Mit Rudolph Moshammer auf der Straße

Zeichenkritik zu Johan Simons Inszenierung von „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.“ von Elfriede Jelinek. Lesen Sie außerdem unsere Kritik (voller Adjektive) sowie ein Interview mit Elfriede Jelinek,

Zeichnung: Henrike Terheyden / KENDIKE
Zeichnung: Henrike Terheyden / KENDIKE

„Ich trage nur weite Hosen und flache Schuhe.“ Schriftverkehr mit Elfriede Jelinek

Gerne hätten wir Elfriede Jelinek zum persönlichen Gespräch getroffen, aber sie meidet konsequent den persönlichen Kontakt mit der Öffentlichkeit, insbesondere bei Aufführungen ihrer Werke. Die Fragen stellten wir ihr per Mail.

TT-Blog: Ihre beiden Beiträge für das diesjährige Theatertreffen sind Auftragswerke. Wie umgeht man da die Gefahr einer Dienstleistung? (Anm. der Redaktion: „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall“ entstand zum 100. Geburtstag der Münchner Kammerspiele, „Prolog?“ für die Jubiläumsausgabe des Stückemarkts).
Elfriede Jelinek: Indem man letztlich immer das macht, was man will. Oder will, was man macht? „Prolog“ ist keine Auftragsarbeit.

TT-Blog: Welche Rolle spielt München in „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall“? Glauben Sie, dass das Stück auch in einer anderen Stadt, konkret beim Theatertreffen in Berlin, funktionieren kann?
EJ: Das Stück spielt im wesentlichen Sinn in München und mit München. Dafür wurde es ja auch geschrieben.

TT-Blog: Sie selbst sind erklärte Modeliebhaberin. Kann man dem ganzen Modezirkus überhaupt kritisch gegenüberstehen? Wenn ja, wie entgeht man als kritisch denkende Frau der Gefahr der Oberflächlichkeit?
EJ: Ich stehe der Mode als solcher nicht kritisch gegenüber, sie ist einfach ein ästhetisches Phänomen, das mich interessiert. Die Mode ist nicht oberflächlicher als ein Teil der Kritik an ihr. Außerdem interessieren mich Oberflächenphänomene beim Schreiben ja doch immer am meisten. Ich fühle mich ganz als Oberflächen-Expertin.

TT-Blog: Worin und an welchem Ort fühlen Sie sich derzeit am wohlsten?
EJ: Ich trage nur weite Hosen und flache Schuhe. Am wohlsten fühle ich mich in meinem Haus und in meinem Garten in Wien.

TT-Blog: Worin unterscheidet sich das Schreiben fürs Theater von Romanen? Wie funktioniert der Austausch zwischen Ihnen und dem Regisseur?
EJ: Also ich schreibe immer nur Texte. Die einen sind erzählend, die anderen zum Sprechen gedacht. Die einen sind für vereinzelte, die andren für kollektive Rezeption bestimmt. Das ist das einzige, worin sie sich unterscheiden. Ich hatte immer gehofft, dass meine Theatertexte genauso als Texte rezipiert werden wie meine Prosa. Das ist mir leider nicht gelungen. Da der Bühnentext eben für mich fertig ist, wenn ich ihn geschrieben habe, muss der Regisseur mit seinen Leuten dann das Stück daraus erst machen. Ich liefere einen Text aus, und ich bekomme ein richtiges Theaterstück zurück, nicht einfach nur dessen Aufführung.

I only wear baggy pants and flat shoes – Q&A with Elfriede Jelinek

We would have liked to interview Elfriede Jelinek in person, but she avoids going out in public, especially to performances of her works. She answered our questions by e-mail.

TT-Blog: Both of your contributions to this year’s Theatertreffen are commissioned works. How does one get around the dangers of these kind of assignments? (Editor’s Note: The Street. The City. The Attack was created for the 100th birthday of the Münchner Kammerspiele, Prolog? for the anniversary edition of the Stückemarkt festival for new drama.)
Elfriede Jelinek: In the end, by always doing what one wants to do. Or is it wanting what one does? Prolog isn’t a commissioned work.

