Ist dein Gaul tot, steig ab!

Wegen einer Erkrankung waren die Vorstellungen des „Schimmelreiters“ im Vorfeld abgesagt worden. Ist die ersatzweise szenische Lesung mehr als eine Notlösung?

Die Bühne ruht in schwarz. Ein Konzertflügel links, ein Tisch mit Tierpräparaten rechts, eine Kleiderstange vor ungedeckter Tafel schließlich, zentral platziert und von fünf Stühlen gesäumt, bilden den kargen visuellen Rahmen des Abends. Es sollte ein ruhiger werden, er wird es auch. Continue reading Ist dein Gaul tot, steig ab!

Eine Sonate als Theaterstück?

Zum Ausklang der szenischen Lesung des „Schimmelreiters“ spielte der Pianist Igor Levit Beethovens letzte Klaviersonate Nr. 32 in C-Moll, Opus 111. Wie es dazu kam? Wir haben nachgefragt.

TT-Blog: Igor Levit, das war jetzt eben eine sehr experimentelle Anordnung! Erst die Lesung und dann dieses irrwitzige Klavierspiel, das noch einmal eine vollkommen andere Ebene hineingebracht hat. Wie kam es überhaupt zu dieser Konstellation? Continue reading Eine Sonate als Theaterstück?

Szenische Lesung in Endzeitstimmung

Der in Hongkong geborene Autor Pat To Yan ist mit „A Concise History of Future China“ zum Stückemarkt eingeladen worden. Sein Text verwebt Gegenständliches mit Metapher und Abstraktion zum Kaleidoskop einer finsteren Zukunft. Die szenische Lesung am gestrigen Dienstag erwies dem Stück allerdings einen Bärendienst, wie unser Autor fand. Continue reading Szenische Lesung in Endzeitstimmung

Voll auf Zone denken

Besetzungsgespräche für die szenischen Lesungen: wenn im Stückemarkt-Büro das Telefon klingelt …

F: Schönen juten Tach.
Y: Hallo, wie geht’s? Wie laufen die Proben in Frankfurt?
F: Gut. Rauschen. Ich bin gerade im Zug, kann sein, dass die Verbindung abbricht …
Y: Okay, ich mach es schnell. Was hältst du denn von D für den Vater?
F: Nee, ich finde Q gut, der ist so schön zonig …. Man muss das eh alles voll auf Zone denken. Wir brauchen da keine Westfotzen …
Y: Verstehe. Was hältst du von J?
F: Der ist richtig toll, ein schneller Spieler, nicht zu glatt, der wäre super.
Y: Gut, den fragen wir an. Und F für die Tochter?
F: Mmhh, die ist halt immer mehr Type als attraktive Frau, und außerdem dachte ich, die Figur ist eigentlich blond. Continue reading Voll auf Zone denken

“Da gärt ‘ne ganze Menge!”

Ekat Cordes, Autor und Regisseur, nimmt am diesjährigen Stückemarkt mit seinem Stück “Ewig gärt” teil, das gestern in einer szenischen Lesung vor Publikum präsentiert wurde. Wir sprachen mit ihm über sein Verhältnis zu Horrorfilmen, über Gärungsprozesse und über die Frage, ob und wie Theater den Menschen die Augen öffnen kann.

Stets auf der Suche nach neuen Formen und Ausdrucksweisen: Der Autor Ekat Cordes. Foto: Kim Keibel

Kai Krösche: In Ihrem Stück kommen sowohl in Bezug auf stilistische Mittel als auch auf Aspekte der Erzählweise Elemente vor, die man sonst eher aus dem Genrekino, vor allem dem Horrorfilm kennt. Wie kommt es dazu?

Ekat Cordes: Das Horrorgenre hat mich schon seit meiner Kindheit geprägt – meine Mutter hat immer sehr gern Horrorfilme geschaut, weil sie sich dabei aber so fürchtete, musste ich immer mitgucken. Eigentlich hätte ich mir die Augen zuhalten sollen, aber das hab ich natürlich nicht gemacht – und so schau’ ich eigentlich schon Horrorfilme, seit ich sechs Jahre alt bin. Ich denke, dass kaum ein Genre so starke Möglichkeiten bietet, auf kreative Weise sehr reale, grausame und auf dem Theater im Grunde kaum darstellbare Probleme auf kritische Weise in künstlerisch überhöhte und gleichzeitig beunruhigende Bilder zu übersetzen. Continue reading “Da gärt ‘ne ganze Menge!”

Die Macht des Teleprompters

Eine szenische Lesung ist keine Inszenierung! Dennoch ist sie mehr als nur Lektüre: Sie kann einen Text zum Leben erwecken oder aber auch schaden.

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Willkommen im Kindergarten: In der szenischen Lesung von "Das Prinzip Meese" bewies Sandra Hüller Haltung. Foto: Jason Kassab-Bachi

Wie eine szenische Lesung aussieht, haben bereits die Blog-Kollegen Johannes Schneider und Matthias Weigel veranschaulicht. Zur Erinnerung: Schauspieler stehen oder sitzen auf einer Bühne, Manuskript in der Hand, und lesen ein Stück vor. Ein paar Requisiten, beispielsweise ein Bett, eine Flasche oder ein Telefon, werden ihnen manchmal gegönnt. Continue reading Die Macht des Teleprompters

Szenische Lesung? Szenische Lesung!

“Szenische Lesung”, so lautet einer der Schlüsselbegriffe beim Stückemarkt des Theatertreffens. Die fünf eingeladenen Stücke werden provisorisch auf der Bühne eingerichtet: Gespielt wird mit Textblättern in der Hand, auf karger Bühne mit spärlichen Requisiten. Ein Format, das in der Blog-Redaktion Diskussionen ausgelöst hat: “Wenn, dann richtig”, wettert Matthias Weigel gegen die “halben Inszenierungen”. “Besser Zwieback als gar kein Kuchen”, hält Johannes Schneider dagegen. Eine szenische Lesung mit Zwischenspiel.

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Wer den Text nochmal in Ruhe nachlesen oder -spielen möchte, kann sich das Oeuvre hier herunterladen.

Über den Stückemarkt sprachen wir bereits mit der finnischen Nachwuchsautorin Sofi Oksanen und dem Hausautor des Maxim-Gorki-Theaters Philipp Löhle. Und lesen Sie Gastbeiträge der Stückemarkt-Autoren  Nis-Momme Stockmann und Davide Carnevali.