kitsch aber Fake.

JANIS: Beim Gosch-Macbeth von 2006 waren alle immer nackt. Wollte ich heute Abend auch einmal noch erzählt haben.

DETLEV: Gosch, das waren noch Theaterwunder.

ANNEGRET: Pimmelkonfetti und Papa macht jetzt Geständnis, oder?

OLIVER: Die Tischkombi und das Männergeklitsche…da hat sich jemand aber ordentlich was von Gosch/Schütz abgeguckt. Das stimmt!

EEFKE: Also auch ein Regiekniffmedley?

JANIS: Okay, dieser Schluss ist jetzt wirklich das Allerletzte.

DETLEV: Ach, ich alter Mann fühl mich verstanden von euch. Nur bei Bianca weiß ich nicht 🙂

JANIS: Nochmal: Das war echt im Film alles ganz anders.

DETLEV: Theater darf schon anders.

JANIS: Theater darf alles.

JANIS: Muss nur nicht.

ANNEGRET: Ahja.

BIANCA: Ne das Lied heißt jetzt „United”.

BIANCA: Und ich glaube es ist DJ Bobo.

BIANCA: Ganz langsam auf dem Klavier. DJ Bobo. Ich bin mir sicher.:)

OLIVER: Wie DJ Bobo schon nach seinem Auftritt beim Eurovision. Songcontest sagte: „Ich habe die Leistung nicht abrufen können”  …

BIANCA: Sagte er das? DJ Bobo?

ANNEGRET: Also an den Spielern liegts nicht.

OLIVER: Eher am Regiekonzept.

ANNEGRET:   Die können “everybody” spielen.

JANIS:

Fest 3

BIANCA: Das finde ich traurig. Weil eklig. Und traurig. Auch wenn ihr es kitschig findet. Maybe.

DETLEV: Kitsch wäre schön.

ANNEGRET: Klatsch-O-Meter?

EEFKE: Zögernd.

BIANCA: Klatsch-O-Meter: Medium

EEFKE: Absteigend

OLIVER: Das Stück ist aus und 78% der Tische wurde nicht benutzt

DETLEV: Mir viel zu wenig Gefühl

JANIS: Jetzt doch großer Jubel. Karten waren teuer.

EEFKE: Äh: ansteigend!

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DETLEV: Starkes Ensemble.

BIANCA: Ich glaube, hätte ich ganz ganz vorne gesessen, hätte ich den Abend wirklich toll gefunden. Aber ich mag fast alles, wenn ich ganz ganz vorne sitze. #obachtbeimkartenkauf

DETLER: Aber ich bin nicht betroffen

ANNEGRET: Betroffenheit wollte das aber schon erreichen, oder?

DETLEV: Mit allen Mitteln

JANIS: Ja, große Betroffenheit allenthalben.

ANNEGRET: Sogar mit DJ Bobo.

 

 

 

 

 

 

Stückemarkt Revisited: Chris Thorpe Interview on “Confirmation”

After being invited to the Stückemarkt last year, performer Chris Thorpe returns to Berlin with a new piece as part of Stückemarkt Revisited. Rebecca Jacobson and Annegret Märten talked to him about his show, “Confirmation,” which is on until Saturday at English Theatre Berlin.

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“Confirmation,” written and performed by Chris Thorpe
Directed by Rachel Chavkin
Photo by Arnim Friess.

English Audio Review: John Gabriel Borkman

Rebecca Jacobson and Annegret Märten from the TT-Blog sat down with theatre blogger and academic Holger Syme to discuss Karin Henkel’s production of “John Gabriel Borkman”. We talk about Ibsen’s play and discuss masks, music and monstrous physicality.

 

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John Gabriel Borkman
by Henrik Ibsen
directed by Karin Henkel, Design: Katrin Nottrodt, costumes: Nina von Mechow, music: Arvild J. Baud, lighting: Annette Ter Meulen, Dramaturgy: Sybille Meier
with Josef Ostendorf, Julia Wieninger, Jan-Peter Kampwirth, Lina Beckmann, Kate Strong, Matthias Bundschuh, Gala Winter
www.schauspielhaus.de

„Borkman“ zum Nachspielen

Die Redaktion vom Theatertreffen-Blog hat sich eine der zehn bemerkenswerten Inszenierungen ausgewählt, um mit dieser eine spezielle Form der Besprechung zu versuchen. 3,2,1: Es ist „John Gabriel Borkman”.