TT-Blog: What role does Munich play in The Street. The City. The Attack? Do you think that the piece can also work in another city, specifically at the Theatertreffen in Berlin?
EJ: The piece does play, in a fundamental sense, in and with Munich. That’s what it was written for.

TT-Blog: You’ve confessed to being a fashion lover. Is it even possible to take a critical perspective on the circus of the fashion world? If so, how does one deal with the danger of the superficial as a critical-analytical woman?
EJ: I’m not critical of fashion as such, it’s just an aesthetic phenomenon that interests me. Fashion isn’t any more superficial than some of its criticism. Besides that, I’m most interested by superficial phenomena when it comes to writing. I feel like a surfaces expert.

TT-Blog: Where and in what do you feel most comfortable at the moment?
EJ: I only wear baggy pants and flat shoes. I’m most comfortable in my house and garden in Vienna.

TT-Blog: How is writing for the theater different than writing a novel? How does the exchange between you and the director work?
EJ: I always write texts, just texts. Some are narrative, others are designed to be spoken. Some are designated for individual reception, others for collective. That is the only way in which they differ. I always hoped that the theater texts would be received in the same way as my prose. Unfortunately I didn’t succeed. Since I’m done with the text after I’ve written it, the director and his people have to make the piece out of it first. I deliver a text to them and then I get a real theater piece in return, not just a presentation of the text.

Kritik voller Adjektive. „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.“

Titel, Autor, Entstehungsjahr: „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall“ von Elfriede Jelinek, 2012.
Handlung: Eine Frau (Sandra Hüller!) hassliebt ihren Rock, Rudolph Moshammer (Benny Claessens!) stirbt ein zweites Mal.
Erster Satz: Ich habe gehört, es gibt jetzt eine Satzung im Gesetz, daß man Orgien feiern muß.
Regisseur: Johan Simons, fünf Einladungen zum TT.
Eingeladene Bühne: Münchner Kammerspiele
Spielstätte beim TT 2013: Großer Saal im Haus der Berliner Festspiele.

Adjektive vermeiden! Eine der Grundregeln für Theaterkritiken. Daran wollen wir uns jetzt, nach der Premiere von „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.“, angetan von der jelinekschen Chuzpe, nicht halten.

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Überfällig, städtisch: „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.“ in der Inszenierung von Johan Simons mit Sandra Hüller, Hans Kremer, Stephan Bissmeier, Marc Benjamin (v.l.n.r.). Foto: Julian Röder

Clemens Melzer: Was man ja auf jeden Fall über den Abend sagen kann: Charmant.
Eva Biringer: Ja, charmant, unprätentiös, dabei gut kalkuliert. Typisch Jelinek.
CM: Suberversiv oder auch pervers?
EB: Pervers ehrlich. Subversiv im Subtext. Also eher unterschwellig subversiv. Ortsspezifisch?
CM: Ja, ortsspezifisch im Sinne von wehmütig und autoagressiv, also bierernst.
EB: Biernst?
CM: Hefe, das heißt: Hilfe. Ich meine: bierernst, drall, süddeutsch.
EB: Eher das Gegenteil von drall. Reduziert, befremdlich, eisigkalt.
CM: Kristall. Im Schmelzen auch schmierig, glänzend, schwierig. Eisigkalt wie unpädagogisch.
EB: Mehr gefährlich didaktisch, aber durch Jelineks Modeaffinität gerettet.
CM: Verführerisch didaktisch in Sachen Mode?
EB: Nein, verführerisch didaktisch in der der Mode inhärenten Botschaft. Gefahr von Oberflächlichkeit. Ausgestellt und gleichzeitig klug umgangen.
CM: Smart umschifft, würde ich sagen. Klug ist die Mimik, umgangen werden die Bedeutungsfestschreibungen. Fluffig.
EB: Mimisch, gestisch einwandfrei. Worthülsen werden zum Klingen gebracht. Fluffige Badewannenszene.
CM: Naja, ohne Schaum. Ich vermute: kantig, ungemütlich. Der Raum ist da übervoll und die Badewanne leer. Einwandfreier Zwang plus Champagner.
EB: Martini! Schwimmbewegungen angedeutet. Akustisches Kraulen. Stimmlich und instrumental von ausufernder Ergriffenheit.
CM: Bei der Gurgel ergriffen. Lapidare Watschn. Dazu schmutzige Komik.
EB: Saftige Watschn. Der Schmutz bleibt am Absatz kleben! Falscher Schmutz. Unauthentisch wie der Knopf am Blouson, hoppla, Blazer.
CM: Drunter Schlüpfer. Aristokratisch und asketisch zugleich. Will sagen: Fragwürdig von Anfang an.
EB: Dringlich in Kombination mit schmucker Tasche. Körperformend, korrigierend, unverzichtbar. Dabei samtig neutral. Sleek und schmiegsam wie der Untergrund.
CM: Dringliche Körperform, schmiegsames Plappern. Im Abgang hektisch, rötlich, unberechenbar.
EB: Berechtigt albern, maßlos relevant.
CM: Also, ich fand ja die Schauspieler toll.

