SKYDIVING BLINDFOLDED

Or Five Things I Learned From Sebastian Nübling

Keynote Speech at the opening of Stückemarkt 2011 on 8th May 2011 at Haus der Berliner Festspiele.

The British playwright Simon Stephens. Photo: Piero Chiussi

I have to confess something rather embarrassing. The title of this lecture is SKYDIVING BLINDFOLDED. I’m sure there are some people who are speculating as to why I’ve decided to call this lecture by that name. In what way is it to be an exploration of the suicidal or the daredevil? The unsighted and the insane? I have to confess that I don’t really exactly know why myself. All I can say is that it was suggested to me that I deliver a lecture with the title “Infinite Diversity in New European Writing”. The idea filled me with an odd mix of boredom and horror. So I invented a new title quickly without really knowing what it meant. So it doesn’t mean anything. So don’t expect me to explain why this lecture is called SKYDIVING BLINDFOLDED. Because I won’t. Because I don’t know why myself.

I gave it a sub-title yesterday which is more thematically relevant and which will form the body of the talk. The sub-title is FIVE THINGS I LEARNED FROM SEBASTIAN NÜBLING. For those of you who don’t know, Sebastian is a German theatre director based in Basel in Switzerland. He directed the first German language production of any of my plays in 2003, has directed three other productions since and opens a fifth this Autumn in Tallinn and Munich. He’s taught me a lot of things over the seven years of our collaboration. I’m going to share five of them with you. In a bit. Continue reading SKYDIVING BLINDFOLDED

“Eine vernünftige Bühne ist a priori leer”

Sie sind radikal aufs Wesentliche reduziert, die Räume, die der Bühnenbildner Johannes Schütz entwirft. Ein Gespräch über hartgekochte Eier, glückliche Arbeitsverhältnisse und die Zusammenarbeit mit Roland Schimmelpfennig.

Auf der weißen Bühne von "Der goldene Drache", vorne Christiane von Poelnitz als der schon gestorbene kleine Asiate mit Zahnschmerzen. Foto: Reinhard Werner / Burgtheater Wien

Kai Krösche: Herr Schütz, machen Sie “abstrakte” Bühnenbilder?

Johannes Schütz: Das ist ein Beschreibungsversuch, den ich oft höre und noch öfter lese – aber ich finde meine Bühnenbilder alle sehr konkret, ich weiß gar nicht, was das ist, ein abstraktes Bühnenbild. Ich halte es für ein Missverständnis, wenn man glaubt, eine Bühne müsse vollgerumpelt sein und sich alle fünf Minuten oder alle halbe Stunde verändern – und wenn das nicht so ist, dass das dann sofort abstrakt sei. Ein leerer Tisch, auf dem nichts weiter liegt als ein hartgekochtes Ei ist ja auch erst einmal ein Stillleben und nicht gleich eine abstrakte oder informelle Äußerung. Oder eine Tischtennisplatte, auf der ein Tischtennisball liegt: Da besteht ja ein durchaus konkreter Zusammenhang zwischen Objekt und Unterlage. Continue reading “Eine vernünftige Bühne ist a priori leer”

Auf der Schlachtbank Europas

Weiß ist gefährlich. Das wird schnell schmutzig. Und tatsächlich, der kleine Chinese spuckt Blut, er hört gar nicht mehr auf. Bis der ganze weiße Boden verspritzt ist und der Chinese auf ihn drauffällt. Er ist tot. Verblutet, weil ihm seine Kollegen vom China-Thai-Vietnam-Restaurant “Der goldene Drache” den schmerzenden Zahn mit einer Zange gezogen haben und die Wunde nicht stillen konnten.

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Herzzahl: Gegessen

Gesehen, gedacht, gepunktet. Direkt nach jeder tt-Premiere beurteilen wir die Inszenierung in vier Kategorien. Am nächsten Tag folgt eine ausführliche Kritik.

Heute: “Der goldene Drache”

  • SAUEREI // ♥ ♥ ♥ ♥  //
  • TRANSGENDER // ♥ ♥ ♥ ♥ //
  • SYMBOLHAFTIGKEIT // ♥ ♥ ♥ ♥ //
  • GESCHMACKSVERSTÄRKER // _ _ _ _ //

“In Deutschland wird immer so viel gemeckert”

Am Mittwoch Abend wurde der Stückemarkt offiziell mit einer Podiumsdiskussion eröffnet. Diskutiert wurde über “Grenzen, Zwischenräume und Chancen neuer Dramatik in Europa”. Nach einer Impulsrede der georgischen Dramatikerin und Regisseurin Nino Haratischwili sprach sie mit Roland Schimmelpfennig und Yvonne Büdenhölzer über die verschiedenen Erfahrungen mit europäischer junger Dramatik.

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Großes Theater, was nun?

Vor zweieinhalb Jahren ging Lehman Brothers pleite, die Theaterwelt protestierte kürzlich gegen die Schließung des Schauspielhauses Wuppertal, die Bundesregierung hat soeben die Milliardenhilfen für Griechenland durchgeboxt. Und auf dem Theatertreffen wird einem unbestimmten Krisengefühl stattgegeben.

Es stimmt schon, das Theatertreffen steht im Zeichen der Krise. Doch die Krise, die dieses Theater widerspiegelt, ist zur Lebenskrise ausgewachsen. Es geht um dieses mulmige Bauchgefühl, um Unsicherheiten und Ängste. Nicht um die großen ökonomischen Fakten. Das Private ist politisch. Liebesbeziehungen scheitern wegen Geld. Das ist bei Horváths Kasimir und Karoline so. Das ist bei Falladas Pinneberg und seinem Lämmchen so. Das ist bei David und seiner Frau so, in dem Stück des Briten Dennis Kelly, das auch noch “Liebe und Geld” heißt.

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Drei Einträge ins Gästebuch

Jürgen Gosch zum Zweiten! Seine Inszenierung von Roland Schimmelpfennigs “Hier und Jetzt” wurde für die Premiere beim Theatertreffen am 7. Mai von der Zürcher Schiffbau-Halle in einen alten Postbahnhof in Berlin verlegt.

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Gerupft und geschunden: die Hochzeitsgesellschaft in Roland Schimmelpfennigs "Hier und Jetzt" in der Regie von Jürgen Gosch. Foto: Matthias Horn

Dort feierten in einem riesigen Berg aus frischer Erde Georg und Katja ihre Hochzeit. Reden wurden gehalten, man prügelte sich blutig, und für die Zukunft des Brautpaares sah es nicht gut aus. Die Blog-Redaktion hat sich unter die Hochzeitsgäste gemischt und ins Gästebuch eingetragen. Continue reading Drei Einträge ins Gästebuch

Sich freispielen

Was ist das Besondere am Theater Jürgen Goschs? Wir fragten seine langjährigen Kollegen Johannes Schütz, Roland Schimmelpfennig und Ulrich Matthes nach dem Geheimnis des Einzigartigen.

Sein Durchbruch ließ lange auf sich warten, doch nun zählt Jürgen Gosch zweifellos zu den gefragtesten Theaterregisseuren und ist in diesem Jahr gleich mit zwei Inszenierungen zum Theatertreffen eingeladen. Am vergangenen Sonntag, 3. Mai 2009, bekamen Jürgen Gosch und Johannes Schütz für die gemeinsame Arbeit den mit 20.000 Euro dotierten Berliner Theaterpreis im Deutschen Theater verliehen. Der schwerkranke Regisseur konnte an dem Festakt jedoch nicht teilnehmen.

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Autoren: Anna Postels und Matthias Weigel; Kamera und Schnitt: Matthias Weigel