Wir haben geschrieben und kalkuliert und gecoded. Jetzt ist sie da, unsere Twine Kritik. Das Ganze funktioniert wie ein Spiel. Also einfach auf diesen Link klicken. Let´s play!

 

John Gabriel Borkman
von Henrik Ibsen
Regie: Karin Henkel, Bühne: Katrin Nottrodt, Kostüme: Nina von Mechow, Musik: Arvild J. Baud, Licht: Annette Ter Meulen, Dramaturgie: Sybille Meier
Mit: Josef Ostendorf, Julia Wieninger, Jan-Peter Kampwirth, Lina Beckmann, Kate Strong, Matthias Bundschuh, Gala Winter
www.schauspielhaus.de

English Audio Review: Common Ground

After watching Common Ground at the Maxim Gorki Theatre our blogger Annegret Märten sat down near Museum Island with Amy Jones and UK theatre critic Catherine Love to talk about the show.

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Common Ground
von Yael Ronen & Ensemble
Regie: Yael Ronen, Bühne: Magda Willi, Kostüme: Lina Jakelski, Video: Benjamin Krieg, Hanna Slak, Dramaturgie: Irina Szodruch, Musik: Nils Ostendorf
Mit: Vernesa Berbo, Niels Bormann, Dejan Bućin, Mateja Meded, Jasmina Musić, Orit Nahmias, Aleksandar Radenković
http://www.gorki.de/spielplan/common-ground/

Ohne Schnorchel in die See

Besprechung Atlas der abgelegenen Inseln

Halte die Muschel ans Ohr! (Klick den Sound, dann lies weiter.)

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Hübsch ist’s hier. Auch ein bisschen düster und unheimlich. Türen klappen, Koordinaten von unbewohnten Eiländern schallen aus Lautsprechern, und Symphonien, die von hinterm Horizont erzählen wollen, brechen ab, setzen wieder an und spinnen sich weiter bis sie von großen Schiffsglocken ausgeklungen werden. Dem „Atlas der abgelegenen Inseln“, einem Buch von Judith Schalansky, wurde in einer Inszenierung vom Schauspiel Hannover ein (Hör-)Ort gegeben. Das Buch, das 2010 als schönstes deutsches Buch ausgezeichnet wurde, erzählt unter anderem von Menschen, die der Zivilisation den Rücken zugekehrt haben, um Abgeschiedenheit zu finden oder den Ruhm eines Pioniers für sich zu beanspruchen.

Einige Augenbrauen dürften überrascht in die Höhe geschossen sein, als Thom Luz’ Inszenierung zum Theatertreffen eingeladen wurde. Im diesjährigen Festival scheint die Verschränkung von Politik und Theater so sehr ins Zentrum gerückt zu sein, dass eine augenscheinlich unpolitische Arbeit womöglich als eher verschnörkelt schön abgetan werden wird. Die elegische Hörcollage für vier Spieler und vier Musiker kann sich allerdings den kritischen Sacharinstempel, den sie sich hier in Berlin eingefangen hat, getrost wieder aus dem Reisepass streichen.

An den Wänden des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums in Pankow fordern Plakate den angehenden Abiturienten, der am Tage durch die nun zugenebelten Hallen wandelt, dazu auf, seinen Karriereweg zu finden. Die nachtaktiven Inselrufenden des Atlas brechen in dieses Nützlichkeitsdiktat ein und tippeln immer wieder barfuß die breiten, statuenverzierten Treppenaufgänge hinauf. Eine ungewohnt fordernde Haltung von den Spielern, die immer ein kleines bisschen zu nah am Publikum stehen, packt uns, und ohne Schnorchel springen wir zusammen mit diesen geisterhaften Seelen in die ungewisse See aus exotischen Lebensentwürfen fremder Inselstaaten und Klageliedern ungekannter Helden. Es scheint, sie haben uns ein Geheimnis mitzuteilen.

Es ist nie klar, ob die dünne Scheinwelt, die die Fäden und Taue der Aufführung zusammenhält, nun ein Luxusdampfer oder ein zerfallendes Hotel sein soll. Doch der imaginative Ort ist nicht wichtig. Charaktere, Orte, Töne – alles wiederholt und changiert unaufhörlich. Performer geben unzuverlässige Versprechen und die Violinenspieler ziehen unheimliche Fratzen. Anschwellende Musik verzerrt süßliche koloniale Erlösungsfantasien aus der Vergangenheit in alptraumhafte Geräuschskulpturen im Heute. Erhabene Gesten von Beatrice Frey und der reizend grinsenden Sophie Kraus werden immer wieder hektisch untergraben von den umherhetzenden Männern. Die Geschichtsfetzen der gescheiterten Eroberer haben die Körper dieser Spieler durchfeuchtet mit Schweiß und Pomade und Günther Harder (verstört und abwesend) bewegt sich meist windend zwischen den drei Etagen hin und her.

