Pfeif auf Präsenz

Wenn man sich gegenüber stellt, gegenüber des großen Bildschirms, des großen Screens, des großen Bruders, neben das Lokal „Lindenbräu“ und den zwei Rolltreppen, die aus dem Nichts kommen und nach unten rollen, immer nach unten, dann fängt man die Atmosphäre dieses geschlossenen Centers ganz gut ein. Wenn die Menschen vom äußeren Ring in den inneren Ring kommen und dem unwiderstehlichen Sog des Bildschirms nichts entgegensetzen können. Stelle einen Bildschirm auf, und alle schauen hin. Es geht gar nicht anders. Continue reading Pfeif auf Präsenz

entre nous… (III): Nicola Kirsch

Wiebke Puls traf in ihrer Gesprächsreihe „entre nous…” das Ensemble von „John Gabriel Borkman” und sprach dabei natürlich auch mit Nicola Kirsch, die in der Rolle der Fanny Wilton zu sehen war.

Theatertreffen Acting Fact-File

The 5,000€ Alfred-Kerr-Preis for the best performance at the Theatertreffen was announced today, decided and presented by actress Nina Hoss. The prize went to Fabian Hinrichs – here are TT-Blog photographer Nadine`s photos of the award ceremony:

 
But how did she choose when there were so many different styles of acting treading the boards? Maybe she stole a look at my fact-file, based on some of the leading men and ladies of this year’s festival.
Style: The Entertainer
Example:
Fabian Hinrichs, Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia
Director: Rene Pollesch
Role:
Only speaking part
Costume
: Shiny, skin-tight rainbow leggings/Floor-length skirt/Octopus costume Continue reading Theatertreffen Acting Fact-File

„John Gabriel Borkman”(5) – eine zwölfstündige Zeichensession im Prater der Volksbühne

Gestern Abend stand John Gabriel Borkman auf dem Spielplan des Theatertreffens. Ich war im Prater der Volksbühne und habe parallel eine zwölfstündige Zeichensession in der ersten Reihe hingelegt. Ich war ziemlich enttäuscht, Regisseur Vegard Vinge kündigte irgendwann am Abend an, 23 Stunden zu spielen. Jedoch konnte er dies nicht einhalten, denn „Das Gesetz kennt keine Ausnahme” (Dieser Satz spielt eine Rolle im Stück und steht auf der Rückwand zur Bühne, ist hier aber auf das „reale” Gesetz bezogen) und somit ist nach einer Spielzeit von zwölf Stunden Ende im Gelände. Als am Schluss, gegen 4 Uhr 30, auf der Videokunstprojektionsfläche der Text „…to be continued” aufscheint, bin ich letztendlich auch ganz glücklich, für viel mehr hätten meine Stifte eh nicht mehr gereicht. Es war großartig, ein Gesamtkunstwerk mit nicht nur ultra-expressiven Höhepunkten. Anbei ein Einblick in mein Skizzenbuch: Continue reading „John Gabriel Borkman”(5) – eine zwölfstündige Zeichensession im Prater der Volksbühne

A failed attempt to sum up John Gabriel Borkman (3)

John Gabriel Borkman is the next-to-last play that Norwegian heavyweight playwright Henrik Ibsen wrote. Completed in 1896, it was first performed as a reading in London in the winter of that year. Here’s what a British performance of the play looks like these days – you get the picture; serious, fraught family drama that not only captures the tumult of the fin de siècle, but also expresses something universal about human nature, the power of love, and the love of power. Probably anyway.
Now, before we proceed, let’s just say Vegard Vinge, Ida Müller, and Tront Reinholdtsen’s production, chosen by this year’s jury as Theatertreffen-worthy, has more in common with the Rocky Horror Picture Show than with the work of the esteemed Ms Shaw and Mr Rickman I linked to above.
I don’t think I’ve ever heard so much about a production and yet still had so little idea of what to expect. I read the live tweets and I’d seen the photos of the harrassed audience members, but I soon realized that until I took the plunge myself the whole 12-hour-long #Borkman experience was going to remain a mystery to me. So when it was my turn to go, I was all anticipation and determination. Fear not blog readers, I thought, I will EXPLAIN, once and for all. Continue reading A failed attempt to sum up John Gabriel Borkman (3)

Ihr Tag mit dem TT (8)

Den heutigen Tag können Sie zur Hälfte, nämlich bis zu zwölf Stunden lang, mit Vegard Vinge und seinen Lieben bei „John Gabriel Borkmann“ (bereits als „9/11 des Theaters“ bezeichnet) ab 16 Uhr im Prater der Volksbühne verbringen.
Alternativ können Sie aber auch der Zerstörung Berlins beiwohnen: Die dritte Szenische Lesung des Stückemarkts präsentiert Ihnen „Jonas Jagow“ von Michel Decar ab 19.30 Uhr im Haus der Berliner Festspiele.
 