Bericht einer Neu-Bloggerin. Weisband und Peymann eröffnen Konferenz „Theater und Netz“

Ich glaube, ich bin gerade dazwischen. Also zwischen Claus Peymann und Marina Weisband, meine ich.

Gestern war die Eröffnung der Konferenz „Theater und Netz“, die durch eine Kooperation von nachtkritik.de und der Heinrich Böll Stiftung mit der Bundeszentrale für politische Bildung am 8. und 9 Mai stattfindet. Im Anschluss an das Gespräch zwischen dem Intendanten des Berliner Ensembles und der Piratin (ihr Lieblingsbuch ist übrigens „Krieg und Frieden“ von Tolstoi), bin ich die Spree entlang spaziert und habe über die Protagonisten des Abends nachgedacht. Ich habe daran gedacht, wie der Moderator Albert Eckert das Publikum darum bat, Handzeichen zu geben. Ob man eher theater- oder eher netzaffin sei. Ich hob zweimal die Hand. Und ich glaube, das war ein performativer Moment, selbstreferentiell und die Wirklichkeit konstituierend. Denn, so wie sich der Zustand zweier Menschen vor dem Traualter durch den Ausspruch des Ja-Worts von Einzelperson zu Ehepaar verändert, so habe auch ich vorhin durch meine Geste ausgedrückt: Ja, ich bin Teil dieser Community. Das war eine Bewusstwerdung und gleichzeitig ein Bekenntnis. Denn bisher gehörte ich wohl nicht dazu.

Natürlich bin auf Facebook. Ich checke auch meine E-Mails mehrmals täglich. Ich besitze aber weder Smartphone noch Tablet. Da hat mir Claus Peymann einiges voraus: „Ich habe seit Kurzem ein iPhone, ich beherrsche es nur nicht.“ Mein Laptop ist wuchtiger als so manch ein PC und ein hervorragender Flatscreen-Ersatz bei heimischen DVD-Abenden. Mobil bin ich nur über Anruf oder SMS erreichbar, schnelle Reaktionen im Internet sind undenkbar. Darüber bin ich glücklich. Denn ich kann gut nachvollziehen, was Claus Peymann meinte, als er das Internet als „Kommunikation der Einsamkeit“ beschrieb. Im Gegensatz zu Marina Weisband macht mich das Bild einer Rose in einer SMS nämlich nicht glücklich, es erregt mich auch nicht nachhaltig. Continue reading Bericht einer Neu-Bloggerin. Weisband und Peymann eröffnen Konferenz „Theater und Netz“

Eine Überwältigung: Texte zum Theater der Elfriede Jelinek

Sowohl die Zahl der Einladungen an Inszenierungen von Elfriede Jelinek-Texten zum Theatertreffen, als auch die Masse an Literatur von ihr und über sie macht ehrfürchtig. Eine Lesereise. (Ein Interview mit der österreichischen Autorin lesen Sie morgen auf dem TT-Blog.)