In Luz’ Version vom Atlas wird die Komplexität von Geschichte und Geschichten überfordernd fühlbar und kakophon hörbar. Von den anderen Etagen wehen ständig sich überlappende oder widersprechende Klänge, Melodien und Wortfetzen hinauf. Wenn man so vorgeblättert bekommt aus der Vergangenheit der Inselsehnsüchtigen, werden wir Teil von einem abstrakten Weltkonstruktionsprozess.

Italo Calvinos Anti-Dante „Die Unsichtbaren Städte” ist der Versuch einer zusammengeklaubten Stadtutopie, in der zwischen Infernozerfall und Paradies der Mensch und seine Entscheidungen steht. Der Atlasabend bietet keine Utopie an, denn wir fremdeln mit dem Geheimnis der sich Umherstehlenden und wir werden nie eingeweiht. Wir können uns nicht auf die abgelegenen Inseln wünschen, wenn uns das Hier und Jetzt zu stumpfsinnig ist. Das Geheimnis der Schleichenden ist vielleicht, dass das „Woanders”, aus dem sie plötzlich auftauchen, nur eine Idee ist. Sie kommen eigentlich aus dem Nirgendwo und ihre am Körper haftenden Kompassnadeln surren ziellos im Kreis. Das „Woanders” gibt es nicht, nirgends, wo man sich hinstehlen könnte.

„Atlas der abgelegenen Inseln“ ist keine bloße Unterhaltung. Im Gegenteil, das Stück stellt heraus, wie Eskapismus scheitern kann. Luz präsentiert hier eine Aufforderung zum Kreieren von Utopien im Jetzt – am Arbeitsplatz, im eigenen Heim, im Theater oder an Schulen. Das ist möglich. Und das ist dann mehr als nur hübsch.

 

Mit: Maria Pache, Karoline Steidl, Iris Maron, Mikael Rudolfsson, Beatrice Frey, Günther Harder, Oscar Olivo und Sophie Kraus

Regie: Thom Luz, Bühne: Demian Wohler; Kostüme: Tina Bleuler, Dramaturgie: Judith Gerstenberg, Musikalische Leitung: Matthias Weibel.

Soundcollage mit Teilen aus dem Stück und eigenen Aufnahmen.

Talking Straight: Eine Twitter-Kritik

[View the story “Lost in Translation” on Storify]

Alle Eindrücke befinden sich kurz und kompakt zusammengefasst unter folgendem Link:
[View the story “Lost in Translation” on Storify]

 

TALKING STRAIGHT Festival
von Daniel Cremer
Konzept: Daniel Cremer/TALKING STRAIGHT, Ausstattung: Daniel Cremer/Romy Kiessling, mit Kunstwerken von: Heike-Karin Föll/Sadie Weis
Von und mit: Alicia Agustín, Daniel Cremer, Lisa Heinrici, Anja Herden, Sébastien Jacobi, Romy Kiessling, Lina Krüger, Nils Amadeus Lange, René Michaelsen, Tamer Fahri Özgönenc, Antje Prust, Fabian Raabe, Dr. Tucké Royale, Vincent Stefan, Alisa Tretau, Hans Unstern, Anton Weil u.a.

Einfach mal digital machen

Bei der „Theater und Netz-Konferenzin der Heinrich-Böll-Stiftung gab es zwei Typen von Leuten (und diese Dichotomie darf mir in den Kommentaren gern um die Ohren gehauen werden. Oder auch nicht, eins von beidem). Da waren die Netzaffinen, die mit ihren Smartphones die projizierten Twitterwalls mit Hashtags und akribisch geformten Tweets fluteten und dann gab es da die eher Zweifelnden, die aber nicht sagen durften, dass sie das ganze Netzgedöns irgendwie überflüssig finden für die Theaterarbeit. Die sagten immer „Wir wollen ja” und „Das wäre schön” und die sagten auch ganz oft „Wie kann man Social Media benutzen, um die Zugangsschwelle zum Theater zu überwinden?”
Und am Wochenende trafen sich also diese beiden bei einer Konferenz und versuchten gemeinsam, produktiv an der Kulturlandschaft herumzudoktern. Der Generationskonflikt, der zwischen beiden Lagern klafft, ist ein ganz anderer als bloß zwischen denen, die mit der Technik aufgewachsen sind und denen, die es nicht sind. Die Fragen, die von beiden Gruppen (und, na gut, von denen zwischen den Polen) an den digitalen Raum gestellt werden, sind so fundamental verschieden, dass es beim gemeinsamen Vokabelfinden regelmäßig Schwierigkeiten gibt.