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Borkman (2) – 5149

Wie der Borkman gestern war? „Sagen Sie jetzt nichts!” habe ich die Zuschauer aufgefordert und sie vor, während und nach der Vorstellung um ein wortloses Statement vor der Kamera gebeten.

Dein Borkman-Poker-Face? Foto: Nadine Loës.

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#Borkman

Live-Twitter aus der TT-Premiere
„Ich fand`s total geil! Es gibt keine Worte dafür. Das 9/11 des Theaters, danach kann man kein Theater mehr machen!“
Der morgendliche Redaktions- Anruf weckt unseren Blogger Karl, der bis heute Morgen um halb 5 in der Theatertreffen-Premiere von John Gabriel Borkman war.
Karls Versuch, diese Theaternacht in Worte zu fassen, können Sie hier im Protokoll seines Live-Twitterns aus dem Zuschauerraum nachlesen. Nach 7 Stunden ist Karls Akku dahin, zum Glück gibt es noch andere mitteilsame #Borkman-Twitterer, die danach übernehmen.
Wer sich also mental vorbereiten will auf die nächsten fünf noch ausstehenden Borkman-Vorstellungen beim TT, der lese nun das TT-Blog-Twitter-Protokoll der ersten Vorstellung! Continue reading #Borkman

Keine Volksdistanz – eher Halbmarathon

Meine Theatertreffen-Blog Kollegin Magdalena Hiller schrieb am 8. Februar 2012 im TT-Blog über Theaterstücke, die aufgrund ihrer Länge einer etwas unkonventionelleren Abendplanung bedürfen. Ich dachte mir: Zum Glück sind wir das hier in Berlin gewöhnt! Allerdings musste ich feststellen, dass ich bisher auch noch nicht in den Genuss einer bis zu zwölf Stunden andauernden Theaterinszenierung gekommen bin. Das Stück John Gabriel Borkman zum Beispiel könnte man wohl als ein „Theater-Halbmarathon“ bezeichnen und solch ein Unterfangen verlangt auch vom Zuschauer ein Maximum an Leistungsbereitschaft. Daher habe ich innegehalten und zeichnerisch neun Empfehlungen beziehungsweise Hinweise zusammen getragen, die uns helfen sollen, einen sehr langen Theaterabend, eine lange Theaternacht oder einen Theatermorgen glücklich zu überstehen.

 

Wieso der schon wieder? Zur Aktualität von Ibsen.

Henrik Ibsen ist quasi einer der „Hausautoren“ des Theatertreffens. Statistisch gesehen ist er jedes zweites Mal mit von der Partie. Insgesamt 25 Mal war eines seiner Stücke eingeladen (zum Vergleich: Spitzenreiter ist Shakespeare mit 42 Mal, dann folgen Schiller 36, Tschechow 27, Brecht 16 und Goethe 14 Mal). Vor „unserer“ Zeit beim TT nahmen sich seiner die ganz großen Namen an: Peter Stein, Peter Zadek (der gleich vier Mal!), Hans Neuenfels. In diesem Jahr widmen sich ihm Vegard Vinge und Lukas Langhoff.

"Man bittet, nicht über Ibsen zu sprechen" - frei nach Hans Neuenfels. Grafik: Paul Sturminger und Magdalena Hiller

Genug mit schnöder Statistik. Warum ist das so? Was begeistert seit nunmehr fast 150 Jahren die Theaterwelt an Nora, Hedda, Peer und all den anderen? Warum werden Regisseure seiner Stücke nie müde? Historische Hintergründe zur andauernden Beliebtheit von Ibsen liefert Ivan Nagel in seinem Essay „Zur Geschichte der Interpretation“: Parallel zur Industrialisierung wurden auch im Theaterbetrieb Ende des 19. Jahrhunderts die Aufgaben neu verteilt: Die Dramatiker rückten wieder näher an den Theaterbetrieb heran, verbündeten sich mit den Regisseuren der führenden Kompanien. Bis dato waren Stücke oft nur zum Zwecke ihrer Uraufführung geschrieben worden, von Schauspielern, Regisseuren und Intendanten in Personalunion, um dann wieder zu verschwinden. Ibsen hingegen schaffte es, dass sein erstes „Gegenwartsschauspiel“ in Prosa, „Die Stütze der Gesellschaft“ binnen eines Jahres nach der Erstaufführung 1877 an 27 deutschsprachigen Theater in ebenso vielen verschiedenen Inszenierungen aufgeführt wurde. Von dieser Zahl können auch heutige Gegenwartsdramatiker nur träumen.
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