Tag 12

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Öffentliches Herz in meiner Straße. Foto: Mai Vendelbo

1. Ich wache auf. Ich habe viel vor. Ich habe nichts vor. Ich kann mich nicht erinnern. Ich gehe joggen, dann kann ich besser denken.
2. Jetzt weiß ich es.
3. Unter anderem möchte ich gern herausfinden, wer in meiner Straße so sehr liebt, dass sie/er überall Herzen hinmalt?

Ich wünsche mir, dass mir die britische Film- und Medienproduktionsfirma Fifty Nine Productions zurückschreibt, die ich für ein Interview mit Leo Warner angefragt habe. Er ist in Katie Mitchells Inszenierung „Reise durch die Nacht“, die am Wochenende beim Theatertreffen gezeigt wurde, verantwortlich für die Videoarbeit. Und ich bereite einen Text über Theater und Technik vor.

Die Premierenkritik: Von Pollesch bekehrt

Unvoreingenommen in einen „Pollesch“ zu gehen, ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit: Zu oft saß ich schon in einem seiner Stücke und fühlte mich allein gelassen. René Pollesch bringt gemeinsam mit den immergleichen Schauspielern die Probenwitzchen der letzten sechs Wochen, gemischt mit seinen aktuellen Lieblingsbüchern von Agamben und Konsorten, auf die Bühne. Das Publikum bleibt dabei außen vor – Theater als Insiderei. So zumindest meine Einschätzung.
Gestern abend ging ich also skeptisch in die Premiere von “Kill your Darlings! Streets of Berladelphia” in die Volksbühne. Und wurde bekehrt. Continue reading Die Premierenkritik: Von Pollesch bekehrt

Liebe in Zeiten des Prekariats. Ein Reality Check.

Für einen Fernsehbeitrag, der heute Abend um 20.15 Uhr in der Sendung Foyer auf 3sat zu sehen ist, sind drei Blogger mit Kamera und Mikrofon durch Wien und Berlin gezogen. Auf der Suche nach heutigen Kasimirs und Karolines. Ein Produktionsbericht.

Es gibt da dieses Pärchen in meinem Hinterhof. Sie haben sich rechts hinter den Mülltonnen einen braunen Holztisch mit vier Stühlen hingestellt. Da sitzen sie jeden Tag bei schönem Wetter und spielen Karten. Sie sitzen auch da, als ich zum ersten Mal “Kasimir und Karoline” lese, Ödön von Horváths Stück über ein Pärchen, das an der Arbeitslosigkeit des jungen Mannes zerbricht, der nicht von dem Gedanken lassen kann, seiner Liebsten nun nichts mehr bieten zu können.

Raus in den Block, Alter

Ich weiß nichts über die beiden da unten. Aber sie bringen mich auf einen Gedanken: Wie sieht es vor meinem Haus aus? Gibt es dort moderne Kasimirs und Karolines? Immerhin ist das hier Berlin-Neukölln, ein Stadtteil mit 29.594 Arbeitslosen – einer Quote von 21,7 Prozent. Continue reading Liebe in Zeiten des Prekariats. Ein Reality Check.