Bei der #TN15 war deshalb eine Sache bei weitem erstaunlicher als die auf Papier ausgedruckte und ausgehängte Teilnehmerliste (sehr nützlich): nämlich die Verteilung von Netzaffinen und Zögernden – erstere zumeist im Publikum und letztere eher in den Panels (nicht so nützlich). Richtig erstaunlich ist auch, dass das Händeringen um das Web und Theater schon seit Jahren geführt wird, ohne dass sich viel bewegt. Eine Bekannte, die bereits 2002 als Schauspielerin zum Internationalen Forum eingeladen war, hat damals schon am Manifest „Netz 02“ mitgearbeitet. Zoom, pinch, guck nochmal, 2002! (Verlinken geht leider nicht, denn das browsebare Theatertreffen-Onlinearchiv mit allen Materialien geht leider nur bis 2004, davor ist anscheinend nichts Spannendes passiert.) Man darf da ruhig mal fragen, ob diese OCD-artige Reflexion überhaupt noch nützlich ist. Anstelle dessen könnten wir doch einfach mal machen: ausprobieren, sich anstecken, falsch liegen. Die Augmented Reality-Researchprojekte, die Michael Ronen und Björn Lengers zwischen den einzelnen Panels vorstellten, gaben da bereits spannende Impulse.

In mindestens drei unterschiedlichen Panels auf der „Theater und Netz“ haben aber Männer amüsiert Anekdoten erzählt, wie sie sich bei jungen Leuten ja immer nur mit der Rückseite eines Tablets oder Telefons konfrontiert sähen. Im gleichen Atemzug wird aber versichert, dass man da ja ganz offen sei, für so Neues. Lasst halt noch mal reden. Darf’s noch ein Panel sein? Dramaturg Matthias Lilienthal, zukünftiger Intendant der Münchner Kammerspiele, war einer derjenigen, die sich in einer Nebenbemerkung auf die Seite der charmanten, luddistischen Apologetik schlugen, die sich meistens wie folgt äußert: „Ich versteh’ das ja nicht so ganz.” Oder „Ihr könnt das ja alles viel besser.” Die Verantwortung, das dann zu ändern, wird damit ganz elegant aus der Hand gegeben. Stattdessen diskutieren alle über das, was man versteht: Streaming, zum Beispiel.

Beim Konsumieren von Theater via Stream sind wir anscheinend gerade wieder bei dem Stand, dass nicht alles gestreamt werden muss. Wenn aber nicht an einer flächendeckenden Streamingmöglichkeit gearbeitet wird, sondern nur wichtige Hauptstadtproduktionen mobil zugänglich gemacht werden, dann bilden wir die Probleme, die es sowieso schon gibt, zum Beispiel die Unsichtbarmachung des Provinztheaters, auch noch in der „digitalen Theatervision” (so der Untertitel eines der Mainpanels) für Kultur nach. Ein spannender Impuls vom Wochenende war da die Idee von digitalen Dramaturg*innen, die an den Häusern zum Beispiel lokale Partikularitäten auf nationaler Ebene sichtbar und verständlich machen könnten. Wenn man dann noch sicher stellt, dass diese nicht in den Marketingabteilungen der jeweiligen Stadttheater eingesperrt werden, wäre das ein Schritt in die richtige Richtung, um digitale Hürden abzubauen und gleichzeitig den Zugang zu Theater zu erleichtern.
Man darf nicht verkennen, dass Streaming durchaus die Kraft hat, als ästhetisches Mittel zu wirken. Als Stilmittel haben wir das schon hundertfach gesehen und manch einer findet es relative öde, wenn Kameras auf der Bühne live auf Leinwände projizieren. Streaming kann aber auch genutzt werden, um eingefahrene Partizipations- und Präsentationsmuster aufzubrechen und zwar als künstlerischer Selbstzweck und nicht zur bloßen Dokumentation.

