Bemerkenswert gut gestimmt

Es wurde gearbeitet, bis spät in die Nacht, es wurde zu jeder Tageszeit geschnitten, geschrieben, fotografiert, gefilmt und produziert, es wurde gefeiert, es wurde diskutiert und geplant. Der Theatertreffen-Blog, der in diesem Jahr zum ersten Mal die tt-Festivalzeitung ersetzte, begleitete das Theatertreffen 2009 in Text, Bild und Ton, mit Fotogalerien, Audioporträts, Nachtkritiken, Interviews, Beziehungstipps, einem ABC und sogar Selbstkomponiertem. Zum Abschluss des Festivals zieht die Blog-Redaktion Bilanz.

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Bis in die frühen Morgenstunden sorgte Blogger Johannes Schneider mit Ukulele und Köl'scher Mundart für Gruppenharmonie: bemerkenswert. Foto: Jan Zappner

Eine gewaltige Überdosis

Die Sicht durch ein beeindruckendes Riesenauge auf einen persönlichkeitsgespaltenen Josef K.. Die Kraft einer Birgit Minichmayr, mich allein mit ihrer Stimme von der Probebühne zu fegen. Eine bezaubernde Maren Eggert, die in der warmen Abendsonne sanft strahlte. Unser Mentor, der akribisch die maßlose Nutzung von Adjektiven abmahnte. Ein bemerkenswertes Team, in dem Streit nicht Untergang und Party nicht Ausschlafen bedeutete. Und – Continue reading Bemerkenswert gut gestimmt

Mit Schweden reden

Drei Isländer, mindestens zehn Schweden, ungezählte Norweger und Finnen. Das Theatertreffen ist nicht nur ein Stelldichein deutschsprachiger Bühnenkunst, sondern inzwischen auch ein skandinavischen Familientreffen. Der tt-Blog sprach mit Kollegen aus Schweden und Island über die freundliche Übernahme.

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Der hohe Norden beim deutschen Theatertreffen: Kritiker aus Schweden und Island. Foto: Kristin Becker

Die ökologische Bilanz mag fatal sein, aber die Billigflieger Continue reading Mit Schweden reden

Das ABC der Schlussdiskussion

Blutige Nasen. Weinende Männer. Kaputtes Geschirr. Was hatten wir nicht alles erwartet vom Höhepunkt des Theatertreffens – der Jury-Diskussion. Die sieben Juroren stellten sich dem Publikum – und alles blieb gähnend friedlich. Wir haben nichts Neues erfahren und fassen es trotzdem zusammen. Continue reading Das ABC der Schlussdiskussion

Ode an Peymann

Gestern Abend hat uns Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, den Glauben an das deutsche Theater zurückgegeben. Im Preiskampf hat er mit überzeugenden Argumenten – wir hatten auch einige – die Gegner aus dem Feld geschlagen und am Ende triumphiert. Ein großer Auftritt.

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Die 3Sat Preiskampf-Juroren Claus Peymann und Jenny Erpenbeck in Aktion. Foto: Jason Kassab-Bachi

Lieber Claus Peymann,

auch wenn es gestern Abend keinen Ringrichter gab, den Kampf hast Du nicht nur durch das kollektive K.O. Deiner Mitstreiter gewonnen, sondern auch klar nach Punkten. Continue reading Ode an Peymann

Filetstücke parieren

Wenn Martin Kušej nicht probt, probiert er: neue Rezepte, neue Zutaten, neue Geschmacksrichtungen. Der gebürtige Kärtner, beim tt09 mit “Der Weibsteufel” eingeladen, liebt das Kochen mindestens genauso wie das Theater. Wir sprachen mit dem Regisseur im KaDeWe über ganze Tiere und die vernachlässigte österreichische Dramatik. Ein Podcast.

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Essen und Theater: Für Martin Kušej ein kollektives Ereignis und Erlebnis. Foto: Jan Zappner

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Weiber!

95 Jahre alt und trotzdem aktuell: “Der Weibsteufel” des österreichischen Autors Karl Schönherr, inszeniert von Martin Kušej, zeigt eine überraschend emanzipierte Frau, die sich von den Männern nimmt, was sie will. Am Ende ist einer tot, der andere im Gefängnis, und die Frau erbt das Haus. Was haben diese Typen nur falsch gemacht? Das Dr.-Sommer-Team des tt-Blogs antwortet vertrauensvoll in der Ratgeberecke.

