Theatertreffen Acting Fact-File

The 5,000€ Alfred-Kerr-Preis for the best performance at the Theatertreffen was announced today, decided and presented by actress Nina Hoss. The prize went to Fabian Hinrichs – here are TT-Blog photographer Nadine`s photos of the award ceremony:

 
But how did she choose when there were so many different styles of acting treading the boards? Maybe she stole a look at my fact-file, based on some of the leading men and ladies of this year’s festival.
Style: The Entertainer
Example:
Fabian Hinrichs, Kill Your Darlings! Streets of Berladelphia
Director: Rene Pollesch
Role:
Only speaking part
Costume
: Shiny, skin-tight rainbow leggings/Floor-length skirt/Octopus costume Continue reading Theatertreffen Acting Fact-File

Your Day at TT (11)

Today’s the day the winners of the three Stückemarkt prizes will be announced (10.30pm), following the staged reading of the last chosen piece, Magdalena Fertacz’s Caliban’s Death (6pm), and the reveal of what’s been going on behind closed doors on the Probebühne of the Haus der Berliner Festspiele at the rehearsals for Markus&Markus’ performance (7.30pm), which had a name before it had a form: Polis3000: respondemus.
Markus&Markus, Dramatic Arts students from the University of Hildesheim are the first “project developers” to perform at the TT Stückemarkt, although they don’t see what the fuss is about – after all, says one of the Markuses, artists have been developing performances without using a pre-existing dramatic script for hundreds of years. Still, it’s a Theatertreffen first, and excitement is in the air. Continue reading Your Day at TT (11)

Die Premierenkritik: Von Pollesch bekehrt

Unvoreingenommen in einen „Pollesch“ zu gehen, ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit: Zu oft saß ich schon in einem seiner Stücke und fühlte mich allein gelassen. René Pollesch bringt gemeinsam mit den immergleichen Schauspielern die Probenwitzchen der letzten sechs Wochen, gemischt mit seinen aktuellen Lieblingsbüchern von Agamben und Konsorten, auf die Bühne. Das Publikum bleibt dabei außen vor – Theater als Insiderei. So zumindest meine Einschätzung.
Gestern abend ging ich also skeptisch in die Premiere von “Kill your Darlings! Streets of Berladelphia” in die Volksbühne. Und wurde bekehrt. Continue reading Die Premierenkritik: Von Pollesch bekehrt

Pollesch ist Pollesch ist Pollesch

Heute Abend feiert René Polleschs „Kill your Darlings! Streets of Berladelphia“  TT-Premiere. Pollesch macht Theater, vielleicht Kunst, auf jeden Fall Unterhaltung. Und irgendwie auch immer etwas mit Politik. Zumindest werden Versatzstücke politischer Diskurse zusammengeworfen mit Pop- und Unterhaltungskulturzitaten.
Ist das jetzt politisches Theater oder einfach Popkultur? Continue reading Pollesch ist Pollesch ist Pollesch

Theater und Kollektivität – schöne Utopie oder schöner Schein?

Beim Theatertreffen 2012 sind mit Gob Squad und dem International Institute of Political Murder gleich zwei Theater-Kollektive geladen. Auch Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen arbeiten als Regie-Team, Nicolas Stemann oder René Pollesch betonen immer wieder die Bedeutung von kollektiven Aushandlungsprozessen in der Gruppe. Und beim Stückemarkt ist in diesem Jahr mit „Polis3000: respondemus“ von Markus&Markus erstmalig auch ein Projekt ausgewählt worden.
Ein Blick auf die zehn Nominierungen zeigt, dass die meisten mit dem Begriff „Kollektivität“ – mehr oder weniger direkt – in Verbindung gebracht werden können… Stellt sich also die Frage, ob die Zeit der autokratischen Star-Regisseure vorbei ist? Zeichnet sich beim Theatertreffen 2012 eine Tendenz des Gegenwartstheaters zu mehr Kollektivität hin ab?
„Wir haben keinen tieferen Plan und keine hierarchischen Strukturen, […] keinen Genie-Kult wie im Theater üblich.“
Gob Squad bezeichnen sich explizit als Kollektiv: “We are an artists collective, the 7 core members working collaboratively on the concept, direction and performance of our work. Other artists, performers and technicians are invited to collaborate on particular projects.” Wer die Projekte von Gob Squad oder auch von SheShePop verfolgt, nimmt ihnen diesen Anspruch an ihre Arbeit und Arbeitsweise auch ab, hier wird die Devise „Das Private ist politisch“ offenbar ernst genommen. Johanna Freiburg [sowohl bei Gob Squad als auch bei SheShePop involviert] betont hierbei, dass gerade der fiktive Rahmen einer Inszenierung Fragen ermöglicht, die im wirklichen Leben oft gar nicht gestellt werden.
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Bemerkenswert? Kritik an Kritiklosigkeit