In diesem Jahr ist die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zweimal beim Theatertreffen vertreten: Mit der Inszenierung durch Johan Simons von „Die Straße. Die Stadt. Der Überfall.“, die heute Abend Premiere feiert, sowie beim Stückemarkt mit ihrem von Hedi Kriegeskotte vorgetragenen „Prolog?“, der ebenso heute auf dem Programm steht. Wer sich auf eine Spurensuche begibt, stößt auf ganze zehn Stücke der Autorin – allein in den letzten neun Jahren.*

Die Straße. Die Stadt. Der Überfall. von Elfriede Jelinek. Foto: Julian Röder
Die Straße. Die Stadt. Der Überfall. von Elfriede Jelinek. Foto: Julian Röder

Stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die Inszenierungen von Texten dieser österreichischen „Nestbeschmutzerin“ in den vergangenen Jahren so häufig zu den bemerkenswertesten gewählt wurden und werden? Sie wird, was lebende zeitgenössische Autoren angeht, nur von Botho Strauß (12 TT Einladungen) übertroffen, dieser war zuletzt 1999 eingeladen.

Bemerkenswert gestaltet sich auch eine Erklärungssuche im Netz: Selbst das lediglich bis 2009 zurückreichende Archiv von nachtkritik.de zählt alleine 221 Einträge zu Elfriede Jelinek. Ihre eigene Website www.elfriedejelinek.com umfasst ganze elf Sparten, von Theater und Prosa bis zu Politik & Gesellschaft – und wäre beinahe dafür verantwortlich gewesen, dass dieser Text hier nicht mehr pünktlich zustande kommt, da ich mich immer wieder in den ausufernden Textflächen von Elfriede Jelinek zu verlieren drohte.

Nicht nur das von Elfriede Jelinek Geschriebene ist überwältigend, auch das über Elfriede Jelinek Geschriebene ist Zeit und Raum füllend und beschäftigt ein ganzes Forschungszentrum inklusive fleißiger Praktikanten. Bei all den Primär- und Sekundärquellen, -texten und -stücken ist mir die enorme Diskrepanz meiner eigenen Empfindungen und Gedanken aufgefallen, die sich beim Lesen von Texten von Jelinek und den Texten über Jelinek aufgetan hat: Erstere haben mich aufgewühlt, beschäftigt und verwirrt – und zwar auf emotionaler und rationaler Ebene gleichermaßen.

Beim Lesen von „Lust“, „Neid“ oder „Über Tiere“ stellt sich permanent die Frage, wer oder was ist gut oder böse, wer Opfer, wer Täter, wer klagt an, wer wird angeklagt? Ein permanentes Unwohlsein anstelle von moralischen oder intellektuellen Überlegenheitsphantasmen. Entweder darauf einlassen und sich auseinandersetzen – oder ablehnen. Jelinek spaltet.

Die Texte über Jelinek haben mich zwar manchmal auch verwirrt, meistens aber gelangweilt und bestenfalls ein wenig zu Hintergründen informiert. Meist haben sie ein eher schales Gefühl hinterlassen, da sie Tendenzen haben…

– Jelinek auf ihre Biografie zu reduzieren (Mutter! Vater! Ödipussy!)

– Jelinek politisch zuordnen und so diskreditieren/vereinnahmen zu wollen (Kommunismus! Oder schlimmer: Feminismus!)

– Jelinek zu etwas zu machen, was sie definitiv nicht ist: einfach erklärbar/verstehbar/kategorisierbar/konsumierbar Continue reading Eine Überwältigung: Texte zum Theater der Elfriede Jelinek

Waters Rising

Elfriede Jelinek and Karin Beier explore natural, man-made disasters.