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Birgit Minichmayr ertanzt sich als "Weib" einen eigenen Weg. Foto: Georg Soulek

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Die Stimmen der Sieger

Die Stückemarkt-Jury hat gesprochen, nun sprechen die Preisträger:

“Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte, aber den Preis habe ich selbstverständlich verdient. In meinem Stück habe ich ja auch nicht geschrieben, dass es keine Preise gewinnen wird, sondern dass es keine Preise gewinnen muss. Mit dem Maxim-Gorki-Theater zusammenzuarbeiten, wird großartig, und Ideen, was man mit den Moneten machen kann, habe ich auch schon – neue Schuhe wären zum Beispiel angebracht.”

Oliver Kluck, Preisträger des Förderpreises für Neue Dramatik, überlegt, ob er um diese Zeit noch seine werktätigen Eltern anrufen kann und beschließt, zumindest eine SMS an seine Mutter zu schreiben.

“Mich freut besonders, dass ich arbeiten kann: Ein Stückauftrag ist kein leerer Preis, sondern einer mit Perspektive. Ich komme in Kontakt mit Theatern und freue mich jetzt grad einfach riesig auf die feste Zusammenarbeit. Vor dem Druck, den ein solcher verpflichtender Auftrag bedeutet, habe ich keine Angst: Das ist Schriftstelleralltag.”

Nis-Momme Stockmann, Preisträger des Werkauftrags des Stückemarkts, wird nun als erstes seinen Verleger anrufen

“Ich hätte nicht gedacht, dass mein Stück fürs Radio adaptierbar ist. Aber eigentlich spielt es ja mit der Fantasie des Rezipienten. Beim Stückemarkt dabei zu sein, fand ich sehr stimulierend – endlich Feedback zu meiner Arbeit von kompetenten Leuten. So eine Möglichkeit für junge Autoren war für mich neu. In Italien, woher ich komme, gibt es nichts dergleichen. Dort hat keiner Lust, ins Theater zu investieren.”

Davide Carnevali, Preisträger von Theatertext als Hörspiel des Stückemarkts, wird vielleicht seine Freunde aus Barcelona später anrufen.

Ein schmaler Grat

Der Schauspieler Joachim Meyerhoff erzählt in seinem mehrteiligen Soloprojekt “Alle Toten fliegen hoch” aus seiner Biographie – nicht ohne einige Verschiebungen und Verfremdungen einzubauen. Selbst seine Dramaturgin Sibylle Dudek kennt nicht die ganze Wahrheit – und findet das gut so, wie sie auf dem Weg zum Berliner Maxim-Gorki-Theater berichtet, wo heute Abend die Teile 1 bis 3 ihre tt09-Premiere feiern.

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Hilft Joachim Meyerhoff beim theatererzählerischen Balanceakt: Die 31jährige Dramaturgin Sibylle Dudek, dieses Jahr Stipendiatin beim Internationalen Forum. Foto: Kristin Becker

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Tatort Theater

Sonntagabend, “Tatort-Zeit”: Die Schauspielerin Maren Eggert, sonst als Kriminalpsychologin Frieda Jung unterwegs, will zum Stückemarkt des Theatertreffens. Für die tt09-Premiere von Nicolas Stemanns “Die Räuber” ist sie von Hamburg nach Berlin gekommen. In der Inszenierung spielt sie die Amalia, eine Rolle mit der sie durchaus Probleme hatte, wie sie uns im Garten des Festspielhauses erzählt. Ein Podcast.

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Entspanntes Warten im Garten: Maren Eggert beim tt09. Foto: Jan Zappner

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Im Auge der Macht

Andreas Kriegenburg hat Kafkas “Der Prozess” als bildmächtige Parabel inszeniert. Das seltsame Leiden der Hauptfigur an einem ominösen Gerichtsprozess lässt er acht Schauspieler auf einer eindrucksvollen vertikalen Drehbühnenkonstruktion exerzieren. Nicht zum ersten Mal war der Regisseur dabei sein eigener Bühnenbildner. Wir wagen zwei Überlegungen zu seinem Bewegungskonzept.

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Gegen das Gesetz der Schwerkraft: "Der Prozess" in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg beim tt09. Foto: Arno Declair

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