Damit kann in Zukunft kräftig gerüttelt werden an einem eingeschränkten Theaterbegriff, der sich über Kopräsenz, also eine räumliche Nähe von Spielern und Zuschauern definiert. Theatertreffen-Jurorin Barbara Burckhardt erklärte in einer Stellungnahme für unser Blog, dass in diesem Jahr Arbeiten aufgrund von fehlender Kopräsenz des Publikums von der Aufnahme in die Auswahl ausgeschlossen worden seien. Die Herausforderung an Theatermacher ist es deshalb, digitale Mittel zu finden und mit dem Netz (beides ist im Übrigen nicht auswechselbar) neue künstlerische Formen zu erkunden, welche die beiden Sphären zusammendenken.

Theatermacher wie Forced Entertainment aus Großbritannien haben in Arbeiten wie „Speak Bitterness“  längst Streaming und Twitter als elementare Bestandteile aufgenommen. In der sechs-stündigen Dauerperformance haben sich Twitternutzer eingeschaltet und einen eigenen Raum des Austauschs und der Kunsterfahrung geschaffen.
Lyn Gardner von „The Guardian“ schreibt, dass das Twittererlebnis einer Aufführung aus der Ferne das Liveerlebnis nicht ersetzen würde. Allerdings konstituiert es eine ganz anders erlebte Form des Events, in der kommentiert, angemerkt, gedichtet, gelacht und eben auf Theater zugegriffen werden kann – so ganz ohne Hürde.

Kurz zurück zu den Berliner Machern. Es sah dann am Wochenende auch so aus, als wenn Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner (komplett mit Anekdotenschmunzeln) ganz und gar in Mach-Stimmung war. So ganz beiläufig wurde da ein call for ideas für die Digitalisierung der Berliner Kulturlandschaft bekanntgegeben, der in weniger als zwei Wochen Deadline hat. Nach großen Digitalisierungsinitiativen wird gefragt, die die Teilhabe an Kultur erleichtern sollen. Kuratierte Plattformen wie The Space können da als Vorbild dienen, denn sie erlauben Theatermachern, bildenden Künstlern und Akademikern, ihre Arbeit auf innovative Weise mit neuen Technologien zu verschränken.
Es sei nun dahin gestellt, ob es fragwürdig ist, Künstler und Institutionen auf eine solche Weise in die strategische Theaterpolitik einzuspannen oder ob Hilfen nicht viel weniger zweckbezogen zur Verfügung gestellt werden sollten. Der Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Nutzgewohnheiten kann wohl kaum mit einer exzellenzinitiativartigen Leuchtturmförderung geleistet werden. Vor allem dann nicht, wenn die zu fördernden Projekte nicht auf einem systematischen Level für alle Nutzer funktionieren. Also auch für jene, die das Smartphone noch nicht als Verlängerung ihres Selbst als politischem Menschen verstehen.

Ignoranz überwinden – das geht ganz praktisch und vor allem ganz ohne großes Abquälen. Das #TN16 Buchungsformular für den praktischen Workshop „Hashtags für Künstlerische Leiter und Kuratoren und ihre Relevanz in aktivistischen Performances” gibt’s dann bestimmt bald hier in den Kommentaren (auch zum Ausdrucken). Kann ja mal einer machen.

RE: Carvalho – Anmerkungen und Fragen des Blogorchesters

Am Sonntag veröffentlichten wir an dieser Stelle einen Protest-Zwischenruf von Wagner Carvalho, der seitdem für einiges Aufsehen gesorgt hat. Auch bei uns im Blogorchester wird heiß diskutiert und die Meinungen gehen auseinander. Wir haben deshalb einige Statements, aber auch Fragen der Blogger*innen an Wagner Carvalho gesammelt und hier zusammengestellt.