From left to right: Thomas Loibl; Lina Beckmann; Susanne Barth; in the foreground: Kathrin Wehlisch. Photo: Klaus Lefebvre.

Waves of light ripple across the ceiling of the Berliner Festspielhaus auditorium. In the slowly spreading lake below, a woman, covered in mud and naked but for her underpants, battles and screws and dances with a shirtless man, his chest painted blue. Behind this elemental battle, sand pours from the heavens, a women reads a newspaper, and a man taps on a laptop. Another flips through a binder. While humanity invents ever new ways to please and progress, the feminine earth tumbles on the floor with the masculine water: the sky caves in, the flood keeps spreading, but nobody is responsible. “It’s possible for everybody to do everything correctly and still reach a faulty outcome,” a political voice broadcast over loudspeakers assures us. In these final moments of Elfriede Jelinek’s three-and-a-half hour The Work / In the Bus / A Collapse, I look up over my head at the rippling light, and feel like I am covered with water.

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Survival-Kitties

Wenn wir schon mit Katastrophen leben müssen, dann wollen wir sie auch überleben. Survival-Kits gibt es normalerweise aber nur in Apotheken, nicht im Theater.

Irgendwann in Karin Beiers “Das Werk / Im Bus / Ein Sturz”, der Eröffnungsinszenierung des Kölner Schauspiels beim Theatertreffen, blicken sich die Massen in die Augen: auf der Bühne ein stampfender und gurgelnder Protestchor von mehr als 50 Stimmen; auf der anderen Seite das zum Schweigen verdammte Publikum, das im realen Leben so viel über unsere Gegenwart zu sagen hat. Nun reden sich stellvertretend die Menschen auf der Bühne um ihre Existenz, und am Ende, wenn die Staumauer für das Wasserkraftwerk in den Kapruner Alpen errichtet ist und Hunderte Zwangsarbeiter gestorben sind („Das Werk“), der Bus versenkt ist und der Busfahrer und zwei Passagiere ihr Leben lassen musssten („Im Bus“), und das Kölner Stadtarchiv überflutet ist und zwei Anwohner umgekommen sind („Ein Sturz“), steht Wort gegen Wort, Schuld gegen Schuld. Laute gegen stumme Anklage: Wasser gegen Erde, Natur gegen Mensch.

Halt. Stopp. Eigentlich wollen wir doch gar nicht mehr reden. Eigentlich wollen wir nur wissen, was wir tun können, damit uns die Katastrophen, die natürlichen und übernatürlichen, in Zukunft in Ruhe lassen. Denn es reicht nicht aus, die eigene Schuld zu kennen. Es reicht auch nicht, sie einzugestehen. Bei einem Theaterabend wie diesem, der so vielschichtig Arbeit und menschliches Tun verhandelt, muss man auch fragen, inwieweit er uns zum Handeln ermächtigt. Continue reading Survival-Kitties

Mittendrin: Rausgegangen

In Nicolas Stemanns Inszenierung von Elfriede Jelineks Wirtschaftskomödie “Die Kontrakte des Kaufmanns” stehen während der ersten Hälfte des Abends die Türen zum Theatersaal sperrangelweit offen. Elisabeth Hamberger und Judith Liere haben die Hinein- und Hinausgehenden gefragt, wie ihnen das gefiel.

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The Contract of the Audience

99 pages of text, 4 hours of theater, no scheduled intermissions. Sounds like a marathon, right? Sounds potentially aggressive, potentially cruel. Did I mention that “Die Kontrakte des Kaufmanns” by Elfriede Jelinek is about the financial crisis and the evils of capitalism? Did I mention that the text resembles Jelinek’s “Women as Lovers” in its structural patterns? That the text spins around and around and goes almost nowhere? Did I mention that the text is 99 pages and that the piece is 4 hours without an intermission? But out of these daunting circumstances, Nicolas Stemann has created a wonderful, inspiring evening of theatre.

Who's Afraid of 99 Pages? Photo: David Baltzer

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