„Draußen tobt der Konsens, während ich hier drinnen versuche, Tradition und Anarchie aufrecht zu erhalten,“ sagte Sophie Rois einmal in den „Diktatorinnengattinnen“, einem Stück von René Pollesch. Tobt der Konsens jetzt auch in Bezug auf die TT Auswahl der zehn „bemerkenswertesten Inszenierungen“? Seit sie bekanntgegeben wurde, herrscht überall viel Zustimmung, viele Übereinstimmungen mit dem nachtkritik-Theatertreffen, nur vereinzelte „Ich vermisse aber…“-Kommentare sind zu lesen, verhältnismäßig wenig Kritik wird laut.
Mich beschleicht beim Lesen der meisten Kommentare im Internet ohnehin häufig der Verdacht, dass es vielen Kritikern vor allem darum geht, den eigenen Standpunkt als überlegen zu markieren. Und meist sind diese Diskussionen eher belustigend, manchmal nervend, aber selten produktiv oder irgendwie erhellend. Oder? Denn genauer betrachtet ist die allem zugrunde liegende Ausgangsfrage doch mehr als berechtigt und spannend:
Wer definiert hier was wie und warum?
Und auch alle daran anschließenden Fragen finde ich durchaus stellenswert: Ist das Theatertreffen nicht normativ oder zumindest normierend und ausgrenzend? Ist das nicht elitäres Getue und unnötige Hierarchisierung? Ist das Theatertreffen nicht völlig überbewertet? Ist das Theatertreffen überhaupt zu irgendetwas nutze? Continue reading Bemerkenswert? Kritik an Kritiklosigkeit

Faust in Ethnic Drag?

C: The dog that plays Hitler’s German shepherd Blondie only plays himself. He is always universally a German shepherd. So a German shepherd is seldom cast as a poodle. […]
S: Yeah, what would happen if a poodle was cast as Hitler’s Blondie?
C: Everybody would think that you were performing Faust.
(René Pollesch, Cappuccetto Rosso)

Be careful when you’re casting dogs – your audience will never see a poodle as a German shepherd. In his 2005 play, German playwright and director René Pollesch attacks representative theater for this oppression: women cannot appear as men; representation does not allow them political, social, or artistic equality.

With the rise of Berlin’s Ballhaus Naunynstraße, actors and directors with “migrant backgrounds” (see Cory Tamler’s post-migrant lexicon) have become increasingly visible. This poses a casting challenge to representative theater: can a person who looks “Turkish”  play classic “German” roles believably – I mean believable for white-bread, bourgeois audiences? Nobody questions the ability of Germans to perform the Russian “Cherry Orchard” or the American “Death of a Salesman” – even if I, as an American, do raise questions about too-random signs of Americana in Stefan Pucher’s production of Arthur Miller’s classic, for example. But something changes when a Turkish-German plays a “German” role…

Suddenly people ask the question Fadrina Arpagaus also notes in her post on the “post-migratory” friendliness of the 2011 Theatertreffen: What story is told when a Turk plays Faust?

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Potenzierte Provinz

Heute abend feiert Christoph Marthalers Inszenierung “Riesenbutzbach” Theatertreffen-Premiere. Wer oder was ist eigentlich ein Butzbach? Eine Aufklärung.

Butzbach. Nicht riesig. 12.000 Einwohner. Foto: Fritz Geller-Grimm

Ein Butzbach ist nichts Schönes. Soviel ist klar. Nie wurde in der Theatergeschichte ein Ort so inbrünstig gehasst wie dieser. Der große Welthasser Thomas Bernhard hat ihn zum ersten Mal auf die Bühne gebracht. In seinem Stück “Der Theatermacher” schleudert, nein speit der von Hybris befallene Regisseur Bruscon unzählige Male den Satz, nein die Verachtung heraus: “Utzbach wie Butzbach”. Der fiktive Ort Utzbach, in dem Bruscon mit seiner Theatergruppe gastiert, ist Marianengrabentiefe Provinz. Den Utzbacher interessiert die Kunst des Regisseurs nicht, der “Blutwursttag” ist für den Utzbacher ein wichtigeres Ereignis als eine Theateraufführung.

Utzbach ist also schon schlimm, und mit dem Vergleich “Utzbach wie Butzbach” wird der ohnehin schon schlimme Ort noch schlimmer gemacht, indem er mit dem Allerschlimmsten gleichgesetzt wird: Butzbach. Und Christoph Marthaler setzt der ganzen Verschlimmerei noch eins drauf: Riesenbutzbach. Wenn Utzbach Provinz ist, dann ist Butzbach doppelte Provinz und Riesenbutzbach potenzierte Provinz und damit das absolute Grauen.

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