Oliver Franke:

„Lieber Herr Carvalho, Sie nennen in Ihrem Statement neben Nicolas Stemanns ‚Die Schutzbefohlenen’ ebenfalls Brett Bailey als einen Referenzpunkt, dessen Installationen ‚Exhibit A, B & C’ direkt Bezug nehmen auf die Menschenausstellungen der Kolonialzeit in Afrika. Was ist ihre Haltung zu den schwarzen Künstlerinnen und Künstlern, welche an den von ihnen genannten Kunstprojekten direkt mitwirken? Würden Sie diesen Performer*innen und Aktionisten durch ihre Teilnahme pauschal eine unreflektierte Haltung zum Thema Rassismus vorwerfen? Wie sähe Ihrer Meinung nach ein kritischer und reflektierter Umgang mit rassistisch konnotierten Gesellschaftsbildern und Ideologien im theatralen Kontext aus?“

Annegret Märten:

Dear Wagner Carvalho, one of your examples for objectionable and racist art is ‚Exhibit B’ by Brett Bailey, which had a life after the discussions at the 2012 Festspiele had died down. In September 2014, the show went up at the Barbican in London. It caused massive protests and was consequently shut down – therefore censored. Do you think that when work might be considered racist, censorship is the right thing to do? If so, who’s allowed to pass that judgement? ‚Die Schutzbefohlenen’ reflects on and ultimately condemns the clumsiness of white privilege in theatre. Granted, this happens later in the piece and possibly after you had left the performance. Do you categorically reject the use of blackface because it perpetuates racism? Are only certain theatre makers allowed to address racism in their art?

Judith Engel:

„Wenn Nicolas Stemann sagt, dass man Rassismus zeigen muss, um diesen zu kritisieren, finde ich, dass es zu wenig ist, diese beabsichtigte Rassismuskritik mit dem plumpesten aller Mittel zu lösen. Was kommt nach der Sichtbarmachung? Wird ‚blackfacing‘ als problematische Geste in ‚Die Schutzbefohlenen’ differenziert analysiert? Der Geste folgt meiner Meinung nach keine kritische Analyse. Sie wird lediglich als solche ausgestellt. Wenn ‚blackfacing die Geste sein soll, damit dem Publikum klar wird, dass es sich hier um die Ausstellung von Rassismus handelt, traut man diesem wenig zu. Rassismus wird dadurch auch auf etwas reduziert, was viel komplexer und weitreichender ist.“

Janis El-Bira:

Es gibt sehr gute Gründe dafür, jegliche Reproduktion rassistischer Klischees, egal wie gebrochen und markiert sie sein mögen, abzulehnen. Allein, das konsequente, rückstandslose Löschen bestimmter Begriffe, Bilder und Stereotypen erledigt keinesfalls von selbst die dahinterliegenden Strukturen und Denkweisen. So lange Exklusion und Rassismus nicht verschwunden sind, müssen wir darüber reden und dabei wohl oder übel und gegen alle Berührungsängste auch einige hässliche Wörter in den Mund nehmen und widerliche Bilder zeigen. Denn diese haben nicht nur Geschichte, sondern leider oft genug auch Gegenwart. Wir können nicht in seine Einzelteile zerlegen, was wir nicht anfassen. Die Frage bleibt immer, wann, wo und – vor allem – wie wir das tun.“

Rebecca Jacobson:

„Are there any cases at all when blackfacing can have an artistic purpose? Or is blackfacing (or the N-word) absolutely not allowed on the stage? If that’s the case, what distinguishes that from censorship? If not, how could blackfacing be used in a productive, constructive or useful way?“

Theresa Luise Gindlstrasser:

„Ja: ‚Blackfacing’ ist zu jeder Zeit und an jedem Ort eine rassistische Geste. Dadurch wird eine Geschichte der Ausbeutung und Deklassierung zitiert und also auch fort geführt. Und gleichzeitig, Nein: ‚Blackfacing’ ist wie jede andere Geste zu jeder Zeit und an jedem Ort vor allem auch ein Zitat. Kein geschichtsloses, oder auch kein gesichtsloses, aber wie in jedem Zitat, also wie in jeder Geste überhaupt, liegt eine Möglichkeit zum Bruch. Ein Hoch auf den Bruch! Ein Hoch auf die Verwirrung! Deswegen: Ist ‚Blackfacing’ wirklich per se, für immer, ohne jede weiterführende Überlegung zum Kontext zu verurteilen?“

Valerie Göhring:

„Rassismus ist real. Was wahr ist, darf man sagen. Und zeigen? Den Diskurs hochhalten, aktuell sein, thematisieren. Ja. Stereotypen auf der Bühne reproduzieren? Nein. Das Spannungsverhältnis ist unklar, die Sprache der Bühne besonders, die Kunst Zitate zu erkennen – nicht die jedermanns. Debatte hin oder her, Fettnapf erkannt – und thematisiert. Bitte, bitte, weniger Zynismus, weniger Hass, weniger Verschlossenheit. Von allen.
Denn, ausnahmsweise geht es hier mal nicht nur um Theater, Leute.“